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Reiseblog für Flashpacking, Camping, individuelles Reisen

Nepal – Im Land der Götter

Der Himalaya und das Kathmandu-Tal sind ein Mythos, ein Sehnsuchtsziel! Im Angesicht der höchsten Berge dieses Planeten sind die Götter allgegenwärtig! In den religiösen Stätten des Hinduismus und Buddhismus scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Alles ist betörend…die Farben, die Musik, der Duft! Mit der chaotischen Betriebsamkeit der Hauptstadt und den archaischen Landschaften der Annapurnaregion tauchen wir in eine neue, unbekannte Welt ein…

Die Route:
Kathmandu – Patan – Bhaktapur – Bandipur – Pokhara – Trekking Annapurna – Pokhara – Kathmandu

Kulturschock in Kathmandu

Unsere erste Reise auf den asiatischen Kontinent startet mit einem sechseinhalbstündigen Nachtflug nach Maskat – über das Schwarze Meer und den Persischen Golf bis zum Golf von Oman. Die Sonne brennt, und bereits um halb acht Uhr Ortszeit sind es hier 26° C! Nach fast drei Stunden Aufenthalt folgt der Weiterflug in die nepalesische Hauptstadt – diesmal in einer auffallend älteren und abgenutzten Maschine mit engen Sitzabständen. Kurz vor der Landung ragen am Horizont die ersten schneebedeckten Gipfel auf – und mein Herz hüpft voller Vorfreude und aufgeregter Erwartung! Die Ausläufer der Stadt rücken im Sinkflug näher. Weit verstreute Wohnhäuser im Staub. Und schon finden wir uns auf dem Rollfeld des Tribhuvan-Flughafens wieder. Wir sind in Kathmandu!

Wir nehmen unsere Rucksäcke in Empfang und werden am Ausgang von einer Traube Taxifahrer belagert, die uns ihre Dienste anbieten. Kein Bedarf! Im Gewusel aus Einheimischen, Abholschildern, Touristengruppen und Fahrzeugen entdecken wir stattdessen vor dem Flughafengebäude den Kleinbus, der uns zum Hotel in der Stadt bringen soll. Die ersten Eindrücke im Vorbeifahren überwältigen uns… Die Straßen sind vollgestopft mit Fahrzeugen aller Art, Fahrrädern, Fußgängern und Kühen! Dazu der Linksverkehr, Gehupe zu jeder Gelegenheit, marode und trotzdem bewohnte Gebäude, Stromkabelknäuel über den staubigen Straßen, Menschen mit und ohne Mundschutz, Verkaufsstände, Wohnbarracken, windschiefe Baugerüste aus Bambus, Schutthaufen wo sich eigentlich Bürgersteige befinden sollten, Ziegen, eine vierköpfige Familie auf einem Roller (davon nur der Fahrer mit Helm), Abgase und Berge von Müll am Straßenrand. Wir fahren über den Durbar Marg, eine Hauptstraße im Zentrum von Kathmandu, vorbei an der bekannten Parkanlage „Garden of Dreams“ im Touristenstadtteil Thamel und erreichen nach diesem regelrechten Kulturschock unser Hotel Gangjong. Aus dem Straßenchaos biegen wir in einen eingefassten Hof ab und finden uns in einer einladenden, gepflegten Unterkunft wieder. Durchatmen!

Nach Bezug unseres Zimmers brechen wir sofort wieder auf, um mit einem Taxi zurück ins Zentrum zu fahren, zum Durbar Square. An das knallharte Verhandeln des Fahrpreises müssen wir uns erst noch gewöhnen, bekommen aber schnell ein Gefühl für das übliche Preisgefüge. So erleben wir das Straßenchaos an diesem Tag zum zweiten Mal, im Dunkeln.

In der Innenstadt lassen wir uns durch die engen Gassen treiben, geben uns Mühe, nicht überfahren zu werden und lassen die überwältigenden Eindrücke auf uns wirken!

Rikschas, Roller, Kühe… vollgestopfte kleine Geschäfte mit Waren aller Art, die beleuchteten, teils aber auch im Dunkeln liegenden Tempelanlagen, Marktstände und Straßenverkäufer. Die intensiven Abgase und der Staub der unbefestigten Straßen schlagen uns nach so kurzer Zeit bereits auf die Atemwege.

Nach knapp 30 Stunden Wachheit übermannen uns Müdigkeit und Hunger. Ein Taxi bringt uns zu einem späten Abendessen zurück ins Hotel. Ab auf´s Zimmer, endlich ein Bett!

Kleine Abenteuer in Kathmandu und Patan

Durch die engen, überfüllten Gassen des Stadtteil Thamels düsen wir am nächsten Morgen mit einem Taxi noch einmal zum Durbar Square, um ihn jetzt bei Tageslicht zu erleben. Dort stromern wir bis zum Mittag herum und bestaunen die Tempelanlagen und den Alten Königlichen Palast (Hanuman Doka) mit Aufstieg bis ins Dach. Von dort können wir einen Blick über das Meer der Ziegel- und Pagodendächer werfen. In der Dauerausstellung des Palastes werden eine Menge Abbildungen und Gegenstände aus dem Leben und Wirken der letzten Könige präsentiert. Unsere Highlights: echte Elefantenfüße als Briefbeschwerer und Zebrabeine als Lampenschirme! Über ein endloses Labyrinth dekorierter Gänge gelangen wir in den Innenhof, den wir über das berühmte Tor des Hanumam, einer beliebten hinduistischen Gottheit in Affengestalt, verlassen und hier auch die zugehörige Statue betrachten können.

Außehalb des ruhigen Palastareals bricht der Trubel wieder über uns herein. Die vielen Menschen, die anpreisenden Händler, die hartnäckigen Guides, die endlos auf uns einreden, um uns ihre Dienste anzubieten… Von einem erfahren wir immerhin, dass um die Mittagszeit die Chancen groß sind, die lebende Kindergöttin Kumari an einem Fenster ihres Wohnsitzes, des Kumari Chowk, zu sehen. Wir folgen der Empfehlung und haben tatsächlich großes Glück! Wir stehen noch keine fünf Minuten im Innenhof des Gebäudes (und werden gerade mal wieder von einem Guide bequatscht), da erscheint über uns am Fenster das ernste Gesicht eines jungen Mädchens mit großen Lidstrichen und dem dritten Auge auf der rot geschminkten Stirn. Nicht einmal eine ganze Minute blickt sie hinaus, dann ist sie wieder verschwunden.

Die Ernennung der Kumaris, der kindlichen Göttinnen von Nepal, fußt auf einer seit dem 13. Jahrhundert bestehenden Tradition, nach der sie von den Nepalesen als Wiedergeburt einer Schutzgöttin verehrt werden. Nach einem komplizierten Auswahlverfahren werden die Mädchen bereits als Kleinkinder ausgewählt und müssen religiöse Prüfungen bestehen, um in den Folgejahren ihrer göttlichen Bestimmung nachzukommen – häufig in großer Isolation. Sie bleiben bis zu ihrer ersten Menstruation in ihrer Rolle als Göttin und müssen sich danach in einer für sie oft unbekannten Alltagswelt zurechtfinden.

Auf dem in der Nähe gelegenen Basantapur Square besuchen wir eines der zahlreichen Rooftop Restaurants. Durch einen dunklen – nicht allzu großes Vertrauen erweckenden – Hauseingang und steile, enge Stiegen gelangen wir auf eine kleine Dachterrasse. Wir sind begeistert! Von hier haben wir einen phantastischen Blick über die von Tempeln gesäumten Plätze und die Dächer der Stadt. Bei diesem Panorama schmecken die landestypischen Momos – kleine nach Koriander duftende, gefüllte Teigtaschen – und vegetarisches Curry umso besser. Am Horizont thront auf einem bewaldeten Hügel der mächtige Swayambunath-Stupa, eine der ältesten Stätten des Buddhismus überhaupt und unsere nächste Station des heutigen Tages, die wir wieder mit einem Taxi ansteuern.

Die beeindruckendeTempelanlage und Pilgerstätte Swayambunath wird – wie der Durbar Square – als Unesco-Weltkulturerbe geführt. Auf einem kleinen Platz am Zugang auf das weitläufige Areal tummeln sich nicht nur Touristen und Pilger, sondern auch unzählige, teils ziemlich freche Affen. Vorbei an kleinen Schreinen, mehr oder weniger verfallenen Gebäuden und Souvenierständen gelangen wir zum Herzstück der Anlage, dem mächtigen kuppelförmigen Stupa mit seinen bunten Gebetsfahnen, den sehenden Augen des Ur-Buddhas, der Treppe ins Nirwana und rotierenden Gebetsmühlen.

Die vielen Pilger, Frauen in roten Saris und buddhistischen Mönche ziehen uns in ihren Bann.

Wir lauschen einer Gruppe nepalesischer Gläubiger, die auf dem Boden im Kreis sitzen und ein betörendes Mantra singen. Mehrere Touristinnen kommen uns mit einem Bindi, dem traditionellen roten Punkt zwischen den Augenbrauen, entgegen. Wo mögen sie den herhaben? Kurz darauf wird das Rätsel gelöst. Ein auf ausländische Besucher fixierter Einheimischer streut auch mir Blüten ins Haar und malt mir – gegen Bezahlung, die man nicht mehr verweigern kann – einen Punkt auf die Stirn.

Bei aller Faszination für die religiöse Atmosphäre Swayambunaths, treffen wir hier gleichzeitig auch auf unfassbares Elend – wie noch häufig während dieser Reise. Die Begegnung mit denen, die in einem von großer Armut betroffenen Land zu den Mittellosesten gehören, gehört zu den beklemmendsten Erfahrungen, die wir auf unseren bisherigen Reisen gesammelt haben.

Über die berühmte, mehr als 300 Stufen umfassende Treppe der Tempelanlage steigen wir auf der anderen Seite des Hügels bergab und in ein Taxi, das uns nach Patan bringt. Die ehemalige Königs- und Hauptstadt ist im Laufe der Zeit mit Kathmandu verschmolzen. Auf dem Weg zum dortigen Durbar Square – ebenfalls Unesco-Weltkulturerbe – erhalten wir aufs Neue überwältigende Einblicke in das städtische Leben: marode Straßen, Abgase, tosender Verkehr, Bruchbuden reihen sich am Straßenrand aneinander, Häuser in einem unglaublich baufälligen Zustand… über eine Brücke überqueren wir den Flusslauf des Bagmati und sehen das schockierende Ausmaß der Vermüllung. Berge von Plastikabfall türmen sich an den Ufern und im stinkenden Wasser auf.

Plötzlich biegt unser Fahrer von der Hauptverkehrsstraße in ein kleines, enges Schottergässchen ab, was uns alles andere als geheuer ist. Auf meine skeptische Nachfrage, wohin wir denn nun fahren, antwortet der Fahrer lachend: „To Patan Durbar Square!“ Kurz darauf landen wir wieder auf einer breiteren Straße und sind beruhigt. Es war wohl nur eine Abkürzung.

Am Eingang zum Patan Durbar Square werden wir von einem außergewöhnlich penetranten Guide mit den Worten: „Where are you from? Germany? Dieter Bohlen Country!“ belagert, von dem wir uns nur mit einigen Mühen wieder verabschieden können. Auf der weitläufigen Platzanlage geht es etwas geruhsamer zu als in Kathmandu. Auch hier sehen wir uns die Tempel und den Alten Königspalast an und streunen durch enge Nebengassen bis zum Goldenen Tempel, in dem sich buddhistische und hinduistische Traditionen mischen. Von außen ziemlich unscheinbar, entfaltet der Tempel vom Innenhof aus seine ganze goldene Pracht. Dort bleiben wir eine Weile, sehen uns – umnebelt von unzähligen Räucherstäbchen – ein für uns nicht erschließbares religiöses Zeremoniell an und kehren anschließend zum Durbar Square und zu unserem Hotel zurück.

Von Kathmandu nach Bhaktapur

Bhaktapur – die Stadt der Gläubigen – liegt östlich von Kathmandu und ist mit der Hauptstadt über die einzige Straße Nepals verbunden, die sich in einem wirklich guten, vollständig asphaltierten Zustand befindet. Im Bus sehen wir die Siedlungen ohne Unterbrechung an uns vorbeiziehen. Beide Städte gehen fast unmerklich ineinander über. Bhaktapur gehört – wie Kathmandu – ebenfalls zu den so genannten Königsstädten im Kathmandutal.

In der historischen, fast vollständig verkehrsberuhigten Altstadt geht es beschaulich zu. Wir schlendern wir durch die Straßen und Gassen, vorbei an kleinen Fleisch-, Obst- und Gemüseständen und Shops mit Souveniers und Kunsthandwerk. Wir sind besonders von einem Stand beeindruckt, an dem Wasserbüffelfleisch auf einer Platte angeboten wird, die nur mehrere Zentimeter über dem Boden liegt – genau auf einer Höhe, die für mehrere Straßenhunde interessant ist. Die Hunde pirschen sich immer wieder an den Stand heran, um dann von den Verkäufern wieder verjagt zu werden.

Die Stadt ist berühmt für ihre vielen Plätze, auf denen Töpferwaren angeboten werden und Reis getrocknet wird. Die Bauern leben hier zentral in ihren Häusern und bewirtschaften vor den Toren der Stadt ihre Felder. Immer wieder weht aus irgendwelchen Lautsprechern das buddhistische Mantra „Om mani phedme hum“ zu uns herüber. Das Mantra wird auf der gesamten Reise eine immer wieder kehrende Musikuntermalung bilden – gefühlt schallt „Om mani phedme hum“ aus sämtlichen Lautsprechern des touristisch erschlossenen Nepal und wird unterwegs zum Dauerohrwurm!

Auf einem beeindruckenden, großzügigen Platz, dem Dattatraya Square, treffen wir auf einen gleichnamigen, reich verzierten Tempel aus dem 15. Jahrhundert, der nicht einem einzelnen, sondern gleich drei Göttern gewidmet ist, Vishnu, Shiva und Brahma. Zutritt nur für Hindus (wir fragen uns, woran man das erkennt…).

In einer Papiermanufaktur besichtigen wir die Werkstatt, in der das Papier handgeschöpft, von Hand bemalt und bedruckt wird. Vom Dach der Manufaktur blicken wir über die kleinteilige Dachlandschaft Bhaktapurs mit ihren Dachterrassen, auf denen bunte Wäsche getrocknet wird, kleine Pflanzkübel gepflegt werden und Reis getrocknet wird. Nicht ohne Begeisterung lassen wir uns zum Abschluss der Besichtigungsrunde durch den angegliederten Shop treiben und erstehen erste Mitbringsel. Mein Highlight: eine Maske des Elefantengottes Ganesha. Wir erfahren, dass für viele Hindus eine Ganesha-Figur als Glücks- und Segenssymbol häufig das erste ist, was Einzug in ein neues Heim hält.

Durch die schattigen, engen Gassen eines ruhigen Wohnquartiers gelangen wir auf einen weiteren zentralen Platz, den Taumadhi Tol. Hier überragt Nyatapola, ein hinduistischer Pagodentempel mit fünf Dächern die Umgebung. Die beachtliche Höhe des Tempels, die Symmetrie, die steilen Steintreppen mit ihren Ringerwächtern und Tierfiguren aus Stein und die undurchdringliche, weil unglaublich vielfältige Symbolik – nicht nur dieser, sondern aller besuchter Tempelanlagen – beeindrucken uns sehr.

In einem Klangschalengeschäft legt sich der Inhaber ordentlich ins Zeug, um uns diverse Modelle aus Kupfer, Silber und Gold vorzuführen. Wir erfahren etwas über den Vorzug handgefertigter gegenüber maschinell gefertigter Klangschalen, und ich diene umgeben von weiteren Besuchern als Demonstrationsobjekt für die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten. Mit einer riesigen Klangschale auf dem Kopf komme ich mir vor wie Michel aus Lönneberga. Die Geräusche und Vibrationen der Klangschalen auf Kopf, Rücken und Knien wirken beruhigend und meditativ. Im Gegensatz zum Preis, den wir erst ganz zum Schluss erfahren und der uns mit rund 160 Euro pro Schale doch zu hoch ist, um da mal eben eine als Souvenir „mitzunehmen“. Und so hat sich der nun nicht mehr ganz so freundliche Ladenbesitzer leider umsonst so bemüht.

Ganz in der Nähe treffen wir auf den Durbar Square von Bhaktapur. Auch dieser Platz ist von mit aufwändigen Holzschnitzereien verzierten Tempelanlagen eingefasst. Die bedeutsamsten Stätten sind der Palast der 55 Fenster, der heute die Nationalgalerie beherbergt, und das Goldene Tor mit dahinter liegenden Innenhöfen. Ganz im Innern der Anlage befindet sich der Mul Chowk, ein wunderschöner Hof, auf den wir aber nur einen Blick durch die Eingangstür erhaschen, denn auch dieser Bereich ist nur für Hindus zugänglich (und wir sehen offenbar leider nicht wie Hindus aus).

Am späten Nachmittag beziehen wir ein Zimmer in dem gemütlichen, nur etwa 100 Meter vom Durbar Square entfernt gelegenen Vajra Guesthouse, eine kleine Oase mit ruhigem Innenhof, Laubengängen und einer Dachterrasse. Später unternehmen wir noch einmal einen kleinen Rundgang durch die Altstadt und erleben eine Überraschung: die meisten Straßen, Tempel und der Durbar Square liegen in völliger Dunkelheit! Keine Laternen, keine Werbeschilder, keine illuminierten Gebäude. Nur eine einzige Straßenzeile mit geöffneten Shops und Bars scheint noch über Elektrizität zu verfügen. Auf dem ebenfalls ziemlich finsteren Taumadhi Tol hat sich eine Gruppe Herren am Boden sitzend versammelt und singt Mantras. Über ihnen flackern kleine Glühbirnen, die zwischendurch aber auch immer wieder ausfallen. Wir sind fasziniert, wie sich die Menschen trotz dieser Einschränkungen arrangieren und der Alltag einfach weiterläuft. Man ist unterwegs, der Verkehr geht weiter, man macht das Beste aus der Situation. Und trotzdem scheint das Leben für den Moment ein wenig betäubt zu sein, denn alles geht in der undurchdringlichen Schwärze der Nacht etwas langsamer vonstatten.

In der Finsternis geben wir uns Mühe, nicht von vorbeifahrenden Motorrädern überrollt zu werden oder mit anderen Passanten zusammenzustoßen und tasten uns wieder zu unserem Guesthouse vor.

Weiterreise nach Bandipur

Die Nacht ist extrem kurz – erst bellen die Hunde, dann klingelt in gewissen Abständen irgendwo eine Glocke, dann rufen sich zwei Vögel Signale zu, dann tropft der Duschkopf (nach mehreren Versuchen schafft ein Handtuch drumherum gewickelt Abhilfe), dann beginnen draußen die ersten Trecker vorbei zu brausen… und der Wecker klingelt.

Nun folgt ein Paradebeispiel, wie man sich auf Reisen so richtig zum Deppen machen kann. Und wir sind an diesem Morgen die Hauptakteure! Eine Stunde bevor der Kleinbus zu unserem nächsten Übernachtungsziel aufbrechen soll, klopft es an unserer Zimmertür, und jemand will unsere Rucksäcke abholen. Wir sind noch nicht fertig und fragen ob es möglich ist, erst nach dem Frühstück fertig zu packen. Alles klar, kein Problem. Als wir nach dem Frühstück die Treppe wieder heraufkommen, steht die Zimmertür offen, die Reinigungskraft ist schon drin, und von unseren Rucksäcken keine Spur mehr. An der Rezeption geben wir Bescheid, dass unser Zimmer bereits geräumt ist und erkundigen uns, wo unsere Sachen denn wohl gelandet sein könnten. Die etwas irritierte Antwort lautet: im Bus. Der Fahrer öffnet den Kofferraum, der leer ist. Wieder zur Rezeption. Nachfrage: Ist das Gepäck vollständig weg? Aus dem geschlossenen Zimmer? Ja. Die vier Hotelangestellten werden plötzlich hektisch, es wird telefoniert und palavert, und wir bekommen irgendwie mit, dass die Rucksäcke dann wohl mit einer Gruppe Engländer auf dem Weg zum Flughafen sind… Wir werden unruhig… Dann jedoch weiteres Palaver, und das Rätsel ist gelöst: Unser Kram steht unangetastet in unserem Raum 201. Wir sind blöderweise nur EINE Treppe hinaufgestiegen statt zwei und sind in dem bereits leergeräumten Raum 101 in der falschen Etage gelandet. Wie unangenehm! Wir entschuldigen uns mehrmals und kleinlaut bei der Rezeptionistin, bei den Trägern, beim Busfahrer, dem Universum und der restlichen Welt für den Wirbel und schämen uns.

Wir verlassen den Ort der Schmach und sind zum ersten Mal über Land unterwegs, über die Ringroad Kathmandus und den Prithvi-Highway bis nach Bandipur. Während der Fahrt: Reisfelder, Nepalesen mit Tragekiepen, in denen so ziemlich alles transportiert wird (Pflanzen, Erntegut, Dung, Steine, Tomaten, Holz etc.), viele baufällige und halbfertige Häuser, Bananenstauden, Müll am Straßenrand, unzählige Lädchen und Imbissstände, Alltagsleben in Straßenstaub und Abgasen – Menschen beim Wäschewaschen, Kochen, Nickerchen halten, Spielen, SMSen, Werkeln und Korbflechten.

Der Fahrstil der Nepalesen ist gewöhnungsbedürftig, die Straße ist marode. Es geht hinauf in die Berge. Serpentinen und Schlaglöcher lassen die auffahrenden Trucks mit rußschwarzen Auspuffgasen aus dem letzten Loch pfeifen. Viele Pannenfahrzeuge liegen am Straßenrand; waghalsige Überholmanöver; eine Ziege auf einem Kleinbusdach, die mit Mühe und Not versucht, das Gleichgewicht zu halten; Hühnertransporter mit dreistöckigen Käfigen; Leute, die außen an den LKW und Bussen hängen oder auf den Dächern sitzen… Wir sind froh, in einem Bus und nicht selbst am Steuer zu sitzen.

Nach etwa fünf Stunden und rund 160 Kilometern erreichen wir die rund 16.000 Einwohner zählende, auf einem Bergsattel in etwa 1.000 Metern Höhe gelegene Stadt Bandipur. In unserer dortigen Unterkunft, dem Bandipur Village Resort mit seinem verwilderten Garten, den landestypischen, einfachen Zimmern und einer Dachterrasse fühlen wir uns sofort wohl.

In dem malerischen Ort herrscht eine beschauliche Atmosphäre. Die Häuser sind einfach, aber werden oft liebevoll unterhalten und sind mit blühenden Pflanzen berankt. Alles wirkt gepflegt, es liegt kaum Müll herum. Kleine Shops reihen sich neben die Gaststuben der Lodges und Guesthouses. Wir zweigen in eine Nebengasse ab, wo sich das Alltagsleben abspielt. Zwei Jungs dreschen Linsen, Leute tratschen und arbeiten im Garten, Kinder spielen. Ein weiter Weg führt hinauf zu einem kleinen Tempel auf einem Schulhof, vor dem viele Jugendliche abhängen und sich gegenseitig fotografieren.

Auf einem weitläufigen Sportplatz findet eine Art Picknick mit Jugendlichen aus den umliegenden Ortschaften statt. In kleinen Grüppchen sitzen, stehen und tanzen sie zusammen, hören Musik und essen gemeinsam. Als stille Beobachter bleiben wir am Rand und beobachten das bunte Treiben. Teils werden wir ein wenig skeptisch beäugt, teils freundlich um Fotos mit Smartphones gebeten (wahrscheinlich sind wir morgen irgendwo bei Facebook zu sehen). Ein paar Brocken Englisch werden ausgetauscht. Auf einer Bank neben einem Kiosk trinken wir schwarzen Tee und beobachten eine eingeschworene Gemeinschaft, die gerade darüber zu diskutieren scheint, wo sie möglichst unentdeckt von den Lehrern einen Joint rauchen kann.

In der Dämmerung kehren wir zu unserer Unterkunft zurück und lassen den Tag auf der Dachterrasse ausklingen.

Pokhara und der Phewasee

Etwa 80 km von Bandipur entfernt liegen auf etwa 800 Metern über NN der Phewasee und die rund 320.000 Einwohner zählende Stadt Pokhara. Sie bildet den Ausgangspunkt für viele Trekkingtouren in die Annapurna-Region. Besonders der direkt am Seeufer gelegene Stadtteil Lake Side ist auf die Besucher aus allen Teilen der Welt ausgelegt. Hier reihen sich die Läden mit Trekking- und Bergsteigerequipment, gebrauchten Büchern, Schuhen und Souveniers, die Restaurants, Hotels und Bars aneinander. Etwas abseits vom Trubel befindet sich unser Hotel, das Base Camp Resort, mit schönen Zimmern und einem grünen, ruhigen Innenhof.

Eine beliebte Freizeitgestaltung auf dem Phewasee ist das Ruderbootfahren. Von den zahlreichen Bootsverleihen können die Besucher starten und zu einer etwa 200 Meter vom Seeufer entfernt gelegenen Insel übersetzen – entweder mit eigener Kraft oder indem man einen Bootsmann engagiert. Auf der Insel befindet sich eine kleine Tempelstätte namens Tal Barahi, die offenbar ein beliebtes Ziel für nepalesische Schulklassen ist.

Am Bootsanleger tummeln sich wartende Menschenmengen. Besonders eine Gruppe buddhistischer Mönche in Funktionsjacken eines bekannten US-amerikanischen Labels findet unser Gefallen – Tradition trifft auf Moderne! Wir möchten ein Boot mieten, jedoch nicht hier im Gewusel, sondern an etwas ruhigerer Stelle. Beim nächsten Verleih steigen wir in ein nicht mehr ganz taufrisches Holzruderboot und legen ab. Nach wenigen Metern bemerken wir ein Leck, durch das langsam Wasser eindringt. Da zu erwarten ist, dass wir bei zwei Stunden Mietzeit zum Ende hin bestimmt vollgelaufen sein werden und absaufen, kehren wir um und werden schon mit einem anderen Boot erwartet. Auch dieses sieht nicht mehr tipptopp aus, ist aber zumindest dicht. So paddelt uns Carsten unter vollem Einsatz seiner physischen Kräfte hinüber zur Tempelinsel mit ihren Schülergruppen und unzähligen aufgeschreckten Tauben. Aussteigen kann nur einer von uns, denn leider hat unser Boot keinen Strick, um es zu befestigen. Am gegenüberliegenden, dicht bewaldeten Seeufer geht es geruhsamer zu. Die Sonne scheint, und von einer nahegelegenen Lodge schallt chillige Musik herüber. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir trocken wieder den Ausgangspunkt unserer Bootsfahrt.

Der Himmel ist klarer, der Dunst des Tages ist weniger geworden. Und so können wir vom Laubengang vor unserem Zimmer zum ersten Mal seit unserem Landeanflug den Himalaya sehen! Am Horizont zeichnet sich der mächtige Gipfel des Macchapuchare – auch Fishtail genannt – mit 6.993 Metern über NN ab!

In der Nacht träume ich von einem Meer von Andenkenständen, an denen kunterbunte Webwaren verkauft werden. Bis zum Horizont nur nepalesische Webwaren… irgendwie verstörend!

Morgens setzen wir mit einem hauptamtlichen Paddler auf die andere Seeseite über, um von dort den Aufstieg zum World Peace Stupa in Angriff zu nehmen. Auch jetzt zeichnen sich am Horizont die mächtigen Berge durch den Dunst ab. Wie uns der Bootsmann mitteilt, sind es die Gipfel von Macchapuchare (Fishtail), Annapurna I, II, IV und Annapurna South.

Der Aufstieg zum Stupa führt über einen schmalen Steig durch den Wald an zwei kleinen Pagoden vorbei und dauert etwa eine dreiviertel Stunde. Oben angekommen haben wir wegen des verschleierten Himmels keinen optimalen Fernblick, Pokhara und der Phewasee liegen aber malerisch unter uns. Der Weltfriedensstupa strahlt weiß in der Sonne, und die Buddhastatue glänzt in blitzeblankem Goldton. Auf Socken können wir die Treppen hinauf zur Statue steigen, einmal um den Stupa herumlaufen und die Aussicht genießen. Bergab schlagen wir einen längeren, dafür flacheren Weg in Richtung des Stadtteils Dam Side ein. Am Fluss Pardi Khola sind auf einem Kiesbett unzählige Frauen und Kinder dabei, Wäsche zu waschen und zu baden. Kurz hinter der Brücke grillt eine Dame über einem Feuer Wasserbüffelfüße.

Wir marschieren über staubige Straßen und entlang dem Siddharta Highway bis nach Chorepatan zu einer weiteren Sehenswürdigkeit Pokharas: dem Devi´s Fall. Der Pardi Khola verschwindet hier in Form eines Wasserfalls in einem Schluckloch. Auf Nepalesisch heißt dieser Ort „Patale Chhango“, Wasserfall in die Unterwelt. Mit dem Taxi fahren wir zu einer weiteren Sehenswürdigkeit Pokharas – dem arg in die Jahre gekommenen, kuriosen International Mountain Museum. Unser Highlight im Museum sind eine wischmopartige Nachbildung des Yetis und eine Schulklasse, die alle Gerüche Nepals in und um sich vereint.

Zurück im Hotel packen wir unsere Rucksäcke und bereiten uns auf intensive Wandertage in der Annapurna-Region vor.

Als Carsten das Zimmer noch einmal für ein paar Erledigungen verlässt, ist der Dunst des Tages vollständig verschwunden, und am Horizont zeichnet sich klar und deutlich der Himalaya ab! Macchapuchare und die Annapurna-Gipfel im Licht der untergehenden Sonne! Wir drehen durch!

Heute ist der Tag des Lichterfestes, und die Stadt pulsiert auch am Abend noch im Schein unzähliger Kerzen, Lampions und Lichterketten. Überall finden kleine Feiern und Tanzdarbietungen statt. Wir verlassen Lake Side, um in einem kleinen Zentrum der Einheimischen ein Restaurant mit nepalesischer Traditionsküche zu besuchen. Hier verspeisen wir unsere erste klassische Nepali-Platte mit verschiedenen Currys, Joghurt und Dal, dem in Nepal zu allen Tages- und Nachtzeiten servierten Linsengericht. Die beachtliche Schärfe der Speisen rollt uns fast die Zehennägel auf, aber alles schmeckt hervorragend. Gegessen wird mit der rechten Hand. Ich bleibe bei Besteck, ein weiterer Gast isst mit beiden Händen.

Im Kleinbus brausen wir auf dem Rückweg durch die lichterkettengeschmückten Straßenzüge und sind berauscht von der lauten Bollywood-Musik, die uns der Fahrer stolz über seine neue DVD-Anlage mit Musikvideo präsentiert. Was für ein Tag!

Hier geht´s zum Trekking in der Annapurna-Region…

Nach wunderbaren Erlebnissen in der Bergwelt kehren wir zurück nach Pokhara, nehmen unsere in der Unterkunft eingelagerten Gepäckstücke wieder in Empfang und genießen nach den spartanischen Lodges der vergangenen Tage ein „richtiges“ Zimmer mit „richtiger“ Dusche. Für den Rest des Tages wollen wir nur entspannen.

Gegenüber unserer Unterkunft inspizieren wir zunächst eine mächtige Pappelfeige. Unter einem solchen Baum erhielt nach buddhistischer Überlieferung Siddharta Gaudama die Erleuchtung und wurde damit zum Buddha. Durch den Basundhara-Park machen wir uns auf den Weg zu einer kleinen Seilfähre über den südlichen, engen Teil des Phewasees, die uns zur luxuriösen Fishtail Lodge bringt. Wir haben darüber im Buch „1.000 Places To See Before You Die“ gelesen, und wo wir schon mal hier sind… Mit Blick auf den See und die Berge sitzen wir in der malerischen Parkanlage, essen Snacks, trinken Bier und lassen es uns gut gehen.

Anschließend bummeln wir an der Touristenmeile in Lake Side entlang und inspizieren die zahlreichen Geschäfte. In einem Buchladen lernen wir „eine Freundin“ von Reinhold Messner kennen, die einen ausgeprägten Drang hat, dieses nicht nur dem Buchverkäufer, sondern auch uns lang und breit mitzuteilen. Mit folgenden Verkaufstricks wird uns das bunte Sortiment in den Läden schmackhaft gemacht: Anstatt der erforderlichen Shirt-Größe XL soll die utopisch kleine Größe L anprobiert werden. Die Verpackung des Shirts wird als zusätzliches Verkaufsargument angeführt (Das Shirt ist zwar zu klein, aber Sie bekommen diese tolle Verpackung dazu!). Die Schuhgröße bei den Flipflops ist aus Sicht des Verkäufers ebenfalls nicht so wichtig. Auf Nachfrage nach vergleichbar einfarbigen Flipflops in der richtigen Größe wird ein Paar mit einer Abbildung von Arielle der Meerjungfrau hervorgekramt. Und selbstverständlich sind die angebotenen Waren bekannter Labels alles Originale!

In einer Bar lassen wir den Tag bei psychedelischer Musik und einer Tasse Hot Lemon Honey ausklingen.

Sauraha und der Chitwan Nationalpark

Zwei Tage verbringen wir in und um Sauraha, einem kleinen Dörfchen am Rande des Chitwan Nationalparks. Im Gegensatz zu den Landschaften, die wir auf unserer bisherigen Rundreise kennengelernt haben, ist die Grenzregion zu Indien, das Terai, platteben und das Klima subtropisch. Wir wohnen im Ortszentrum von Sauraha, im Wildlife Camp Resort mit einem schönen Palmengarten, um den sich die Zimmer mit angeschlossener Veranda gruppieren. Bei einer frühmorgendlichen Bootstour auf dem Rapti River und einer leider viel zu kurzen Wanderung in einem Randbereich des offiziellen Nationalparkgebietes erkunden wir mit einem Guide das Terrain, sehen Eisvögel, Papageien, Fischadler, durchstreifen das hohe Elefantengras, beobachten einen Wildbienenschwarm und zur Familie der Krokodile gehörende Gaviale.

Um sechs Uhr in der Frühe starten wir am nächsten Morgen noch einmal mit einem Jeep, einem Fahrer und zwei Guides zu einer Wanderung. Unser Ziel ist offensichtlich eine Randzone des Nationalparks im Umfeld einer Elefantenaufzuchtstation. Kein Mensch ist unterwegs, die Nebelschwaden liegen noch über der Landschaft, es tropft von den Bäumen. Wir laufen durch die schöne Waldlandschaft mit vermoorten Senken, Tümpeln und Lichtungen. Wir sehen Fischadler, einen Eisvogel, Rehwild, Nashorn- und Tigerspuren, ein Wildschwein, das über den Weg flitzt, einen Blindschleichen großen Erdwurm und Termitenhügel, zwei Gaviale und ein Krokodil, das nur mit den Augen und einem Stück Schnauze aus dem Wasser herauslugt.

Zurück in Kathmandu

Während der Busfahrt zurück nach Kathmandu werden wir wieder Zeugen diverser halsbrecherischer Überholmanöver und verunfallter Fahrzeuge am Straßenrand. Irgendwie gewöhnen wir uns langsam dran. In Kathmandu beziehen wir ein Zimmer in dem uns bereits bekannten Hotel Gangjong und fahren mit dem Taxi in den Stadtteil Thamel. Wir bummeln durch die engen, mit Menschen vollgestopften Gassen, durch die sich auch noch Rikschas und Motorräder zwängen. Was für ein Trubel! Souvenir- und Pashminaschal-Geschäfte, Ornament- und Strasssteinläden mit einer Riesenauswahl an Stirnaufklebern reihen sich aneinander. In der Freak Street umweht uns am Abend der Charme alter Zeiten, als die ersten europäischen Aussteiger und Hippies ins sagenumwobene Kathmandu kamen. Heute sind es die „normalen“ Backpacker, die in den Bars sitzen, Bier trinken und diskutieren.

Für unseren letzten Tag in Nepal haben wir uns ein straffes Besichtigungsprogramm vorgenommen. In aller Frühe düsen wir mit einem Taxi zum Unesco-Weltkulturerbe Boudha (Bodnath), zu einer bedeutenden buddhistischen Pilgerstätte, besonders für (Exil-)Tibeter. Zur frühen Stunde umkreisen die Gläubigen den Stupa, viele halten eine Art Rosenkranz oder Gebetsmühlen in den Händen und murmeln Gebete vor sich hin. Tibetische Frauen in bunten Kleidern, buddhistische Mönche, teils auch europäische Konvertiten, Alte, Junge, Kranke, Gesunde – ein buntes Bild. Auch wir umkreisen den uralten Kuppelbau, bewundern die unzähligen bunten Gebetsfahnen und die alles bewachenden Augen Buddha. In einem kleinen, abgeschiedenen Innenhof beten einige Gläubige, die sich in wiederkehrenden Bewegungen erheben und auf den Boden werfen.

In einer der schmalen Gassen in der Nähe des Stupa entdecken wir ein Kloster und vergewissern uns bei einem Mönch, dass wir den Innenhof betreten dürfen. Oberhalb eines Treppenaufgangs treffen wir ganz unerwartet auf ein Schulzimmer mit einer Gruppe quirliger, kleiner Mönche, die gerade von einem gut gelaunten, großen Mönch unterrichtet werden.

Eine weitere bedeutsame Weltkulturerbe-Stätte in Kathmandu sind die Tempelanlagen von Pashupatinath. Ein beeindruckender, weil so gänzlich fremder Ort! Als eine der bedeutendsten religiösen Stätten der hinduistischen Welt liegt Pashupatinath am Ufer des Bagmati-Flusses, wo die Gläubigen ihre Toten verabschieden, betrauern und verbrennen, aber auch Sterbenskranke auf ihren Tod warten. Das Ufer gliedert sich in die schlichten Ram Ghats, die Verbrennungsstätten für die niederen Kasten beziehungsweise den mittelloseren Teil der Bevölkerung und die reich verzierten Arya Ghats für die Mitglieder der Königsfamilie, und diejenigen sich eine Verbrennung an diesem prominenten Ort leisten können.

Über dem Bagmati ist die Luft von dem beißenden Rauch der Leichenverbrennungen erfüllt. Familien betten ihre Toten in Tücher gehüllt an das Ufer, die Füße im Flusswasser badend.

In einer beeindruckenden Zeremonie bereitet eine Familie den Leichnam eines Angehörigen für die Reise ins Nirwana vor. Nach der Tradition wird er durch den ältesten Sohn auf einem kunstvoll geschichteten Holzhaufen mit Stroh in Brand gesteckt. Mehrere Gaben werden vor dem kleinen Podest zusammengelegt: Blumen, buntes Pulver, Obst, Münzen und andere Wertgegenstände. Die Verpackungen werden achtlos in den Fluss geworfen. Dort wo sich schon die Überreste vergangener Bestattungen sammeln.

Noch während die Familie um den Leichnam trauert, beginnt unterhalb des Holzhaufens ein Jugendlicher, im Wasser und am Boden um den Toten herum mit einem Magneten an einer Schnur nach Münzen zu fischen und die Wertgegenstände abzugreifen. Die umstehende Trauergemeinschaft ist offenbar völlig unbeeindruckt und richtet alle Aufmerksamkeit auf den Abschied.

Wir erklimmen eine Steintreppe zu den höher gelegenen Tempelanlagen des Gorakhnath – im Gegensatz zur Atmosphäre an den Flussufern mit ihren trauernden Menschen und der qualmgesättigten Luft herrschen hier oben zwischen den verwunschenen Tempeln und verfallenen Schreinen Ruhe und Beschaulichkeit. Dieses Reich gehört den vielen, hier herumstreundenden Affen.

Wieder unten bei den Ghats angekommen, gelangen wir jenseits des Flusses in den Bereich rund um den Pashupati Mandir, einen Tempelabschnitt, der nur für Hindus zugänglich ist. Durch das Eingangstor können wir das mächtige, goldene Hinterteil von Nandi, dem Stier der Gottheit Shiva, erspähen.

Während wir da so stehen und schauen, verlassen gerade viele Gläubige den Tempel, die uns alle anlachen und grüßen, so dass wir ganz irritiert sind. Als ich eine Gruppe von Frauen fotografieren möchte, die in wunderschöne bunte Gewänder gehüllt sind, werden wir von der Familie angesprochen und unsererseits um Fotos gebeten. Also fotografieren wir uns alle gegenseitig und machen uns gegenseitig Komplimente. Eine zweite Familie bittet Carsten ebenfalls zum Gruppenfoto. Ich klinke mich ungefragt ein. Bei all diesen Leuten handelt es sich – so berichten sie uns – um indische Pilger. Alle freuen sich, wir schlendern weiter.

Eine grüne Oase der Ruhe und Gepflegtheit inmitten des staubigen, chaotischen Stadtgeschehens bildet der Garden of Dreams. Dieses grüne Idyll ist der Garten des Kaisher Mahal, der ehemaligen Residenz eines Feldmarshalls mit verwinkelten Ecken, die offensichtlich sehr beliebt als Rückzugsorte für junge nepalesische Liebespärchen sind. Überall wird geturtelt, getuschelt und geknutscht! Im Kaiser Café gönnen wir uns einen Burger. (Da in Nepal Rinder als heilige Tiere nicht geschlachtet werden dürfen, importiert man das Beef – ganz pragmatisch und absolut unheilig – aus Indien!!).

Unsere Zeit in Nepal geht heute zu Ende. Mit dem Taxi fahren wir zurück zum Hotel – der letzte eigene Höllenritt durch die quirligen Straßen Kathmandus. Morgen geht´s zum Flughafen. Ein winterliches Deutschland wartet schon auf uns.

Zum Schluss…

Es war die erste Reise, die wir in einer kleinen Gruppe unternommen haben. Unsere erste Tour nach Asien schien uns eine gute Gelegenheit zu sein, um diese Art des Unterwegsseins einmal kennenzulernen. Was wir mitgenommen haben: Unsere Art des Reisens ist es eher nicht. Natürlich können wir nachvollziehen, dass viele es als angenehm empfinden, sich um nichts kümmern zu müssen, sich jederzeit mit anderen austauschen zu können und vor allem auch ein Gefühl von „Sicherheit“ vermittelt zu bekommen. Dies kann vor allem in Ländern ein Vorteil sein, die sich allgemein weniger gut als Individualreiseziel eignen oder deren Sprache man nicht spricht. Bewusst haben wir uns – in „weiser“ Vorahnung – für ein Angebot für jüngere Zielgruppen mit viel Raum für individuelle Erkundungen entschieden (Vagabunt, ein Programm von World Insight). Leider haben wir uns dann jedoch in diesem Konzept, vielleicht auch einfach nur in dessen Umsetzung, nicht wiedergefunden. Wo irgend möglich würden wir es immer vorziehen, für uns unterwegs zu sein oder uns nur für wenige Tage einer Unternehmung in einer Gruppe anzuschließen. Wir lieben es, spontan zu entscheiden, Pläne auch einmal zu verwerfen, sich treiben zu lassen, keinen Wecker zu stellen oder eben gerade einen Wecker zu stellen, wenn es uns in den Sinn kommt. In aller Stille Tiere zu beobachten, auf unerwartete Situationen zu treffen… alles Dinge, die nach unserer in Nepal gesammelten Erfahrung mit einer – sei es noch so kleinen – Gruppe letztlich nur eingeschränkt möglich sind. Nichtsdestotrotz haben wir unzählige besondere Momente in diesem archaischen Land erlebt, die wir nicht missen möchten.

Wir haben beklemmendes Elend gesehen, viel Staub, baufällige Häuser und einen teils erschreckenden Umgang mit der Umwelt und der Gesundheit der Menschen. Wie glücklich wir uns schätzen können, in einem Land des Überflusses leben zu können, ist natürlich keine neue Erkenntnis dieser Reise, aber so intensiv wie in Nepal haben wir bisher noch in keinem Land den Spiegel vorgehalten bekommen. Gleichzeitig haben uns die Menschen hier aber auch in besonderer Weise vor Augen geführt, mit welch einfachen Mitteln man zurechtkommen und zufrieden sein kann. Kulturelle Schätze wie die prächtigen Tempel, der unergründliche Hinduismus und Buddhismus, die farbenfrohen Gewänder, die betörende Musik und die gigantische Bergkulisse haben uns in ihren Bann gezogen und mächtig beeindruckt.

Wart Ihr schon in Nepal oder plant eine Reise dorthin? Wir freuen uns auf Eure Empfehlungen, Anregungen und Kommentare!

 

+++ Hinweis: Sämtliche Namensnennungen und Empfehlungen in unseren Beiträgen basieren auf unserer persönlichen Meinung. Für die Erwähnung von Namen, Marken, Titeln etc. und für das Setzen von Links erhalten wir keine Bezahlung und auch keine anderweitige Gegenleistung. +++

 

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