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Reiseblog für Flashpacking, Camping, individuelles Reisen

USA – Unterwegs in Washington und Oregon

Die USA – ein Land, das uns so vertraut erscheint, aber das wir doch bisher nur aus Kinofilmen, Nachrichten und Medienberichten kennen! Auf unserer ersten Reise durch die Vereinigten Staaten unternehmen wir einen Roadtrip durch Washington und Oregon mit einem Mietwagen und einem kleinen Zelt. Die nordwestlichen Bundesstaaten beeindrucken mit endlosen Wäldern, aktiven Vulkanen und blühenden Berglandschaften…

 

Die Route:
Seattle – Mount Rainier Nationalpark – Paradise Creek – Mount Hood – Bend, Oregon – Crooked River Ranch – Bend, Oregon – Crater Lake Nationalpark – Winchester Bay / Oregon Dunes – Seal Rock – Cannon Beach – Copalis Beach – Olympic Nationalpark – Seattle

Übernachtungsorte – unsere TOP 5:
Campground Hoh Rain Forest, Olympic Nationalpark
Campground Paradise Creek, Gifford Pinchot National Forest / Mount Saint Helens
Campground Sol Duc Hot Springs, Olympic Nationalpark
Timberline Lodge, Mount Hood
Campground Heart of the Hills, Olympic Nationalpark

Aktivitäten – TOP 4:
Wanderung auf dem Skyline Trail / Mt. Rainier Nationalpark
Ein Besuch der Stadt Bend und ihrer Umgebung (Deschutes River, High Desert, Lavafelder, Three Sisters)
Wanderungen und Panoramafahrten im Olympic Nationalpark
Wanderung auf dem John Dellenback Trail / Oregon Dunes

 

Schon bei der Anreise ist alles neu und spannend – die Zwischenlandung in der Nähe von New York City, bei der wir deutlich die Skyline der Riesenmetropole und das Empire State Building erkennen können! Die Musikberieselung nach erfolgreicher Landung, bei der uns die Beach Boys, Frank Sinatra und Stevie Wonder ein breites Lächeln aufs Gesicht zaubern! Das Einreiseprocedere in die USA mit ernstem Personal, der Entnahme von Fingerabdrücken und Gesichtsscan… Das ebenso ernste Bodenpersonal, das die Passagiere im kasernenartigen Befehlston hin und her kommandiert…! Kuriose Auslagen in den Geschäften am Flughafen, wie zwei Kinderbücher zum Sinn und zur Historie der Amerikanischen Nationalflagge und -hymne. Zitat aus einem der Bücher: „Do we love our flag? – YES!“

Als wir im Landeanflug auf Seattle aus dem Flugzeugfenster blicken, ragen zwei kegelförmige Berge durch die Wolkendecke hindurch. Die imposanten Vulkane Mt. Baker und Mt. Rainier heißen uns im US-amerikanischen Bundesstaat Washington willkommen!

Unsere erste nette Begegnung haben wir mit Mr. Singh, einem sympathischen Taxifahrer mit Turban und indischem Akzent. Er bringt uns in die Downtown von Seattle (Kosten: rd. 35 $) zu unserem bereits in Deutschland für die erste Nacht vorreservierten Hotel. Morgen wollen wir zum Flughafen zurückkehren, um hier unseren Mietwagen in Empfang zu nehmen. Wir blicken aus den Fenstern, und alles zieht in unwirklichen Bildern an uns vorüber. Die Bremslichter der Autos, die vielen Menschen auf den Bürgersteigen, die sich über uns auftürmenden Wolkenkratzer, ein Meer aus Lichtern und Leuchtreklamen! Der Jetlag schlägt bereits zu und vernebelt uns ein wenig die Sinne.

Ziemlich geschafft stehen wir wenig später in der Dunkelheit mit unseren Rucksäcken und sonstigem Gepäck vor dem Moore Hotel – oder zumindest vor dem Gebäude, das wir dafür halten. Es steht auch in großen Lettern „The Moore“ an der Fassade. Der Schock ist kurz, aber tief, als wir den Eingangsbereich unter dem Leuchtschriftzug vergittert und dunkel vorfinden. Mr. Singh hat wohl unsere verzweifelten Gesichter bemerkt und deutet aus dem Taxi heraus nach rechts. Dort befindet sich also der Hoteleingang! Der vergitterte Eingang gehört zu dem berühmten, uns bis jetzt jedoch unbekannten Moore Theater, der ältesten Unterhaltungsstätte der Stadt aus dem Jahr 1907!

Unser Zimmer im Moore ist in Ordnung, wenn auch etwas in die Jahre gekommen, denn auch das Hotel ist ein historischer Altbau (Anmerkung: inzwischen sind die Zimmer renoviert). Im Badezimmer gibt es eine Emaille-Badewanne mit rostigen Löwenfüßen und einen rissigen, speckigen Steinboden. Der Blick aus dem Fenster richtet sich in einen halboffenen Hinterhof mit Lagerhallen auf ein gegenüber liegendes Wohnhochhaus mit Feuertreppe, irgendwo weht eine amerikanische Flagge. Die Lärmkulisse ist großstädtisch. Dauerrauschen im Hintergrund, Autos hupen, Busse brettern vorbei, Flugzeuge peilen die Einflugschneise des Flughafens an, Musik schallt aus nahe gelegenen Diskotheken herüber und immer wieder flammen die Sirenen von Rettungsfahrzeugen auf. In dieses Lärmchaos mischt sich das Gekreische der Möwen, die zwischen den Hochhäusern ihre Runden drehen. Das Meer ist nicht weit. Diese Mischung an Geräuschen ist nicht nur immens, sondern besonders wegen der Möwen auch sehr speziell. Seattle-Lärm.

Obwohl hundemüde, sind wir neugierig und können es kaum erwarten, unsere Umgebung zu erkunden. Einen kleinen Spaziergang durch die nächstgelegenen Straßen werden wir schon noch schaffen. An einer belebten Straße mit der scheinbar höchsten Stretchlimousinendichte Washingtons kehren wir in eine der zahlreichen Bars ein und fühlen uns bei einem gekühltem Pale Ale und einem nach Kaugummi schmeckenden Root Beer rasch ein wenig angekommen. Kurze Zeit später fallen wir nach knapp dreißig Stunden auf den Beinen müde und zufrieden in unser gemütliches Bett. Auf Reisen haben wir seit einer Rucksacktour durch Chile immer Ohrenstöpsel dabei – das hat sich schon mehrfach bewährt und tut es auch jetzt wieder. Dem Großstadtlärm zum Trotz fallen wir sofort in einen tiefen Schlaf!

Von Seattle zum Mount Rainier Nationalpark

Am nächsten Morgen wird gepackt und in einer Bagel-Bude um die Ecke gefrühstückt. Zum ersten Mal sind wir in einem Restaurant, in dem die Limo- und Kaffeebecher gegen einen sehr niedrigen Aufpreis beliebig oft wieder aufgefüllt werden können. Wir sind beeindruckt (und finden erst später heraus, dass dies in den USA fast überall üblich ist)!! Es bleibt noch Zeit für eine kleine Stadtbesichtigung, bevor wir am Flughafen unseren Mietwagen abholen. So besuchen wir den berühmten Central Market (Pike Place) mit einer bunten Vielfalt an Fisch, King Crabs, wundervollen Blumensträußen, Süßigkeiten und Haushaltswaren.

Wir holen unser Gepäck im Moore ab und reservieren gleich für die letzten beiden Nächte vor unserem Heimflug noch einmal ein Zimmer. So müssen wir bei unserer Rückkehr in die Großstadt nicht lang herumsuchen, sondern wissen, wo wir unterkommen und haben bereits eine erste Orientierung.

Mit Sack und Pack ziehen wir zur Bushaltestelle um die Ecke und gelangen für 2,50 $ pro Person zurück zum Flughafen. Auf der etwa halbstündigen Fahrt durchqueren wir merkwürdige Gegenden, in denen mitunter gleichermaßen merkwürdige Gestalten ein- und aussteigen. Der „Durchschnittsamerikaner“ scheint eher mit dem Auto unterwegs zu sein…

Am Schalter des Mietwagenanbieters (in diesem Fall ist es Hertz) haben wir den Eindruck, dass es sich trotz Vorreservierung durchaus nachverhandeln lässt, zum Beispiel für einen günstigen Aufpreis in eine nächsthöhere Fahrzeugklasse. Mit einem (fast) nagelneuen Hyundai Elantra geht es schnurstracks auf den Freeway. Der Wagen hat erst knapp 9.000 Meilen auf dem Buckel und macht einen hervorragenden Eindruck. Im Radio läuft Rockmusik. Wir freuen uns, dass unser Roadtrip nun endlich losgeht.

Am Nachmittag erreichen wir unser heutiges Etappenziel, den Mount Rainier Nationalpark. Mit einer Höhe von fast 4.400 Metern über NN ragt der Mount Rainier als höchste Erhebung der Cascades und des Bundesstaates Washington weithin sichtbar aus der Ebene heraus. Die relativ flache Umgebung liegt nur etwa einen halben Kilometer über Meeresspiegelniveau und lässt den ruhenden Vulkan umso imposanter erscheinen! An klaren Tagen zeichnet er sich sogar im rund 100 Kilometer entfernten Seattle in all seiner beeindruckenden Größe am Horizont ab (leider nicht während unserer Zeit in der Stadt, aber dafür sehen wir ihn ja aus nächster Nähe).

Heute hüllt sich der Gipfel in dichten Nebel. Graue Dunstschleier hängen über den Wäldern, es riecht nach Regen.

Jetzt ein Zelt aufzuschlagen, klingt so gar nicht verlockend. Auf Ratschlag eines Rangers fahren wir deshalb nach Longmire, in einen der touristischen Hot Spots des Parks, um dort nach einer Lodge Ausschau zu halten.

Eine Stunde später stehen wir an der Rezeption des „National Park Inn“, eines gemütlichen, rustikalen Hotels inmitten des Nationalparks. Es ist nun schon nach 18 Uhr und der Jetlag (neun Stunden Zeitunterschied) steckt uns in den Knochen. Ankommen wäre jetzt schön, doch wir haben Pech. Alle Zimmer sind ausgebucht. Erst außerhalb des Nationalparks – so die Dame an der Rezeption – gebe es wieder Übernachtungsmöglichkeiten, also zurück zum Parkeingang.

Unmittelbar hinter der Ausfahrt finden wir ein Motel und bekommen für einen gesalzenen Preis von 120 $ eine verwohnte plüschige Cabin zugewiesen. Dafür, dass wir im August und nicht im Januar reisen, ist es selbst in unserem Zimmer ziemlich kalt. Es gibt zwar eine Heizung, die jedoch einen solchen Radau macht, dass dabei an Schlaf nicht zu denken ist. So müssen wir uns entscheiden: Lärm oder Frost – unsere Wahl fällt auf klappernde Zähne und kalte Füße (und wieder einmal kommen unsere Ohrenstöpsel zum Einsatz!).

Wanderung auf dem Skyline-Trail

Das Wetter hat sich deutlich gebessert, und wir freuen uns nun doch auf unser kleines Zelt, auf das Draußensein und die Geräusche des Waldes. Wieder im Nationalpark reservieren wir uns auf dem Campground „Cougar Rock“ ein wundervolles Plätzchen mitten im Grünen für die kommende Nacht.

Ausgangspunkt für unsere heutige Wanderung soll ein Besucherzentrum mit dem verheißungsvollen Namen „Paradise“ sein. Hier gibt es eine Vielzahl von Trailheads, entsprechend viele Parkplätze und alles, was das Touristenherz begehrt. Im Moment wird hier kräftig gebaut, anscheinend eine neue Lodge. Auf dem Weg halten wir an einer Brücke über ein gigantisches geröllgefülltes Flusstal, durch das jetzt nur ein kleines Bächlein hindurchfließt. Die überall verteilt herumliegenden Baumstämme lassen jedoch erahnen, welche Kraft die vom Berg hinabrauschenden Wassermassen beispielsweise zur Schneeschmelze haben müssen!

Im Gegensatz zu der kargen, nur mit Büschen und wenigen Bäumen bestandenen, flachwelligen Landschaft, durch die wir gestern gefahren sind, blicken wir nun auf die saftigen Hochgebirgswiesen und Nadelbäume am Hang des Mount Rainier. Heute bei herrlichstem Sonnenschein und glasklarer Sicht ist auch der gletscher- und schneebedeckte Gipfel deutlich zu sehen und strahlt weiß aus der völlig eis- und schneefreien Umgebung heraus.

Über eine Strecke von 12 Kilometern folgen wir heute dem Skyline Trail. Zunächst geht es auf spaziergängergerecht asphaltierten Wegen durch blühende Bergwiesen. Der Asphalt scheint kein Ende zu nehmen… wir fragen uns, ob sie bis zum Gipfel hinauf asphaltiert haben?! Dann aber wandelt sich der Weg endlich zu einem klassischen Trampelpfad. Schon während der ersten Stunde unterwegs sehen wir – wohl dank des hiesigen Jagdverbotes – unzählige Tiere! Murmeltiere, nordamerikanische Streifenhörnchen und zwei mule deers, die in etwa zwei Metern Entfernung seelenruhig unseren Wanderpfad überqueren. Später kriechen uns die Chipmunks bei einer kleinen Rast fast in unsere Brottüte hinein, und ein ganz besonders fettes und betagtes Exemplar von Murmeltier sitzt mitten auf dem Weg und macht keinerlei Anstalten, diesen zu räumen. Zwischendurch könnte man fast meinen, man befände sich in einer kleinen Walt-Disney-Welt, und die Tiere seien allesamt ferngesteuert.

Auch landschaftlich ist der Skyline Trail ein Traum! Blühende Wiesenblumen bis zum Horizont, Tannen, Bächlein, karge Felsen oberhalb der Baumgrenze, Schneefelder, Aussicht auf mehrere Gletscher, von denen teils grollend das Eis abbricht, baumfreie Mulden und auf dem Abstieg ins Tal wieder wunderschöne Wiesen und Wäldchen. Die verbliebenen Schnee- und Eisfelder werden von vielen Kletterern genutzt, und sehr viel weiter oben an den schneebedeckten Hängen des Berges können wir mehrere Seilschaften erkennen, die zum Camp Muir, einer Schutzhütte, unterwegs sind. Von fast überall haben wir einen phänomenalen Ausblick auf das sich weiter in Richtung Süden erstreckende Kaskaden-Gebirge einschließlich der Vulkankegel des Mount Adams und des berühmten, 1980 zum letzten Mal ausgebrochenen Mount Saint Helens.

Am Campingplatz bauen wir nur kurz unser Zelt auf und brechen zu Fuß zum Ferienzentrum Longmire mit Lodge und Cabins, Souveniershop und großem Parkplatz auf. In der Lodge, dem National Park Inn, in welchem wir am Vortag so gern genächtigt hätten, gönnen wir uns ein Abendessen im Restaurant. Zum ersten Mal lernen wir die Gepflogenheiten in der amerikanischen Gastronomie kennen – ein Kellner, der uns zum Tisch begleitet („Please wait to be seated!“) und sich mit Vornamen vorstellt, Wassergläser, die ungefragt immer wieder aufgefüllt werden und die Rechnung, die ebenfalls unaufgefordert an den Tisch gebracht wird. Wegen der generell niedrigeren Grundgehälter sind hier auch deutlich höhere Trinkgelder als in Deutschland üblich.

Der Cougar Rock Campground ist naturbelassen und urig. Auch das haben wir gelernt – fast überall in den USA und so auch hier ist jede der großzügigen Parzellen mit einem Tisch und Bänken und einer Feuerstelle ausgestattet. Ein schönes Lagerfeuer lässt sich hier kaum ein Gast nehmen und scheint fester Bestandteil eines amerikanischen Campingwochenendes oder -urlaubs zu sein! Hier lassen wir ganz entspannt den Tag ausklingen. Heute Nacht werden wir von Murmeltieren und blühenden Bergwiesen träumen!

Vulkanhopping – Mount Rainier, Mount Saint Helens und Mount Hood

Weiter durch die Cascades gelangen wir am Morgen durch Ashburn, ein kleines Nahversorgungszentrum, und Landstriche, die stark durch die Holzindustrie geprägt sind – Sägewerke und Trucks voller Baumstämme säumen unseren Weg.

Die Landschaft verändert sich, als um uns herum immer mehr umgeknickte Bäume auftauchen. Wir nähern uns dem berühmt-berüchtigten Mount Saint Helens, einem aktiven Vulkan, der im Jahr 1980 zum letzten Mal mit einer verheerenden seitlichen Eruption ausbrach und dabei immense Schäden hinterließ. Binnen Sekunden explodierte eine Flanke des Vulkans hinweg, und eine Glutwolke mit Schutt und Asche raste mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit zu Tal. Siebenundzwanzig Jahre ist das nun her, und wir sind erstaunt, in welchem Umfang die landschaftlichen Folgen immer noch erkennbar sind!

Ganze Berghänge sind noch immer kahl und übersät mit umgeknicktem Gehölz. An der Wasseroberfläche eines Sees in unmittelbarer Nähe des Kegels schwimmen unzählige Stämme. Der Seespiegel muss bei dem Ausbruch durch eingetragenen Schutt und Schlamm um etliche Meter angestiegen sein – unglaublich, welche Kräfte dort innerhalb von Minuten gewirkt haben! Nach diesen vielen Jahren kehren an den ehemals bewaldeten Berghängen erst allmählich Flechten, Moose und kleine Büsche zurück. Von einem Parkplatz aus geht es nur noch zu Fuß in geführten Wanderungen weiter. Leider kommt das für uns nicht in Frage, denn wir halten hier nur für einen kurzen Aufstieg auf eine kleine Anhöhe, um von dort das vulkanische Gebiet überblicken zu können.

Auf unserer Fahrt gelangen wir bald wieder in bewaldete Regionen der Cascades und zu unserem Übernachtungsziel für den heutigen Tag – dem Paradise Creek Campground. Ein wirklich paradiesisches Fleckchen Erde mitten im dichten, moosigen Wald und in himmlischer Ruhe gelegen! Die einzelnen Parzellen sind so weit voneinander entfernt, dass man seinen Nachbarn nur erahnen, und vielleicht am brenzligen Geruch seines Lagerfeuers erschnüffeln kann.

Wir wollen beim Platzwart, der mit zwei Katzen in einem Wohnwagen am Eingang des Platzes lebt, unsere Übernachtungsgebühr entrichten. Als wir uns seinem Domizil nähern, sitzt der kauzige, aber freundliche Herr allein in seinem Klappstuhl am Lagerfeuer und singt aus voller Brust. Er erzählt uns, dass am Wochenende hier die Menschenmengen aus den Städten der Umgebung einfallen, um die aktuelle Blaubeersaison zu nutzen und in den Wäldern sammeln zu gehen. Wir sind gespannt, ob wir auf den Zeltplätzen der Region in den kommenden Tagen auch ohne Reservierung unterkommen werden.

Von Paradise Creek geht unsere Fahrt am nächsten Morgen weiter durch die scheinbar endlosen Nadelwälder der Cascades, bis sich vor uns das breite Tal des Columbia River öffnet – bis jetzt der wohl mit Abstand breiteste Fluss, den wir je gesehen haben! Bei einem kurzen Fotostopp nahe der Hood River Toll Bridge rauscht ein Güterzug mit sage und schreibe 118 Waggons (beim Warten am Bahnübergang selbst gezählt) an uns vorbei! Wir sind wieder mal beeindruckt – so oft ist hier alles ein Bisschen länger, größer, imposanter als wir es aus der Heimat gewohnt sind! Mit der Überquerung des Columbia River gelangen wir von Washington nach Oregon.

Unsere erste Aktion im neuen Bundesstaat ist ein Halt an einem kleinen Werkzeugladen, in dem wir eine Kühlbox aus Styropor und einen Beutel Eis erstehen, um Carstens drei wertvolle Bierdosen zu kühlen. Unser Ziel ist der weiter südwestlich gelegene Mount Hood, die mit 3.400 Metern über NN höchste Erhebung Oregons. Wie eine große Zipfelmütze ragt der Vulkan malerisch aus seiner Umgebung heraus. Bekannt ist er für sein Sommerskigebiet, aber nicht zuletzt auch durch die altehrwürdige, rustikale Timberline Lodge, die die Kulisse für die Außendreharbeiten zu dem Kinoklassiker „The Shining“ mit Jack Nicholson bildete.

Wir haben in der Reiseliteratur von zwei Campgrounds mit den verheißungsvollen Namen „Sherwood“ und „Nottingham“ gelesen und sehen uns dort nach einem Übernachtungsplatz um. Die Enttäuschung ist jedoch groß, als wir erkennen, dass die Plätze bei weitem nicht so idyllisch wie am vergangenen Tag gelegen sind und sich direkt an einer vielbefahrenen Straße befinden.

Wir versuchen unser Glück in der Timberline Lodge und landen wenig später in sengender, baumloser Hitze auf einem riesigen asphaltierten Parkplatz. Bei gefühlten 30 Grad sind hier nicht nur unzählige leicht bekleidete Ausflugs- und Wandergäste unterwegs, sondern auch in warme Winterkleidung eingepackte Skifahrer, die sich in dem höher gelegenen Sommerskigebiet austoben wollen! Das Hotel wirkt sehr gemütlich und so einladend, dass wir unbedingt bleiben wollen. Wir hadern mit dem Preisniveau, geben uns dann aber kurzerhand geschlagen. Für 100 $ plus tax ergattern wir ein Doppelzimmer mit Hochbett und Etagenbad (ein reguläres Doppelzimmer mit Bad ist für 200 $ zu haben). Egal, das muss jetzt einfach sein.

Bei einer kleinen Erkundungstour im Umfeld des Hotels landen wir am steilen Hang, den Carsten zu Fuß erklimmen möchte. Ich entscheide mich für den Sessellift, um mich in Richtung Gipfel und Skipiste fortzubewegen. Oben angekommen, hat Carsten noch immer nicht genug von den Strapazen in hochsommerlicher Hitze und steigt weiter bergauf. Der Schweiß läuft in Strömen, die Sonne brennt erbarmungslos, und der Gipfel kommt kaum näher. Sam muss sich ähnlich gefühlt haben, als er Frodo den Schicksalsberg hinauftrug. Es geht immer zwei Schritte vor und einen zurück, über Geroll- und Schneefelder.

Ich gelange mit dem Lift geschmeidig wieder nach unten und inspiziere die Lodge mit ihren Souveniershops, der Blue-Ox-Kellerbar und einer gemütlichen Lounge mit viel Holz und imposanten Kaminen. Mir kommen kurzzeitig Zweifel, ob wir angesichts des Preisniveaus hier wirklich nächtigen sollen. Als Carsten aber völlig erledigt von seiner Wanderung wieder auftaucht und vehement einer Weiterreise widerspricht, bleibt es bei unserer Reservierung. Unser Zimmer gefällt uns, und auch mit dem großen und sauberen Gemeinschaftsbad lässt es sich gut leben. Den Rest des Nachmittags und Abends verbringen wir chillend mit unseren Büchern in der großen, rustikalen Lounge auf gemütlichen Sofas mit Bier und Kaffee und einem grandiosen Gipfelblick aus einem der riesigen Panoramafenster.

Ein Telefonat muss heute noch geführt werden, um unsere baldige Ankunft in Bend, Oregon anzukündigen. Wir wollen dort Terry besuchen, den Carsten im Jahr 2002 auf einer Reise durch Neuseeland kennenlernte. Terry lädt uns ein, bereits morgen, also einen Tag eher als geplant, zu ihm zu kommen!

Wir schlafen wie die Murmeltiere, in absoluter Stille und frischer Bergluft!

Vom Mount Hood nach Bend

Um den ungeplanten Aufenthalt noch einmal richtig zu genießen, kehren wir am Morgen in das Lodge-Restaurant zu einem leckeren und ausgiebigen Frühstück ein und lassen uns Zeit, bevor wir zur Weiterreise aufbrechen.

Unsere Route Richtung Bend führt uns durch die Warm Springs Indian Reservation, ein Gebiet, das von einer Gemeinschaft aus insgesamt drei Stämmen der Native Americans – den Tenino, den Wasco und den Northern Paiutes bewohnt und verwaltet wird, den Confederated Tribes of Warm Springs.

Nach den endlosen Nadelwäldern der Cascades sieht es hier gänzlich anders aus. Die Landschaft ist karg, mit weiten Ebenen und felsigen Schichtstufen. Hier und da treffen wir auf Wildpferde am Straßenrand, und auffällig sind viele heruntergekommene, teils verlassene Wohnhäuser. Vielerorts stehen alte, stillgelegte Trucks herum. Irgendwann abgestellt und nun vor sich hin rostend. Fast unwirklich erscheint uns irgendwann ein festungsartiger Gebäudekomplex inmitten der endlosen, fast wüstenhaften Weite, der sich bei näherem Hinsehen als Casino entpuppt.

Nachdem wir die Indian Reservation hinter uns gelassen haben, übequeren wir auf dem vielbefahrenen Highway 97 eine imposante Brücke über den tief in einen Canyon eingegrabenen Crooked River. Hier gibt es auch einen kleinen Rastplatz mit Aussichtspunkt in die beeindruckende Schlucht. Trotz einer Mauer als Abgrenzung und Schutz vor dem Abgrund werden die Besucher auf Schildern eindringlich vor den Gefahren dieses Ortes gewarnt: „Many dogs have died here!“

In der Nähe von Redmont unternehmen wir einen kleinen Umweg, um uns einmal eine typisch amerikanische geplante Wohnsiedlung etwas näher anzusehen – Eagle Crest Resort und Estates. Mitten in der vegetationsarmen Landschaft ist ein künstliches, grünes Idyll entstanden mit einer großangelegten Villensiedlung, Ferienhäusern und Golfplatz. Nur vom Feinsten. Wir kurven eine Zeit lang durch das Wohngebiet, um die großzügigen Häuser und überdimensionierten Autos zu bestaunen, später auch noch durch das Resort. Vorsichtshalber bleiben wir schön in unserem Auto sitzen, denn wir haben am Eingang schon ein Schild entdeckt, auf dem in großen Lettern „Private Property“ zu lesen war. Wir lassen unserer Phantasie freien Lauf und malen uns aus, dass wir unbekannten Eindringlinge bereits von unzähligen Überwachungskameras gefilmt und von privaten Sicherheitsdiensten beschattet werden und sich hinter der einen oder anderen Hecke schon so mancher unruhige Zeigefinger am Abzugshahn einer 45-er Smith & Wessen befindet… Alles geht gut.

Es ist noch zu früh, um schon bei Terry aufzuschlagen, als wir die ersten Ausläufer der Stadt Bend erreichen. Also versuchen wir uns die Zeit in einer Shopping Mall zu vertreiben. Riesige Parkplatzflächen, künstlich-dorfartig angelegte Ladenzeilen und gigantische Fachmärkte… nicht wirklich das, was uns gefällt. Also auf in die Downtown!

Bend präsentiert sich als ein gemütliches, grünes, sauberes, freundliches Städtchen mit immerhin rund 90.000 Einwohnern. Es liegt am wild-romantischen Deschutes River, mitten in der so genannten High Desert, einem niederschlagsarmen Gebiet, das landschaftlich jedoch eher an eine Steppe oder Buschsavanne erinnert, als an eine Sand- oder Felswüste. Einst war Bend für seine Sägewerke berühmt. Inzwischen ist das alte Werksgelände zu einem Einkaufs- und Freizeitzentrum, dem Old Mill District, umgenutzt. Dafür erfreut sich Bend in jüngerer Zeit einer Vielzahl von Mikrobrauereien.

In einer großen Parkanlage am Seeufer findet gerade ein Fest mit Bühne und diversen Marktständen (Kunsthandwerk, Veteranenverband, Imbissbuden, Autoshow) statt. Es macht Spaß, sich unter die Besucher zu mischen und das bunte Warenangebot in Augenschein zu nehmen. Ganz anders als auf den Freiluftfesten, die wir aus der Heimat kennen, ist der Ausschank alkoholischer Getränke ausschließlich innerhalb eines kleinen Pferchs mit Tischen und Stühlen gestattet. Der Rest des Geländes ist alkoholfrei! Also trinken wir unser Bierchen hinter einem kleinen, kniehohen Zaun.

Terrys Haus befindet sich in einer beschaulichen Wohnsiedlung umgeben von Einfamilienhäusern, Gärten und großen Garagen in der Nähe des Old Mill Districts. Wir fühlen uns willkommen und freuen uns, Terry nach langer Zeit einmal wieder zu sehen. Zudem lernen wir die Katzen Moe und Myers kennen. Wir verbringen den Abend bei netten Gesprächen und einer gigantischen Pizza mit zentimeterdickem Belag!

Entdeckungstour rund um Bend – Three Sisters, Deschutes River, Old Mill District, High Desert

Eine landschaftlich schöne Strecke führt von Bend in Richtung der Berggruppe der Three Sisters. Linkerhand befindet sich eine idyllische Grasebene, deren Faszination sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Terry hat diesen wunderbaren Ort offenbar schon länger im Visier, ist jedoch bisher noch nicht dazu gekommen, hier einmal anzuhalten, um ein Frühstückspicknick zu veranstalten. Das möchte er an diesem Morgen gemeinsam mit seinen Gästen aus Germany nun endlich in die Tat umsetzen.

Wir tragen diverse Frühstücksutensilien in die Ebene hinaus, hängen in unseren mitgebrachten Klappstühlen ab, blicken über das Gräsermeer und lassen den Ort auf uns wirken. Je länger wir uns hier aufhalten, umso wunderbarer wird es! Es ist zwar schon sonnig, aber noch recht frisch, und ein wärmender Tee ist jetzt genau das Richtige. In einiger Entfernung sehen wir einige Angler in der Ebene stehen – also muss dort auch ein Gewässer sein.

Ich schnappe mir den Fotoapparat und mache mich auf den Weg durch das tiefe Gras – umgeben von riesigen Schwärmen Heuschrecken!

Und tatsächlich windet sich dort ein kleines Flüsschen mit glasklarem und eisig kaltem Wasser durch das flache Land. Absolut schön!

Ein paar Kilometer weiter zeigt uns Terry einen weiteren versteckten und malerischen Ort, an dem jeder, der ihn nicht kennt, achtlos vorbeifahren würde. Mitten im Wald türmt sich ein riesiges, erkaltetes Lavafeld auf, das abrupt mit einer etwa 15 Meter hohen Wand schwarzen Basaltgesteins endet.

Am Fuße der Lavawand befindet sich ein mooriges Biotop mit einem kleinen See umgeben von Nadelbäumen. Ein verzauberter Ort!

Da Terry am Nachmittag noch ein paar Dinge zu erledigen hat, unternehmen wir zu zweit eine Wanderung entlang des Deschutes Rivers. Auch hier erwarten wir zunächst kein großes Highlight, denn der Wanderweg befindet sich in Ortsnähe in unmittelbarer Umgebung des alten Sägewerks und fußläufiger Entfernung zu Terrys Wohnsiedlung. Aber weit gefehlt! Der Deschutes River entpuppt sich als wildromantischer, naturbelassener Fluss mit dichter Vegetation und mehreren Stromschnellen. Der schöne Wanderpfad führt direkt am Ufer entlang und ist gut besucht, aber keinesfalls überlaufen. Dass die Stadt Bend eine hohe Lebensqualität hat, zeigt sich also auch hier und wir genießen es, in einer Gegend auf Entdeckungstour zu gehen, in der sich die versteckten Schätze abseits der vielbesuchten Touristenpfade offenbaren.

Am frühen Abend setzen wir uns wieder gemeinsam mit Terry ins Auto und verlassen Bend in Richtung Burns, um im milden Licht der untergehenden Sonne die High Desert zu erleben. Und so verweilen wir eine ganze Zeit einfach nur inmitten der savannenartigen Landschaft mit Salbei- und Wacholderbüschen, genießen die Einsamkeit und die Silhouette der Cascades am Horizont. Irgendwo in der Ferne heult ein Koyote und macht so das Erlebnis „High Desert“ perfekt!

Von Bend zum Camp Sundown (Crooked River Ranch) – Oh my goodness, das ist Gastfreundschaft!

Am Morgen werden in aller Ruhe diverse Gegenstände für das anstehende Wochenende auf der Crooked River Ranch zusammengepackt, wo wir Terrys Lebensgefährtin Kate besuchen wollen, die dort in einem „Mobile Home“ lebt.

Auf dem Weg queren wir ein riesiges Lavafeld an der Grenze zwischen dem Deschutes National Forest und dem Willamette National Forest. Beim Aussteigen aus dem Auto werden wir von zahlreichen zutraulichen Chipmunks belagert, die unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bevor wir uns in aller Ruhe der phänomenalen Aussicht über die zerklüfteten Gesteinsmassen hingeben können, die hier weiträumig alles unter sich begraben haben.

Unser nächstes Etappenziel ist das beschauliche Örtchen Sisters mit knapp 2.000 Einwohnern, in welchem sich auch Terrys Büro befindet – sein Arbeitsplatz als Wildtierbiologe, wenn er mal nicht in den Wäldern unterwegs ist. In einer gemütlichen Kaffeerösterei, der Sisters Coffee Company, lassen wir es uns zwischen urigen Sesseln, viel Holz und einem Kamin bei exquisitem, individuell zubereitetem Kaffee und Kakao gut gehen. Bei einem Rundgang durch das Ortszentrum werde ich gänzlich und sehr zum Übel meiner männlichen Begleiter in den Bann der einladenden Souvenir- und Kunsthandwerksgeschäfte gezogen, in denen besonders die vielen bunt-gesteppten Quilts auffallen, die in dieser Region Tradition haben.

Am Nachmittag empfängt uns Kate in ihrem „Camp Sundown“, einem riesigen Grundstück auf der Crooked River Ranch, das unsere Freunde überwiegend als Wochenenddomizil nutzen. Bei der Ranch handelt es sich um eine private Community von Grundeigentümern, zwischen dem Deschutes River und dem Crooked River in einer malerischen Hügel- und Canyonlandschaft gelegen. Die Gemeinschaft mit insgesamt 5.000 Bewohnern betreibt hier auch ein kleines Zentrum mit Nahversorgung, Golf Club und Reitmöglichkeiten.

Das bereits von Terry angekündigte „Mobile Home“, welches wir uns als größeren Wohnwagen vorgestellt haben, entpuppt sich als grün-weißer, großzügiger Wohntraum mit mehreren Zimmern, riesiger Veranda, hübscher Einrichtung und geschmackvollen Details. Auf dem Grundstück stehen außerdem das Bunkhouse, eine kleine Ferienhütte mit zwei Hochbetten und Spielzeug für Kates Enkelkinder sowie das Bathhouse, ein liebevoll gestaltetes zusätzliches Badehaus mit Emaille-Badewanne, geblümtem Duschvorhang und dekorativ gerollten Handtüchern. Wir sind begeistert und fühlen uns sehr willkommen. Terry hat schon berichtet, dass Kate sich riesig über Gäste freut, und genau dieses Gefühl vermittelt sie uns auch jetzt. Sie ist unglaublich kommunikativ, interessiert und um unser Wohlergehen bemüht, während wir auf einer traumhaften Veranda unter gestreiften Sonnenschirmen sitzen, und sausages in a blanket essen!

Damit unsere Freunde erst einmal in aller Ruhe ihr Wochenende einläuten können, schlägt Terry vor, uns mit seinem Suburban, genannt „The Beast“ (und es ist wirklich ein Monster von Auto) hinunter zum Canyon des Crooked River zu fahren, wo er uns für eine kleine Erkundung des Geländes absetzt. Unsere kleine Wanderung führt in großer Hitze am Ufer entlang, wo wir die Füße im Wasser kühlen können, aber dabei immer nach Klapperschlangen und Skorpionen Ausschau halten. Glücklicherweise (oder leider?) werden wir nicht fündig.

Am Abend bewirten uns unsere Gastgeber mit einem schönen Barbecue. Oberhalb des Mobile Homes haben sie am karg bewachsenen Hang einen kleinen Aussichtsunterstand mit zwei Sitzgelegenheiten errichtet. Terry findet hier oben Zuflucht, wenn Kates Enkelkinder da sind und ihm der Trubel zu bunt wird. Heute können auch wir von hier den atemberaubenden Ausblick in den Canyon des Crooked River und auf den im Hintergrund aufragenden Vulkankegel des Mount Jefferson genießen!

Glücklich über die tolle Landschaft, das zauberhafte, außergewöhnliche Camp Sundown und so viel Gastfreundschaft ziehen wir uns am späten Abend in das gemütliche Bunkhouse zurück und schlafen wieder einmal wie die Murmeltiere!

Ein Wandertag im Smith Rock State Park

An diesem Morgen suchen wir im Nieselregen die Ufer eines kleinen Teichs nach bullfrogs ab. Kate hat uns den Hinweis gegeben, hier mal näher hinzuschauen. Zwar sind die Tiere in Oregon nicht heimisch, aber deshalb nicht weniger beeindruckend. Wir jedenfalls haben noch nie zuvor in unserem Leben so riesige Amphibien gesehen und freuen uns darüber, zwei fette Exemplare zu entdecken. Allein der Körper hat die Größe eines Tischtennisschlägers! Wahrlich enorm!

Wir sind auf dem Weg zum Smith Rock State Park, in dem wir heute gemeinsam mit unseren Freunden eine Wanderung unternehmen wollen. Der Park umfasst ein Felsmassiv aus vulkanischem Tuffstein, das sich zwischen dem Crooked River und der High Desert befindet. Bekannt ist der Park als Dorado für Sportkletterer. Vor einigen Jahren dienten die Smith Rocks als Kulisse für den Kinofilm Postman mit Kevin Costner.

Im Park betreten wir „Rattlesnake Country“. „Beware of your surroundings!“ heißt es hier eindringlich auf einem Warnschild! Wir wandern am Flussufer entlang, können Kletterer beobachten, die elegant die steilen Felswände bezwingen, und gelangen schließlich über einen steilen Anstieg zu dem markanten Felsblock des „Monkey Face“, der auf einer über 100 Meter hohen Gesteinssäule thront. Auf dem „Misery Ridge“ ist der höchste Punkt unserer Tour erreicht. Während wir die Wanderung zwar als anstrengend wahrnehmen, uns jedoch nicht verausgaben und die wunderschöne Landschaft und die spektakulären Aussichten in vollen Zügen genießen können, bemerken wir, dass sie für unsere Gastgeber – beide in den Endsechzigern – eine echte Herausforderung darstellt. Sie sind froh und beide ein Bisschen stolz auf sich, auch die steilen Passagen gemeistert zu haben. Und wir sind unseren wagemutigen Begleitern äußerst dankbar für die Anstrengungen, die sie für uns auf sich genommen haben.

Nach der Wanderung fahren wir nach Bend zurück, wo für Terry und Kate am kommenden Tag wieder eine normale Arbeitswoche beginnt. Unsere gemeinsame Zeit lassen wir am Abend mit dem Besuch einer der zahlreichen in dieser Region ansässigen Microbreweries ausklingen.

Von Bend zum Crater Lake Nationalpark

Nach einer herzlichen Verabschiedung sind wir ein wenig rührselig gestimmt und wieder alleine unterwegs.

Zunächst auf vertrauten Pfaden verlassen wir die Stadt in Richtung Mount Bachelor bis zu einem ersten kleinen Zwischenstopp am Davis Lake, vor dem sich ein imposantes Lavafeld auftürmt. Carsten nutzt unsere Pause für eine kleine Kletterpartie auf die zerklüfteten Gesteinsmassen. Mir erscheinen die Felsbrocken ziemlich locker und die Felswand zu hoch, also bleibe ich dort, wo ich bin, nicht ohne eine Warnung an meinen Reisebegleiter auszusprechen. Für diesen endet die Kraxelei mit Schmerzen, denn er kommt irgendwo in den Felsen ins Straucheln, stützt sich mit der linken Hand ungünstig ab und klemmt sich dabei diverse Nervenstränge ein. Ohne sich die Qualen anmerken zu lassen (weil ja exakt hiervor gewarnt wurde) kommt er wie ein Elb die Felswand wieder hinuntergeglitten… wortlos und als ob nichts gewesen wäre!

Die weitere Wegstrecke führt uns durch ein großräumiges Waldbrandgebiet mit verkohlten Bäumen, bis wir die letzten Kilometer des heutigen Tages auf einer unwirklich langen, schnurgeraden Straße in die Unendlichkeit cruisen, bis wir zum Eingang des Crater Lake Nationalparks gelangen.

Der Name verrät schon, dass wir uns auch hier auf vulkanischem Gebiet befinden. Hier ragte einst der mächtige, über 3.500 Meter hohe Mount Mazama empor, der nach einem Ausbruch in sich zusammenfiel und eine Caldera, einen Einsturzkrater ausbildete, in dem sich heute der Crater Lake befindet. Berühmt ist der See für seine kreisrunde Form und seine unnatürliche, leuchtend blaue Farbe. Mit diversen Postkartenbildern im Kopf entern wir den Park und den Rim Drive, eine Panoramastrecke rund um den See. Als wir den ersten Blick auf die Wasserfläche werfen können, sind wir ein wenig enttäuscht. Es ist bedeckt, und der See erscheint in einem unspektakulären Blau-Grau. Zudem peitscht uns ein kalter Wind ins Gesicht, sobald wir das Auto verlassen. In der Mitte des Sees befindet sich Wizard Island, eine Insel, auf der sich ein kleiner Krater befindet. Hier wächst langsam ein kleiner neuer Vulkan aus dem Wasser empor. Nicht ausfindig machen können wir jedoch den Old Man, einen seit 1929 im See schwimmenden Baumstamm.

Nach einer Seeumrundung unternehmen wir einen Abstecher ins Pinnacle Valley. Wir treffen auf eine unerwartet spektakuläre Ansammlung unzähliger aneinander gereihter phallusartiger Gesteinssäulen vulkanischen Ursprungs – die Pinnacles! Diese sind in grauer Vorzeit durch Bims und Schlacke entstanden, die sich rund um Gas abführende Fumarole herum verfestigten und durch Erosion des umliegenden weicheren Gesteins mit der Zeit freigelegt wurden.

Auf einem der beiden Campingplätze im Nationalpark – Mazama Village – merken wir zum ersten Mal, dass wirklich viel los ist und ergattern wir einen der letzten Zeltplätze. Wir bauen auf, decken den Tisch und treffen Vorbereitungen für einen entspannten Abend im Freien, da fängt es an zu tröpfeln. Kurzerhand verlagern wir unser Abendessen ins Zelt und veranstalten ein Isomattenpicknick. Unser Aufenthalt im wärmenden Schlafsack dehnt sich unfreiwillig über den restlichen Abend und die ganze Nacht aus, denn der Regen will nicht enden.

Vom Crater Lake nach Winchester Bay / Oregon Dunes

Nach knallharten 14 Stunden im Zelt können wir uns kaum noch bewegen! Es nieselt noch immer. Der ganze Krempel wird pitschnass und verdreckt ins Auto gepackt. Jetzt eine heiße Dusche!! Vor der Anmeldung und dem kleinen Lädchen des Campingplatzes begegnen wir zum ersten Mal einigen Backpackern, die den Pacific Crest Trail bezwingen und so verwildert aussehen, als seien sie schon wochenlang unterwegs. Wir kommen uns ziemlich unabenteuerlich vor. Bei den zentralen Restrooms werden wir fündig, obgleich die Duschen in einem wenig erquicklichen Zustand sind. Carsten wartet endlos vor der besetzten einzigen intakten Herrendusche, als diese schließlich beim Vorduscher vollständig versagt. Irgendwo auf dem Gelände findet er ein weiteres funktionierendes Exemplar.

Inzwischen ist es wieder trocken, und bei strahlendem Sonnenschein präsentiert sich der See nun in seiner vollen Pracht und noch weitaus spektakulärer, als wir ihn von Fotos und Postkarten kennen! Er schimmert in einem unglaublichen Blau!

Am späten Vormittag verlassen wir den Nationalpark und fahren geradewegs nach Westen zur Pazifikküste. Unser Ziel: die Oregon Dunes! Die Straße führt immer am Umpqua River entlang, zunächst durch Wald und später durch offene, reich strukturierte Agrarlandschaften (das Auenland lässt grüßen). Mittlerweile fängt unser bisher favorisierter Radiomusiksender Big Tracks an zu nerven. Ewige Wiederholungen einiger weniger Interpreten. Insbesondere Phil Collins kommt uns langsam aus den Ohren wieder heraus. Auf Sendersuche kämpfen wir uns durch spanische, französische, Country-, Western-, Rap-, Blues-, Jazzsender. Schließlich finden wir einen Sender namens „The Boneyard“ und sind zufrieden. Am laufenden Band werden hier Hard Rock- und Heavy Metal-Klassiker wie Black Sabbath, Iron Maiden, Judas Priest, Dio, Metallica und Pantera zum Besten gegeben!

Der Bade- und Funsportort Winchester Bay empfängt uns mit einem zum Bersten gefüllten Campingplatz, der besonders bei Quadfahrern beliebt zu sein scheint, die sich in den nahegelegenen Oregon Dunes austoben wollen. In diesem als National Recreation Area deklarierten, etwa 50 Kilometer langen Gebiet erstrecken sich die feinsandigen, weißen Dünen gefühlt bis zum Horizont und ragen bis zu 150 Meter über NN empor.

Das Wetter ist fantastisch! Auf dem hiesigen Campground schlagen wir unser Zelt auf einem sehr kleinen Stellplatz umringt von Urlaubern und Lagerfeuern auf. Bei einer ersten Erkundung der Umgebung durchqueren wir ein der Küste vorgelagertes Waldgebiet und einen breiten Dünenstreifen, in dem das Quadfahren gestattet ist, so dass wir zwischendurch die Beine in die Hand nehmen müssen, um nicht übersehen und umgenietet zu werden! Der Strand hingegen ist ruhig und menschenleer, der Pazifik rauscht und wir lassen uns den frischen Wind ins Gesicht wehen!

Winchester Bay und Oregon Dunes

Nach einer angenehmen, trockenen Nacht mit Meeresrauschen und dem regelmäßigen, beruhigenden Tuten einer Signalboje werden wir vom Krakeelen der Vögel und der Campinggäste um uns herum geweckt. Alle sind schon emsig dabei, sich für den Tag zu rüsten und die Umgebung in den dichten Rauch ihrer Lagerfeuer zu hüllen.

Auch wir brechen bald auf, um das Zentrum und den kleinen Hafen von Winchester Bay zu besuchen und uns Informationen über Wandermöglichkeiten für den heutigen Tag zu besorgen. Im Visitor Center von Reedsport empfiehlt man uns eine Tour über den John-Dellenback-Trail.

Über den Wanderpfad lässt sich die beindruckende Dünenlandschaft wunderbar erleben. Das Sandwandern in unseren klobigen Wanderstiefeln ist sehr beschwerlich. Strandlatschen wären vielleicht die bessere Wahl gewesen. Schon nach kurzer Zeit breitet sich ein riesiges Dünenfeld vor uns aus! Irgendwo am Horizont können wir das Meer schon erahnen. Wir marschieren durch den heißen Sand, die Dünen hinauf und hinab, immer auf der Suche nach den wegweisenden Holzpfählen, die in gewissen Abständen auf kleineren, mit kärglicher Vegetation bestandenen Dünen errichtet sind, damit sie nicht sofort wieder eingeweht werden. Dennoch sind einige Pfähle schon fast verschwunden. Auf den Dünen zottelt ein kräftiger Wind, der uns die feinen Sandkörner wie Schmirgelpapier um die Waden treibt. Ein Waldstreifen trennt die Dünen von dem menschenleeren, endlosen Strand. Hier treffen wir auf kilometerweite Einsamkeit und genießen die erhabene Aussicht und die rauschende Brandung des Pazifiks!

Von Winchester Bay zum Seal Rock Campground

Ab Winchester Bay führt unsere Route von nun an nach Norden, immer an der Pazifikküste entlang. Wir wollen auf diesem Wege den Kreis schließen und irgendwann wieder im Bundesstaat Washington bzw. in Seattle ankommen, nicht ohne vorher noch ein paar Tage im Olympic National Park zu verbringen.

Lohnend ist ein kurzer Abstecher in die kleine, malerische Altstadt von Florence. Hier kann man herrlich durch kleine Kunsthandwerksläden streifen und sich in einem der einladenden Cafés die Zeit vertreiben.

Auf der Weiterfahrt entlang der beeindruckenden Steilküste wird auf großformatigen Werbeschildern eine Sehenswürdigkeit angekündigt, bei der es sich offenbar um eine der herausragendsten touristischen Attraktionen an der gesamten Westküste der USA handelt! Die größten Seelöwenhöhlen der Welt! Das können wir uns nicht entgehen lassen, wo wir doch sowieso gerade hier vorbeikommen…

Gespannt zahlen wir in einem Souvenierladen, durch den wir zu allererst geschleust werden, die geforderten 18 $ Eintritt und werden mit einem Aufzug in die Tiefe fast bis auf Meereshöhe herunterkatapultiert. Nach Verlassen des Lifts folgen wir dem unterirdischen, mit altmodischen Infotafeln gespickten Gang bis an ein durch Maschendrahtzaun gesichertes Loch, durch das man einen Blick in eine große Felsenhöhle erheischen kann. In etwa 50 Metern Entfernung lümmeln ein paar Seelöwen auf einem Felsen in der Brandung herum. Zum Fotografieren ist es zu dunkel, die Anzahl der Tiere ist nun nicht gerade überwältigend, und der Maschendrahtzaun trübt eine klare Sicht auf das Getier. Wo geht es nun weiter? Wann kommt das Highlight? Wo ist die Hauptkolonie der Seelöwen? Am Ende eines weiteren dunklen Gangs wieder ein Loch im Fels, diesmal ohne Maschendraht mit Blick auf einen weit entfernten Leuchtturm und ein paar Kormorane und Möwen– und das war´s auch schon! Hm. Die „Attraktion“ kann als Tourifalle verbucht werden, und wir sind richtig schön reingetappt!!

Kurz vor Newport halten wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau und treffen auf den gepflegten Seal Rocks Campground, der nur durch die Küstenstraße vom Strand getrennt ist. Die Inhaberin des Campingplatzes berichtet uns, dass dort zur Ebbe die Felsen freigelegt werden und man dann Seesterne, Seeanemonen und sonstiges Getier bestaunen kann. Also machen wir uns direkt auf den Weg zu einem ausgiebigen Küstenspaziergang! Unser eigentliches Interesse in dieser Region gilt jedoch dem Oregon Coast Aquarium in Southbeach. Es gibt eine Menge interessantes und kurioses Getier zu bestaunen. Besonders haben es uns die Furcht einflößenden riesigen King Crabs und die noch riesigeren und furchteinflößenderen Japanese Spider Crabs angetan.

Vom Seal Rock nach Cannon Beach – No vacancy!

Weiter geht es die Küste entlang in Richtung Norden. Heute haben wir kein Ziel vor Augen und wollen spontan entscheiden, wo wir bleiben. Leichter gesagt als getan…

In den wunderhübschen Orten Oceanside und Manzanita finden wir es so ansprechend, dass wir uns nach einer Unterkunft umsehen. Nach mehreren Zeltnächten darf es heute einmal wieder ein festes Dach über dem Kopf sein. Leider ist alles ausgebucht. Campingplätze scheint es an diesem Küstenabschnitt nur wenige zu geben, und auch hier keine freien Plätze! In der City Hall von Manzanita erfahren wir den Grund für den hohen Andrang – offenbar ein Auto- oder Motorradrennen vom Mount Hood bis zur Küste, das an diesem Wochenende stattfindet und zu dem mehrere Tausend Besucher erwartet werden! In Cannon Beach – einem beliebten Ausflugs- und Wochenendziel für die Stadt Portland – finden wir endlich eine Bleibe. Ein Motel namens „Wayside Inn“ im südlichen Teil des Ortes. Der Preis an diesem Wochenende lässt uns dreimal tief durchatmen. 170 Dollar sollen wir für ein kleines Räumchen mit Continental Frühstück auf den Tisch legen. Zähneknirschend bleiben wir, denn wir haben wirklich keinen Nerv mehr, noch weiterzusuchen. Der Rezeptionist versucht noch, uns das Ganze durch den angeblichen Meerblick schmackhaft zu machen. Dieser ist dann streng genommen ein Zuasphaltierter-Parkplatz-mit-einem-winzigen-Zipfel-Meer-Blick. Nichtsdestotrotz ist das Zimmer nett und sauber und das Meer tatsächlich nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt. Die Downtown ist vom Motel recht weit entfernt und über einen 40-minütigen Fußmarsch zu erreichen – oder man entscheidet sich doch für´s Auto oder Taxi. An einem belebten Straßenzug reihen sich hier unterschiedlichste nette Restaurants und Bars aneinander.

Außer dem netten Ortszentrum und dem wunderschönen, breiten Sandstrand mit dem markanten Haystack Rock bekommen wir in der Kürze unseres Aufenthaltes keinen wirklichen Eindruck von Cannon Beach, denn am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Norden.

Von Cannon Beach nach Copalis Beach

Über eine spektakuläre Brücke über das Mündungsdelta des Columbia River in Astoria verlassen wir den Staat Oregon und kehren wieder nach Washington zurück. Von der steilen Felsküste südlich des Columbia River verändert sich die Landschaft allmählich hin zu flacheren, bewaldeten und sumpfigen Gefilden rund um das Willapa Wildlife Refuge.

Ab Grayland beginnen wir mit der Suche nach einem Zeltplatz für die heutige Nacht. Dass auch hier wieder alles ausgebucht ist, hatten wir hier nördlich von Astoria und damit gefühlt weit ab vom Schuss nicht erwartet. Selbst mit einem kleinen Zelt werden wir überall abgewiesen! Wir erreichen den Ort Copalis Beach und entdecken hier den Campingplatz „Tidelands“, der tatsächlich noch über freie Plätze verfügt! Etwas irritiert sind wir zunächst nur über den schratigen Rezeptionisten, der in einem unangenehm riechenden Büro sitzt, aber immerhin bereit ist, uns aufzunehmen. Dann beobachten wir, dass ein jüngeres Paar – kurz vor uns angekommen – nach kurzem Check der beiden angebotenen Stellplätze das Areal wieder verlässt. Merkwürdig.

Nun sind wir dran und nehmen alles etwas näher in Augenschein. Platz eins: eine kaputte Bank und ein riesiger Hundehaufen. No way! Platz zwei: Holzreste, Müll, Zigarettenstummel… Besser als ein Hundehaufen, also schlagen wir unser Zelt auf und diskutieren dabei detailliert die unterschiedlichen Empfindungen, die die Qualität des Stellplatzes in uns auslöst (Carsten – nicht toll, aber ganz ok; ich: geht eigentlich gar nicht, aber was will man machen). Beim Aufbau zeigt sich, dass der Rasen von einem stechenden Gekraut durchsetzt ist, das sich durch den Zeltboden drückt. Hier können wir also doch nicht bleiben. Platz drei: weg von den Dünen, direkt am Zufahrtsweg, mit Rasen. Wir schleppen das halb aufgebaute Zelt einmal quer über den Campingplatz und akzeptieren die kaputte Bank und ein paar herumfliegende Plastikteile. Und das Waschhaus… ohne Worte.

 

Ich igle mich für den Rest des Tages mit einem Buch in meinem Schlafsack ein. Carsten unternimmt unterdessen noch einen kleinen Strandspaziergang, um nach diesem Marathon ein wenig zu entspannen. Nach mehreren Tagen mit viel Fahrerei von einem Übernachtungsort zum nächsten und vergleichsweise wenig Aktivität freuen wir uns jetzt umso mehr auf unser nächstes großes Ziel…

Von Copalis Beach zum Olympic National Park

Wer die Olympic Halbinsel und den dort befindlichen Olympic Nationalpark besucht, ist im äußersten Nordwesten der Vereinigten Staaten, fast an der Grenze zu Kanada angelangt. Von den Anhöhen im Umfeld des etwas über 2.400 Meter hohen Mount Olympus kann man an klaren Tagen bis in den Nachbarstaat hinüberblicken. Das kommt jedoch nur gelegentlich vor. Die Region zählt zu den niederschlagsreichsten Gegenden Nordamerikas, denn hier, an den Berghängen, fangen sich die von Westen heranziehenden Wolken und regnen sich ab oder sorgen in den kalten Monaten für ausgiebigen Schneefall. Der Nationalpark gliedert sich auf der einen Seite in einen rauhen, oft nebelverhangenen Küstenabschnitt und auf der anderen Seite die üppigen, gemäßigten (Regen-)Waldgebiete der Olympic Mountains.

Nach unserer Küstenfahrt kommen wir von Süden in diese irgendwie verwunschen wirkende Gegend (es ist bestimmt kein Zufall, dass sie als Schauplatz für die vampirlastige Twilight-Saga diente).

Dem schmalen Küstenstreifen, der mit zum Nationalpark gehört, statten wir nur einen kurzen Besuch ab, denn das eigentliche Ziel für heute ist der Hoh Rain Forest, ein verwunschenes Regenwaldgebiet, das hier aufgrund mehrerer speziell zusammenwirkender Faktoren entstanden ist – Tallage, Meeresnähe, Windeinfluss und extrem hohe Niederschläge. Mehrere kleine Rundwanderwege erschließen dieses beeindruckende Waldgebiet und führen unter anderem in die „Hall of Mosses“, in der üppig mit Moosen behangene Bäume anzutreffen sind, und in das große, mit Geröll und Baumstämmen gefüllte Tal des Hoh Rivers.

Am Abend schlagen wir auf einem wunderschönen Waldcampingplatz an einem sprudelnden Gebirgsfluss unser Lager auf und genießen die Ruhe, die frische Luft, das Draußensein. Zu Hause haben wir von Freunden ein Päckchen Trekkingnahrung geschenkt bekommen und mitgebracht. Genau genommen ist es ein Trekkinggetränkepulver „Rotwein“, das heute Abend zum Einsatz kommen soll. Wer hätte das gedacht – in unseren Tassen bildet sich kein fruchtig-aromatischer Rebensaft, sondern ein klumpiges Gemenge! Das tut aber der Idylle um uns herum keinen Abbruch. Einen schöneren Ort zum Zelten können wir uns kaum vorstellen!

Das Sol Duc Hot Springs Resort und ein Marsch in die Verdammnis

Am nächsten Morgen umrunden wir mit dem Auto den Nationalpark, um auf die andere, nördliche Seite der Halbinsel zu einem weiteren Übernachtungsort zu gelangen, den wir schon zuvor in einer Broschüre des Nationalparks ausfindig gemacht haben – dem „Sol Duc Hot Springs Resort Campground“ in der Nähe der gleichnamigen Lodge mit Poolanlage.

Auch hier ist der Campground wundervoll naturbelassen und mitten im Wald gelegen. Die Parzellen sind riesig groß und weit voneinander entfernt. Es ist noch früh am Tag, und so bauen wir schnell unser Zelt auf, um dann direkt zu einer Rundwanderung aufzubrechen, die wir ebenfalls in den Informationsbroschüren des Parks entdeckt haben. Sie soll uns an den Sol Duc Wasserfällen und zwei Seen – dem Deer Lake und dem Mink Lake – vorbeiführen und in einem großen Loop zurück zum Campingplatz führen. Gesagt, getan.

Zunächst geht es nahezu ebenerdig durch ein schönes Waldgebiet mit Pilzen, Moosen und Farnen, bis wir den Wasserfall des Sol Duc erreichen, der dramatisch durch eine kleine Klamm fließt. Dann wird der Pfad steiler und steiler und steiler.

Wir bewegen uns zum ersten Mal während einer Wanderung durch Schwarzbärengebiet. Um schon weithin auf uns aufmerksam zu machen, erheben wir hin und wieder unsere Stimmen und unterhalten uns in übertriebener Lautstärke. Wenn es gerade nichts zu bereden gibt, schlagen wir kleine Steinchen gegeneinander. Das hat schon gewisse paranoide Züge, aber man weiß ja nicht… Hören die Bären Geräusche, ziehen sie sich dann schon von alleine zurück. So die Theorie.

Bald taucht der erste See zwischen den Bäumen auf. Am Ufer pausiert eine amerikanische Kleinfamilie, mit der wir ins Gespräch kommen. Mutter Monica lässt uns einen Blick in ihre detaillierte Wanderkarte werfen. Wir stellen fest, dass wir nach drei Stunden unterwegs noch nicht einmal die Halbzeit verbuchen können. Die Familie ist auf derselben Strecke bereits seit fünf Stunden unterwegs und will an dieser Stelle umkehren, um noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Zeltplatz anzukommen. Wir wollen dem Rundweg weiter folgen. Monica will sich später nichts vorwerfen müssen und leiht uns ihre Taschenlampe, falls wir zu lange unterwegs sind und die Nacht über uns hereinbricht. Als wir uns erkundigen, wo wir die Taschenlampe denn später wieder abgeben können, stellt sich heraus, dass die Familie ebenfalls auf dem Zeltplatz untergekommen ist und auf dem Stellplatz direkt neben unserem wohnt!

Es geht weiter bergauf und bergauf und bergauf. Es ist anstrengend, und trotzdem genießen wir immer wieder Panoramen in eine sensationelle Landschaft aus lieblichem Wald, Wiesen, Mooren und kleinen Tümpeln. Dann endlich ist der höchste Punkt erreicht, und es geht fortan nur noch nach über Wurzelwerk, Stock und Stein nach unten. Als wir See Nummer 2, den Mink Lake, erreichen, beginnen sich meine Knie bemerkbar zu machen – ein klassischer Fall von Überlastungsschmerz. Wir müssen zugeben, dass wir uns mit dieser Tour wohl etwas übernommen haben. Irgendwann tauchen zwischen den Bäumen die Cabins des Resorts auf! Geschafft!!

Zurück am Zeltplatz merken wir, wie platt wir tatsächlich sind. Es gibt nur noch einen kleinen Imbiss. Zum Kochen sind wir nicht mehr in der Lage. Carsten schafft es immerhin noch, bei unseren Zeltnachbarn auf ein Bier vorbei zu schauen, um sich für das Leihen der glücklicherweise nicht benötigten Taschenlampe zu bedanken und dem musizierenden Vater zu lauschen, der auf seiner Gitarre irische und finnische Lieder zupft. Es folgt eine Nacht im Tiefschlaf. Die Bilanz: 24 Kilometer und ein siebenstündiger Marsch bergauf oder bergab ohne nennenswerte Pausen!

Sol Duc Hot Springs Resort – Badetag!!

Welch eine Wohltat nach den gestrigen Strapazen! Am Morgen springen wir in die heißen Mineralwasserbecken des Sol Duc Hot Spring Resorts, in denen sich bereits zahlreiche Urlauber tummeln. Die Szenerie erinnert uns an eine Tierdokumentation aus Japan, in der sich eine Affenkolonie im Winter dicht gedrängt im Becken einer heißen Quelle aufwärmt.

Umgeben von Schwefelgeruch können wir wunderbar entspannen, uns auf Sonnenliegen aalen und in unseren Büchern schmökern.

Unterhaltsam wird es immer dann, wenn die Thermalbecken abwechselnd für die Entnahme von Wasserproben gesperrt werden. Dann nämlich begibt sich die Gesellschaft der Badegäste im Kollektiv von einem Pool zum nächsten. Und zum nächsten. Und wieder zum nächsten.

Am Nachmittag ist uns nach etwas Abwechslung zu Mute, und wir unternehmen einen kleinen Ausflug zum malerischen Crescent Lake, der etwa eine halbe Stunde vom Resort entfernt im Nationalpark liegt. Auch hier gibt es verschiedene Wanderwege, verlockender erscheint uns heute jedoch ein kleiner, etwas versteckt liegender Bootssteg, auf dem wir herrlich dasitzen und über das tiefblau schimmernde Wasser in die Berglandschaft blicken können.

Wir cruisen noch ein wenig um den See und kehren zum Resort zurück, um doch noch einmal die Hot Pools aufzusuchen. Es ist unheimlich viel los, und wir hocken dicht gedrängt mit anderen Urlaubern im Wasser, bis die Hände und Füße schrumpelig geworden sind! Baden macht hungrig, und so werfen wir uns am Abend in Schale, schnappen uns eine Taschenlampe für den düsteren Rückweg und spazieren durch den Wald zum Restaurant der Lodge. Auch hier sind wir wieder begeistert, wie groß der Servicegedanke in amerikanischen Restaurants geschrieben wird!

„Hallo, mein Name ist Andrew, und ich bin heute Abend euer Kellner!“

Das ist so ganz anders als in Deutschland, wo es (frei nach Loriot) oft eher heißt: „Herr Ober, darf ich Ihnen vielleicht etwas bringen?“.

Fahrt über den Hurricane Ridge – On top of the world!!

Viele Besucher gelangen von Nordosten über Port Angeles in den Olympic Nationalpark. Dort befindet sich auch das Hauptbesucherzentrum. Man gelangt über eine sehr gut erschlossene Panoramastraße auf den so genannten Hurricane Ridge, einen Bergkamm, der an seiner höchsten Stelle knapp 1.600 Meter über NN liegt. Auch wir wollen heute diesen Teil des Parks besuchen und vom Campingplatz „Heart of the Hills“ aus starten, auf dem wir dann später übernachten wollen.

Schon alleine die Auffahrt mit dem Auto ist ein wunderschönes Erlebnis! Die weiten Ausblicke über die vereisten Berggipfel und die endlosen Wälder sind traumhaft.

Über die Strait Juan de Fuca können wir hinüber nach Kanada bis zur Vancouver Island, auf den Mount Baker und den Mount Olympus blicken.

Zahlreiche Wanderwege führen durch das Gelände. Unter anderem gelangt man mit dem Fahrzeug über eine abenteuerlich schmale Schotterpiste (14 Kilometer lang) zum so genannten Obstruction Point, einem Aussichtspunkt, der den Trailhead für mehrere Touren bildet. Wir entscheiden uns für eine kleinere Tour mit sechs Kilometern, über die wir in eineinhalb Stunden zum Hurricane Hill gelangen. Nähere Informationen zu Wandermöglichkeiten im Nationalpark finden sich zum Beispiel unter: www.hikeolympic.com.

Zurück am Campingplatz wird uns bewusst, dass wir morgen wieder in Richtung Zivilisation aufbrechen müssen. So lassen wir die wunderbare Zeit im Wald an einem knisternden Lagerfeuer Revue passieren. Wir beginnen schon ein wenig damit, unsere Sachen zu sortieren und vermachen dem Pärchen aus dem Nachbarzelt allerlei Campingkram und nicht mehr benötigte Lebensmittel. Gewappnet mit zwei Teetassen machen wir uns – nach persönlicher Einladung durch eine Rangerin – um halb neun auf zum Campfire Program. An einem knisternden Lagerfeuer sitzen die interessierten Gäste auf Holzbänken und erfahren von den Rangern durch Erzählung, oft auch durch eine Beamerpräsentation, eine Menge über die Besonderheiten des Nationalparks, die Tier- und Pflanzenwelt. Das Event wird auf vielen staatlichen Campingplätzen angeboten und läuft immer ein wenig anders ab, ist aber eigentlich jedes Mal einen Besuch wert. In unserem gemütlichen Zelt verbringen wir eine letzte Nacht umgeben von wundervoller Stille und frischer Luft.

Von der Olympic Peninsula nach Seattle – zurück in die Großstadt!!

Am Morgen räumen wir das Auto und unseren gesamten Hausrat auf und misten einige Gegenstände aus, die uns zwar während des Urlaubs treue Dienste erwiesen haben, die wir jedoch nicht im Flugzeug mit nach Hause nehmen können und wollen. Meine ein wenig undichte Isomatte ist zumindest noch als polsternde Unterlage von Nutzen gewesen, hat aber nun ausgedient. Ebenso unsere inzwischen schon leicht zerfledderte Styroporkühlbox und die gute, türkisfarbene Plastiktischdecke, die unser Lager erst so richtig gemütlich gemacht hat.

Wieder on the road lassen wir den schönen Olympic Nationalpark schnell hinter uns und nähern uns dem Ballungsraum Seattle. Über Port Angeles, Bremerton und Tacoma geht es über die Highways bis zum Flughafen Sea-Tac, wo wir uns ein wenig aufgeregt durch das Straßengewirr bis zur Rental Car-Abgabestelle durchschlagen. Ab jetzt sind wir wieder autolos unterwegs und froh, dass alles ohne Probleme funktioniert hat.

Das Gewimmel am Flughafen ist ein regelrechter Kulturschock nach so viel Wildnis.

Für eine unverschämte Gebühr geben wir den größten Teil unseres Gepäcks, den wir während der verbleibenden Zeit in Seattle nicht mehr benötigen, in der hiesigen Gepäckaufbewahrung auf. Dann nehmen wir den Bus in die Downtown. Asphaltwüste und unansehnliche Gebäude soweit das Auge reicht… – zumindest wirkt alles so auf uns, bis wir wieder in der Downtown am Ausgangspunkt unseres Roadtrips, in unserem Moore Hotel, angelangt sind.

So verbringen wir die letzten zwei Tage unserer Reise in der Großstadt und nutzen die Zeit für Spaziergänge, einen Einkaufsbummel und ein wenig Sightseeing.

Die berühmte Waterfront von Seattle mit einem Ausblick auf das Meer und auf den Sonnenuntergang hinter dem Olympic Nationalpark ist (eigentlich) ein malerischer Ort mit einigen kuriosen Andenken-, Ramsch- und Fischläden. Wäre da nur nicht der dreistöckige Highway, der direkt parallel zum Ufer verläuft, dessen Höllenlärm wir permanent hinter uns wahrnehmen und gegen den sogar die Möwen kaum noch ankreischen können. Da helfen nur ein paar Drinks in einer gemütlichen Bar!

Das Wahrzeichen der Stadt, weithin sichtbar, ist der Fernsehturm Seattles, die so genannte Space Needle. Mit einem Aufzug gelangen wir für 16 $ pro Person auf eine rund 180 Meter hohe Aussichtsplattform. Von hier haben wir einen beeindruckenden Ausblick über die Hochhäuser der Downtown bis hin zum Olympic Nationalpark und hinüber nach Kanada. Zu bestimmten Wetterlagen tritt hinter der Skyline der Stadt der mächtige Mount Rainier in Erscheinung – ein Panorama, das auf nahezu keiner Postkarte fehlt. Heute hält er sich jedoch im Verborgenen.

Eine amerikanische Touristin, die sich mit ihrer Familie in unserer Nähe auf dem Aussichtsbalkon aufhält, trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Proud to say U.S.A.!“. Später sehen wir bei einem anderen Touristen noch ein Baseball-Käppi mit dem Schriftzug „Proud and strong – U.S.A.“. Ein solcher Patriotismus ist uns aus der Heimat unbekannt und befremdet uns. Gleichzeitig stellen wir fest, dass diese Art, die Liebe zu seinem Land auszudrücken, hier ganz selbstverständlich zum Alltag gehört.

Nach einem kurzen Spaziergang über einen ein wenig ramschig wirkenden Jahrmarkt rund um die Space Needle können wir ein weiteres touristisches Highlight der Metropole erleben: eine Fahrt mit dem Monorail. Achtung Tourifalle! Wir können uns fast gar nicht so schnell hinsetzen, wie die Fahrt schon wieder vorbei ist. Nach einer leichten Beschleunigung und einem Blick in die Schaufensterfront der Filiale einer berühmten Fastfoodkette laufen wir in die erste, aber auch leider schon letzte Haltestelle ein – und das war´s.

Mit einem kostenlosen Shuttelbus gelangen wir nach China Town mit vielen typischen Läden, Kiosken, Restaurants und einem großen Verbrauchermarkt, in dem ein nachfragegerechtes Warensortiment angeboten wird. Uns beeindruckt vor allem ein großes Regal voll mit den unterschiedlichsten Arten von Origamipapier! Ein weiteres Ziel des heutigen Tages ist noch einmal der Pike Place Market, den wir schon zu Beginn unserer Reise besucht haben. Diesmal sind wir jedoch für einen Marktbesuch recht spät dran, und die Markthändler bauen ihre Stände bereits langsam wieder ab.

Es wird langsam dunkel, und wir besuchen noch einmal die Waterfront. Im milden Licht der Abenddämmerung sehen wir zum letzten Mal die Berge der Olympic Peninsula am Horizont. Was können wir zum Abschluss der Reise sagen, was bleibt, was nehmen wir mit nach Hause? Wir blicken auf einen wunderbaren Roadtrip durch einen touristisch noch nicht so viel besuchten Teil der USA zurück – vielleicht war es deshalb ein besonders interessanter Auftakt, um dieses Land mit seinen wunderschönen Landschaften, freundlichen Menschen und auch allerlei Kuriositäten kennen zu lernen. Wunderschöne Übernachtungsorte werden uns in Erinnerung bleiben. Ein besonderes Erlebnis war Carstens Wiedersehen und meine erste Begegnung mit Terry und seiner Lebensgefährtin Kate, die uns so herzlich willkommen geheißen haben und mit denen wir unvergessliche Tage verbracht haben.

Die USA sind ein herrliches, entspannt zu bereisendes Ziel, und wir sind uns sicher, nicht zum letzten Mal hier gewesen zu sein!

Wart Ihr schon in Washington oder Oregon oder plant eine Reise dorthin? Wir freuen uns auf Eure Empfehlungen, Anregungen und Kommentare!

 

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