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Reiseblog für Flashpacking, Camping, individuelles Reisen

USA – Roadtrip durch die Rocky Mountains

Das vierte Mal in den USA – und vielleicht das erste Mal so richtig! Diesmal fernab der liberalen Westküste, im Herzen des Landes… Auf einer vierwöchigen Rundreise und mit knapp 2.700 Meilen im Wohnmobil erleben wir eine Menge Cowboy-Lifestyle, weite Grasebenen und die Naturlandschaften der Rocky Mountains. Begleitet uns auf einer Reise durch Colorado, Nebraska, South Dakota, Wyoming, Montana, Utah und Iowa!

 

Die Route:
Denver – Pawnee National Grassland – Lake Angostura – Wind Cave Nationalpark – Custer State Park – Badlands National Park – Devils Tower – Bighorn Mountains – Cody – Yellowstone Nationalpark – Grand Teton Nationalpark – Jackson Hole – Thayne – Dinosaur National Monument – Grand Lake – Rocky Mountain Nationalpark – Estes Park – Central City

Übernachtungsorte – unsere TOP 5:
Crow Valley Campground, Briggsdale (Pawnee National Grassland)
Campingplatz Circle Park, Buffalo (Bighorn Mountains)
Timber Creek Campground, Kawuneeche Valley (Rocky Mountain Nationalpark)
Moraine Campground, Estes Park (Rocky Mountain Nationalpark)
Colter Bay Campground, Grand Teton Nationalpark

Probieren und genießen – unsere TOP 5:
Kick Ass Cowboy Cuisine in Cody, Wyoming
Selbstgemachte Burger auf der Feuerstelle des Campsites
Denver Omelett mit Hashbrowns
Dianes Wapitisteaks
Frühstück in der Prärie

 

Von Essen nach Denver

Wir fliegen in den Tag hinein – neun Stunden von Düsseldorf nach Chicago, und zwei weitere bis nach Denver – Ausgangspunkt für unsere vierwöchige Wohnmobilrundreise. Am liebsten würden wir sofort einsteigen und losfahren. Aber zuerst steht ein wenig Sightseeing in Colorados Hauptstadt auf dem Plan.

Kleine Abenteuer in der Mile High City

Denver, Colorado – die Mile High City – präsentiert sich uns an unserem ersten Tag als moderne, junge, quirlige, bunte, tolerante Metropole. Wir machen eine Radtour. Für uns auch in größeren Städten die bestmögliche Art, unterwegs zu sein! Hier in Denver ist es eine komfortable Angelegenheit, denn die Verleih- und Rückgabestationen findet man in regelmäßigen Abständen über die Stadt verteilt, kann sich an einem Terminal anmelden und per Kreditkarte bezahlen.

Über einen Radweg am Cherry Creek gelangen wir zum Mile High-Stadion, zum Confluence Park und zu einem ehemaligen Bahnstrom-Kraftwerk, das jetzt in restauriertem Zustand eine riesige Niederlassung der amerikanischen Outdoorkette REI beherbergt.

Durch die Lower Downtown radeln wir zurück bis zur 16th Street Mall, auf der es sich den ganzen Tag bis in die späten Abendstunden herrlich flanieren, beobachten, einkaufen und einkehren lässt.

Im Civic Center Park wird heute eine riesig-bunte, schrille Gay-Party gefeiert – das Denver Pride Festival. Dieses findet zusammen mit dem Color Run statt, bei dem sich die Läufer – inspiriert vom indischen Frühlingsfest – mit Farbpulver bewerfen lassen. Wir feiern mit.

Einen weiteren halben Tag verbringen wir in der Lower Downtown. Der dortige Historic District aus der Zeit der Jahrhundertwende ist ein interessantes Viertel mit alten, vielfach renovierten Warehouses, hippen Cafés und Restaurants und einem sehr sehenswerten Buchladen namens „Tattered Cover Book Store“. Nach ausgiebigem Stöbern besuchen wir mittags das altehrwürdige, im Civic Center Park gelegene Colorado State Capitol, in welchem die Gesetze des Bundesstaates gemacht werden und der Gouverneur sein Büro hat.

Eine der Treppenstufen des repräsentativen Aufgangs markiert die imaginäre Höhenlinie, die Denver zur „Mile High City“ macht.

Von hier kann man bei klarem Wetter auch die verschneiten Gipfel der Rocky Mountains am Horizont erkennen! Im Inneren ist besonders die Gemäldegalerie aller US-Präsidenten unterhaltsam. Wir erfahren, dass fast alle Portraits von ein und demselben Maler gefertigt wurden, der jedoch vor ein paar Jahren verstorben ist. Präsident Lincoln wurde schon einmal gestohlen und musste noch ein zweites Mal gemalt werden. Und Bill Clinton ist gerade zur Renovierung unterwegs.

 

Dann ist es endlich soweit! Wir machen uns bereit für die Weiterreise! An einer nördlichen Ausfallstraße in der hiesigen Filiale von Cruise America nehmen wir unser bereits zu Hause vorgebuchtes Wohnmobil in Empfang. Es kommt uns mit seinen 7,5 Metern Länge vor wie ein Schlachtschiff! (Die besonders bei Europäern beliebte kleinste Kategorie war bei Buchung nicht mehr verfügbar.) Wir werden aber unterwegs bemerken, dass es noch weitaus größer geht… Im nächstgelegenen Walmart unterziehen wir uns einem kräftezehrenden Einkaufsmarathon durch endlose Regalreihen, bis der Kühlschrank gefüllt und eine Tischdecke, Kerzen, Streichhölzer und ein Allzweck-Campinghammer an Bord sind.

Durch ausgedehnte Gewerbegebiete verlassen wir Denver in Richtung Norden. Es geht durch Greeley bis nach Ault, und von dort in Richtung Osten durch endlose grasige Weiten nach Briggsdale zum Crow Valley Campground. Das heutige Ziel im Pawnee National Grassland ist erreicht!

Wir finden einen traumhaften, fast leeren Campingplatz mit Bäumen und Büschen mitten im Grasland vor – ein Vogelparadies. Ein malerischer Weg – der „Trail of The Morning Dove“ – führt durch eine Bachniederung in die Ebene hinaus. Der leichte Wind streift durch die Bäume. Es ist herrlich still, und wir beobachten das Wetterleuchten am Horizont.

Vom Pawnee National Grassland zum Lake Angostura

Unsere Route führt geradewegs nach Norden. Wir verlassen Colorado und gelangen nach Wyoming. In Torrington zweigen wir nach Osten ab, entern den Bundesstaat Nebraska und erreichen gegen Mittag das Scotts Bluff National Monument, eine markante Sandsteinklippe, die den Siedlern auf dem Oregon Trail als Wegweiser diente. Beeindruckend sind die noch zu erkennenden Fahrspuren der Planwagen, die hier mühevoll eine Anhöhe überwinden mussten und sich dabei tief in den Untergrund eingruben. Vom oberen Teil der Klippe können wir bereits den Chimney Rock, eine markant aus der Ebene hervortretende Felsnadel, erkennen. Für die Wegstrecke von Scotts Bluff zum Chimney Rock benötigten die Planwagentrecks damals zwei Tage – wir heute mit unserem super-spritsparenden Wohnmobil (20 Liter auf 100 km!!) 30 Minuten.

In der endlosen Prärie überqueren wir nördlich von Chadron die Grenze zwischen Nebraska und South Dakota und erreichen bald unser heutiges Etappenziel, die Angostura State Recreation Area.

An einem Stausee, dem Angostura Reservoir, beziehen wir einen sehr gepflegten Campingplatz mit ausgedehnten Rasenflächen. Der Platz scheint besonders bei Reisenden mit gigantischen Trailern beliebt zu sein, teils mit bis zu sechs ausfahrbaren Slide-Outs zur Vergrößerung des Innenraums (Yes, they really exist!)… Am Strand des Sees lassen wir den Tag ausklingen und können auch hier wieder in der Ferne das Wetterleuchten beobachten.

Wind Cave National Park – Breakfast with Bisons

Das große Abenteuer des heutigen Tages ist das erstmalige Aufsuchen einer dump station, wo wir den Frischwassertank auffüllen und unser Abwasser entsorgen können. Gar nicht so schwer – die befürchtete Ganzkörperdusche bleibt aus.

Noch am Vormittag erreichen wir den für seine weiten Prärielandschaften und Höhlensysteme bekannten Wind Cave National Park. Schon auf dem ersten Parkplatz treffen wir auf die erste Bisonherde. Wir beobachten die Tiere mit respektvollem Abstand und immer in Reichweite der Fahrzeugtüren – falls eines der riesigen Viecher ungemütlich wird, können wir ins Wohnmobil zurücksprinten… Die Herde zieht jedoch langsam und friedlich grasend vorbei und verteilt sich dann auf den umgebenden Prärieweiden. Wir beschließen, hier an Ort und Stelle in unseren Klappstühlen vor dem RV zu frühstücken den wunderschönen Anblick noch ein wenig zu genießen.

Auf einem acht Kilometer langen Rundwanderung – einer Kombination aus dem Lookout Point Trail und dem Centennial Trail – können wir durch das Grasland und lichte Ponderosahaine streifen. Das Auenland lässt grüßen! Über eine bewaldete Flanke gelangen wir hinab in das wunderschöne Tal des Beaver Creek. An den senkrechten Felswänden entdecken wir vereinzelte Höhlen, und am Hangfuß verschwindet der Bach im karstigen Untergrund.

Unmittelbar nördlich an den Wind Cave Nationalpark grenzt der Custer State Park an. Am Eingang werden wir von einer wahnsinnig freundlichen, aufgeregten Dame angesprochen: „Did you see any donkeys?“ Wie bitte, Esel?! Wir haben heute schon eine imposante, stattliche Bisonherde gesehen, aber mit Eseln können wir nun gerade wirklich nicht dienen… Später erfahren wir auf unserer Rundfahrt über den Wildlife Loop, dass es im Custer State Park tatsächlich wildlebende Esel gibt, deren Vorfahren irgendwann irgendwo ihren Eigentümern entkommen sind. Der Park ist gut besucht, die Übernachtungsmöglichkeiten sind begrenzt. Über eine telefonische Reservierungshotline wird uns nach einigem Hin und Her ein Stellplatz am nordöstlich gelegenen Center Lake zugewiesen. Der Platz ist uns sicher und der Tag noch jung – auf zum nächsten Highlight!

Das Crazy Horse Memorial ist eine Art indianisches Pendant zu den Präsidentenköpfen des Mount Rushmore. Begonnen im Jahr 1948 von einem polenstämmigen Bildhauer, privatfinanziert über eine Stiftung und von der Familie weitergeführt, ist bis jetzt nur das Gesicht des Warchiefs Crazy Horse fertiggestellt. Die Bauarbeiten am Kopf des Pferdes sind begonnen und sollen geschätzt weitere 15 Jahre andauern. Dann fehlt noch der Rest – ein Projekt für die Ewigkeit?!

Mount Rushmore – In Rock

Während unserer Fahrt durch die Black Hills bringen wir uns mit dem Album „In Rock“ von Deep Purple für einen Besuch des Mount Rushmore National Memorials in Stimmung.

Vom Parkplatz für die KLEINEN Wohnmobile gelangen wir über die „Avenue of Flags“ mit den Fahnen aller US-Bundesstaaten zur großen Besucherplattform mit freier Sicht auf George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Hier beginnt der Presidential Trail, ein breiter Steg aus Recyclingpaneelen, auf dem man über Treppen näher an die Präsidentenköpfe herankommt und auf diversen Schautafeln mehr über die Bedeutung der Staatsoberhäupter erfährt.

Wir übernachten heute auf dem KOA Campingplatz Mount Rushmore. KOA-Campingplätze gibt es überall in den USA. Sie sind privat geführt, sehr gut ausgestattet, aber häufig auch teurer als die in der Regel einfacheren, staatlich geführten Campgrounds. Die staatlichen Plätze liegen dafür oft landschaftlich besonders schön. In der einsetzenden Dämmerung werden wir von einem gelben Schulbus für einen Besuch der „Evening Lighting Ceremony“ abgeholt, die allabendlich in einem Amphitheater am Fuße des Mount Rushmore begangen wird. Mit an Bord illustre Gäste: ein Herr mit Vietnamaufnähern auf Weste und Bandana, eine adipöse Lady mit Cowboyhut und rotem USA-Jogger, ein älterer Herr mit US Navy Baseball-Kappe und T-Shirt mit Waffenaufdruck. Vor Ort scheint die Besucherschar überwiegend aus weißen, vielfach übergewichtigen US-Amerikanern zu bestehen. Internationale Touristen können wir hingegen nur vereinzelt ausmachen.

Die Veranstaltung beginnt mit einer feierlichen Ansprache durch einen Ranger. Die Gäste werden aufgefordert, sich gegenseitig die Hände zu schütteln und sich zu erzählen, woher sie stammen – die vier Präsidenten seien nämlich auch ein Symbol für die Vielfalt der Amerikaner! Ein Film informiert anschließend über die Staatsoberhäupter und ihren politischen und gesellschaftlichen Beitrag zur Geschichte der Vereinigten Staaten.

Der Abend erreicht seinen Höhepunkt – die Skulpturen werden illuminiert, und gemeinsam wird die Nationalhymne gesungen.

Zum Abschluss ruft der Ranger alle Anwesenden auf die Bühne, die aktuell bei der US-Armee im Dienst sind oder es in der Vergangenheit waren. Sie werden geehrt, holen die Flagge ein und nennen nacheinander ihre Namen und ihre Zugehörigkeit zur Army, Navy oder zu den Marines. Es wird gesondert für diejenigen applaudiert, die derweil in Afghanistan oder irgendwo auf See Dienst tun.

Die Veranstaltung wirkt eigenartig auf uns, wir sind zwiegespalten. Einerseits scheint nichts dagegen zu sprechen, mit einer gemeinsamen Erzählung und einer Nationalhymne Zusammengehörigkeit zu erzeugen. Andererseits erscheint uns diese ganze Zeremonie aber auch zu undifferenziert, mit zu viel Pathos. Trotzdem empfinden wir den Mount Rushmore nicht als Disneyland und die Anwesenden scheinen ernsthaft bei der Sache zu sein.

Bad Lands – Enlightenment begins when pavement ends!

An Rapid City vorbei, gelangen wir am nächsten Tag wieder in die endlose Prärie, die teils von lieblichen, baumbewachsenen Bachtälern durchzogen wird. In Scenic biegen wir von der Asphaltstraße auf die geschotterte Sage Creek Road ab. Sie führt durch malerische Wiesen- und Felslandschaften, kleine Canyons und dann oben auf dem Plateau durch die endlose, baumfreie Ebene. Kurz darauf entern wir den Badlands National Park.

Der Regen hat die Piste ordentlich durchweicht, das Wohnmobil sieht aus wie Sau. Die Landschaft wird immer zerklüfteter, die Sandsteintürme immer höher, je weiter wir in den Park hineinfahren.

Links von uns die endlosen Grasebenen mit Bisons, rechts die unwirtliche Mondlandschaft – eine atemberaubende Szenerie!

Unser heutiger Übernachtungsort, der Campingplatz des Nationalparks liegt wie eine Insel inmitten eines Meeres aus Gras. Jeder Stellplatz hat eine eigene Sitzbank mit Sonnenschutz. Im Hintergrund ragen die Sandsteinfelsen der Badlands auf und bieten in der untergehenden Sonne ein unvergleichliches Farbenspiel. Am Horizont brauen sich dunkle Wolken zusammen, ein Gewitter naht.

Mit den ersten Regentropfen werden wir Zeugen eines bombastischen Sonnenuntergangs. Der Himmel glüht rot, gelb und purpurfarben, und wir erleben unseren ersten Regenbogen in der Dämmerung!

Am Morgen wollen wir vom Saddle Pass Trailhead ausgehend die Badlands zu Fuß erkunden. Es geht direkt steil bergan, eine zerklüftete Felsklippe hinauf. Der Aufstieg erweist sich als äußerst verzwickte Angelegenheit, denn der poröse Sandstein und das feinkörnige Material an der Oberfläche verwandeln den Steig in Verbindung mit der Nässe der vergangenen Nacht in Schmierseife. Wir rutschen ständig ab und müssen uns auf allen Vieren in den Untergrund krallen. Ich verletze mich dabei an einem Finger und hinterlasse kleine Blutspuren. Nach unserem Aufstieg sieht es auf dem Pfad aus, als wäre hier eine Wildschweinherde unterwegs gewesen. Oben angekommen reinigen wir unsere völlig verdreckten Matschpfoten mit Wasser aus unserem Trinkbeutel und beginnen mit unserer Rundwanderung über den Medicine Root Trail (6,4 km) und den Castle Trail (teilweise, ca. 8,5 km).

Der Medicine Root Trail besticht durch seine endlosen Grasflächen, immer wieder durchsetzt von kleinen und größeren Buttes und kleinen Canyons, im Hintergrund immer die Kulisse der höheren Felsen. Der Castle Trail führt durch raueres, dramatisches Gelände, direkt am Rand völlig zerklüfteter Bereiche entlang. Der Himmel ist wolkenlos, die Hitze wird immer stärker. Badlands – der Name ist Programm! Gleichzeitig ist die Landschaft aber auch atemberaubend schön!

Nach etwa fünf Wanderstunden sind wir um die Mittagszeit wieder an unserem RV. Der Saddle Pass ist mittlerweile getrocknet und ein Abstieg ohne Probleme möglich.

Vom Badlands Nationalpark zum Devils Tower – On a Highway to Hell

Wir fahren nach Wyoming. Doch zuerst muss das Wohnmobil an einer Waschstation vom Schlamm der gestrigen Schotterpistenfahrt befreit werden! Blitzeblank geht es auf die Interstate 90 in Richtung Westen – aus den Lautsprechern schallt Bruce Springsteens „Born in the USA“. Am Horizont braut es sich düster zusammen, riesige Blitze durchziehen den Himmel. Oben auf einer weiten Kuppe zwischen Spearfish und Sundance ist das Gewitter über uns angekommen, und es bricht ein Platzregen mit gewaltigem Sturmesbrausen über uns herein. Eine Weiterfahrt ist unmöglich, nichts geht mehr. Wir halten gemeinsam mit einigen anderen Autos vor und hinter uns auf dem Randstreifen. Das Wohnmobil wackelt im Sturm, der immer stärker wird. Aus dem waagerecht peitschenden Regen wird Hagel. Die Hagelkörner durchschlagen zwei Dachfenster, und es regnet hinein. In dem Getöse haben wir übersehen, dass das hintere Fenster neben der Schlafstätte noch geöffnet ist! Der Vorhang und ein Schlafsack sind durchnässt. Wir schließen schleunigst das Fenster und harren weiter aus. Das RV schaukelt mit der Breitseite zum Sturm hin und her, ungeschützt stehen wir mitten oben auf der Kuppe… ein mulmiges Gefühl macht sich breit. Wir kauern am Boden und fragen uns, was da wohl noch kommt… Aber glücklicherweise bleibt es bei den zerschlagenen Dachluken. Nach einer viertel Stunde ist der Spuk vorbei.

Hinter Sundance verlassen wir die Interstate und flicken notdürftig mit Plastikfolie und Tapeband die Dachfenster. Am Abend erreichen wir die Region um den Devils Tower und finden einen privaten, etwas in die Jahre gekommenen Campingplatz mit kleinem Diner, auf dem wir für diese Nacht unterkommen. Im Hintergrund ragt der düstere Monolith auf, in Nebelschwaden gehüllt. Die Nacht wird frostig, eng (da wir uns den verbliebenen trockenen Schlafsack teilen müssen) und weitestgehend schlaflos.

Der Devils Tower ist rund 260 Meter hoch und hat einen Durchmesser von ungefähr 150 Metern. Die Geologen erklären die Entstehung des Devils Towers – in sehr vereinfachter Kurzfassung – mit aufsteigender Magma, die beim Erkalten markante Gesteinssäulen ausbildete. Das Ausgangsgestein erodierte mit den Jahrmillionen rundherum hinweg. Für die Native Americans ist der turmartige Felsen ein Heiligtum. Der Sage nach flüchteten ein paar Mädchen vor einem Grizzlybären, flehten um Rettung und wurden plötzlich mit dem Gestein in die Höhe gehoben. Der wütende Bär kratzte mit seinen Krallen die tiefen Furchen in den Felsen. Eine andere Theorie geht davon aus, dass es sich bei diesem mystischen Ort um einen Landeplatz für Außerirdische handelt… entscheidet selbst, welche Erklärung Euch am besten gefällt!

Zu Beginn des nächsten Tages hüllt sich der Devils Tower in mystischen Nebel. Auf einem etwa zwei Kilometer langen Fußweg, der durch märchenhaften Ponderosawald um den Felsendom herumführt, genießen wir die Ruhe und Ungestörtheit der frühen Morgenstunden. Einzig ein paar Kletterer sind schon unterwegs. Bevor die großen Besucherströme auf den Parkplatz rollen, sind wir schon wieder on the road.

Wir nähern uns den Bighorn Mountains, einer den Rocky Mountains vorgelagerten Bergkette, deren höchste Erhebung, der Cloud Peak, immerhin knapp die 4.000-Meter-Marke toppt!

In Buffalo besichtigen wir den historischen Stadtkern mit Westernhäusern, die zu Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurden. Auf Empfehlung des Visitor Centers steuern wir den Campingplatz Circle Park an. Umgeben von violett und gelb blühenden Bergwiesen, treffen wir auf ein wirklich malerisches Fleckchen Erde! Bis auf drei zeltende Jugendliche sind wir die einzigen Gäste. Am Abend knistert das Lagerfeuer, und bei einer Flasche Bier blicken wir zufrieden in den lichten Kiefernwald.

Von den Bighorn Mountains nach Cody

Zunächst über den Cloud Peak Skyway durch die High Park Ski Area und endlose Ponderosawälder fahren wir am nächsten Tag in Richtung Cody. Die Landschaft ist abwechslungsreich. Wir durchqueren einen tief eingeschnittenen, dramatischen Canyon und Farmland mit vielen schwarzen Rindern. In irgendeinem gottverlassenen Kaff pfeift der Wind das Tumbleweed über die staubige Straße – das ist der Wilde Westen!!

Am Nachmittag erreichen wir die 10.000-Seelen-Stadt Cody, die der zentrale, östliche Ausgangsort für Fahrten in den Yellowstone Nationalpark ist und selbst ihr Western-Buffalo-Bill-Image pflegt. Wir cruisen durch den Ort und finden alsbald die Arena für das allabendliche Cody Nite Rodeo am westlichen Ortsrand, das auch wir heute besuchen wollen. Nicht weit davon entfernt – aber doch zu weit, um zu Fuß zu gehen – befindet sich der Ponderosa Campground. Ein gepflegter, wenngleich sehr kleinparzellierter, privat geführter Campingplatz in Innenstadtnähe. Am Abend wirft sich Carsten in sein eigens für das Cowboy-Event mitgebrachtes kariertes Hemd – und mit einem Shuttlebus geht´s los! Yeeehaa!

Als wir das staubige Gelände betreten, laufen bereits viele Gäste in voller Cowboymontur auf. Wir decken uns mit Bier, Eistee und Hotdogs ein und beziehen ein Plätzchen auf der komfortablen „Buzzard´s Roost“-Tribüne. Hier können wir direkt auf die „bucking chutes“ blicken, die Startboxen der Reiter auf ihren Pferden und Bullen. Die große Show beginnt mit der Grand Entry – einer Reitergruppe mit amerikanischen Flaggen. Dazu wird die Nationalhymne gespielt, zu der sich das Publikum von den Sitzen erhebt. Es folgen Bareback Riding, Calf Roping, Steer Wrestling, Saddlebronc Riding, Steer Riding, Calf Scramble, Team Roping, Break Away Roping, Barrel Racing, Junior Barrel Racing und Bull Riding. Alles ist ausgesprochen unterhaltsam – bis auf den Pausenclown. Und auch das Bullenreiten ist eher unschön, da es immer nur ein paar Sekunden dauert, bis der jeweilige Reiter abgeworfen wird, dafür aber umso länger, bis dem armen Bullen der Gurt wieder abgenommen wird. Die Bullen laufen mit den eingeklemmten Kronjuwelen ewig in der Arena hin und her, bis es gelingt, den Gurt zu entfernen. Bei den Pferden scheint es deutlich schneller und irgendwie auch respektvoller abzulaufen, denn es sind eigens zwei Reiter dafür abgestellt, die Tiere von ihren Qualen möglichst schnell wieder zu befreien (was meistens auch gelingt). Insgesamt ein interessantes, aber sicherlich einmaliges Erlebnis, auf das wir in Zukunft eher verzichten würden.

Am nächsten Morgen telefonieren wir mit unserer Freundin Kate, die mit ihrem Lebensgefährten Terry in Oregon lebt. Wir haben die beiden im Jahr 2007 zum letzten Mal gesehen, und gemeinsam planen wir nun ein Treffen im Yellowstone Nationalpark. Die Vorbereitungen sind getroffen, die beiden machen sich morgen mit dem Auto auf den Weg.

In Cody kann man hervorragend einen Tag verbringen und sich auf den Spuren der Wild West Vergangenheit bewegen. Das Freilichtmuseum Old Trail Town erinnert an die Zeit der Stadtgründung im Jahr 1896. Das Westerndorf besteht aus Originalhütten, die woanders ab- und am Gründungsort der Stadt wiedererrichtet wurden. Wir schlendern über Boardwalks, bestaunen eine alte Schule, eine Bar, möblierte Wohnhäuser und ebenfalls hier hin verlagerte Gräber schon lange verstorbener Persönlichkeiten mit klangvollen Namen wie Jeremiah „Liver Eating“ Johnson.

Zu Fuß machen wir uns auf den Weg in die City und treffen auf das Buffalo Bill Center of the West. Ein Besuch dieses Museums ist ebenfalls sehr lohnend. Neben einer naturkundlichen Abteilung erfahren wir in einem separaten Bereich eine Menge über den Gründer und Namensgeber der Stadt William F. Cody alias Buffalo Bill. Weitere Räume widmen sich den Native Americans, einer Fotoausstellung, Gemälden und Waffen.

Cody präsentiert sich als schmuckes Westernstädtchen. Überall laufen Männer mit Cowboyhüten und –stiefeln herum. Und wer noch keine hat, der kann sich welche kaufen. Die Auswahl ist beeindruckend!

Vor dem Irma Hotel & Saloon, einem Traditionshotel benannt nach der Tochter Buffalo Bills, versammeln sich schon die Menschen zur allabendlichen Schießerei. Die nächste halbe Stunde wird uns von einer Gruppe ehrenamtlicher Laiendarsteller eine Wildwest-Vorführung mit bunten Kostümen und viel Geballer geboten, die ganz in Ordnung ist, aber sicherlich kein ultimatives Highlight darstellt. Auch bei diesem Event darf das gemeinsame Singen der Nationalhymne nicht fehlen. Als alle Beteiligten erschossen sind, kehren wir in den Ecksaloon des Irma Hotels ein und mischen uns dort unters Volk. Mit einem Buffalo Bill Beer (was sonst) setzen wir uns auf die Veranda, wo auch eine kleine – des Singens nicht allzu mächtige – Band aufspielt. Umgeben von illustren Gestalten, die offenbar alle aus Cody stammen, kommen wir an unserem Tisch mit einem ziemlich rustikalen Pärchen ins Gespräch. Kathy arbeitet als Bardame in einem Liquor Store, ihr Mann in den Ölfeldern in der Nähe. Kathies Mann outet sich schnell als eingefleischter Republikaner, Krankenversicherungs- und Obama-Gegner. Ganz diplomatisch berichten wir ihm, dass Obama in Deutschland sehr populär ist und wir unsere Krankenversicherung zu schätzen wissen… Wir plaudern über dies und das, der Abend vergeht wie im Flug. Irgendwann sind alle Biere ausgetrunken, und wir machen uns auf den Rückweg.

Von Cody in den Yellowstone Nationalpark – They only come out at night

 Über den Chief Joseph Scenic Byway cruisen wir am Morgen durch eine wunderschöne Berglandschaft, ein kurzes Stück durch den Bundesstaat Montana, und erreichen bereits um 10 Uhr den Eingang zum Yellowstone Nationalpark. Die nordöstliche Einfahrt in den Park erfolgt durch die weiten, grasigen Täler des Soda Butte Creek und des Lamar Rivers. Rechts und links von uns weiden die Bisonherden und einige Pronghorn Antilopen. Plötzlich eine Ansammlung von Autos – und eine Schwarzbärenmutter mit ihrem halbstarken Jungen kreuzt die Fahrbahn!

Die Straße von Tower-Roosevelt bis zum Campingplatz Tower Fall, auf dem wir heute übernachten wollen, ist eine einzige Baustelle. Gegenüber dem überfüllten Parkplatz mit Souvenirshop entdecken wir dann die Zufahrt. Wir finden ein ebenes, leicht erhöhtes Plätzchen für unser RV und brechen zu einer kleinen Wanderung auf. An einem Wasserfall (Tower Fall) entlang, führt der gut befestigte Pfad zum Yellowstone River hinab, der hier eingetieft zwischen leuchtend gelben, schwefeligen Hängen verläuft. Gelegentlich steigt uns hier auch tatsächlich der Schwefelgeruch in die Nase. Auf einer Schotterbank endet der offizielle Weg, ab hier heißt es „weiter auf eigene Gefahr“. Über das Kiesbett eines flachen Zulaufs des Yellowstone Rivers folgen wir einem Trampelpfad durch Salbeiwiesen am Flussufer entlang. Die Strömung ist beachtlich! Hier ist keine Menschenseele mehr unterwegs. Währenddessen sprechen wir demonstrativ laut mit einander und singen das eine oder andere, mehr oder weniger alberne Liedchen (Hi Bear!!), um gegebenenfalls in unserer Nähe weilende Grizzlybären auf uns aufmerksam zu machen und sie keinesfalls zu überraschen.

Im Naturkundemuseum in Cody haben wir Hinweise bekommen, wie man unschöne Zusammenkünfte mit Bären vermeidet – duftende Gegenstände und Lebensmittel in bärensichere Boxen einschließen (wobei RVs glücklicherweise ebenfalls als bärensichere Box gelten), immer mindestens zu zweit, besser zu dritt wandern, dabei möglichst laut reden, um keine Bären zu überraschen, bei Begegnung keinen direkten Augenkontakt, kein Rennen und vorher Bärenspray kaufen. Die Vorstellung, im Gelände einem Grizzly gegenüber zu stehen, ist durchaus Respekt einflößend, und als wir auf dem Pfad auf ein nicht näher zu definierendes Skelett stoßen, kehren wir lieber um… Nadine hält nichts von Carstens Plan, im Falle einer Bärenbegegnung in den reißenden Fluss zu springen, dabei die Fotokamera mit einem Arm über Wasser zu halten und sich weiter stromabwärts wieder ans Ufer zu retten. Derartige Aktionen bleiben uns jedoch erspart, denn die einerseits erhoffte und andererseits gefürchtete Bärenbegegnung bleibt aus.

Zurück am Parkplatz erkundigen wir uns spaßeshalber nach dem Preis für ein Bärenspray. Unglaubliche 50 $ soll das Zeug kosten (unsere Zahlungsbereitschaft hätte bei 15 bis 20 $ geendet). Wir lehnen dankend ab und werden die Bären dann – falls erforderlich – anders in die Flucht schlagen müssen…

Wieder am Campingplatz schöpfen wir aus unserem Fundus an mitgebrachten Lebensmitteln. Carsten bringt ein Häuflein Kohle zum Glühen und bereitet uns auf dem fest installierten Rost über der Feuerstelle drei köstliche Burger zu, die wir uns dann zusammen mit Kaiserrolls und allerlei Zutaten zu einem herzhaften Gesamtkunstwerk zusammenbauen. Ein Schmaus!

Um vier Uhr brechen wir mit dem RV noch einmal auf, in der Hoffnung, auf dem Lamar Valley Trail in der Abenddämmerung ein paar Tiere zu sehen – mit Erfolg! Wir folgen dem Pfad etwa eine Stunde lang ins Gelände hinein. Saftige Auen, Salbeiwiesen, einige Pronghorns und das Highlight – das Durchwandern zweier Bisonherden! Den massigen Bisons mit ihren riesigen bulligen Köpfen in freier Wildbahn zu begegnen, lässt uns ehrfürchtig dastehen! Wir lassen den Tieren ihren Weg, halten Abstand, laufen nicht direkt auf sie zu und vermeiden Augenkontakt. Dann scheinen wir sie aber auch nicht weiter zu interessieren. Sie grasen friedlich weiter, und wir können beglückt zurückwandern.

Kleine Abenteuer im Yellowstone Nationalpark

Bei einer Fahrt durch das weite Tal des Yellowstone Rivers nutzen wir die vielen schönen Haltepunkte und sehen von der Straße aus Bisons, Gänse und Pelikane. Es geht durch vulkanisches Gebiet. Am so genannten „Sulphur Caldron“, einer Mulde mit mehreren dampfenden und blubbernden Becken, betreten wir die Mud Volcanoe Area. Der Untergrund ist instabil und das Gebiet über Holzstege für Fußgänger erschlossen. Es gibt viel zu entdecken – ein dampfendes, unheilvoll brodelndes Loch, Fumarole, einen sauren See, einen faul neben einem Holzsteg liegenden Büffel, wabernde Schwefelbecken und den namensgebenden Mud Volcanoe, der irgendwann einmal Fontänen ausgespien hat, heute aber sein Dasein nur noch als blubberndes Loch fristet.

Die nächste Station des heutigen Tages ist der Canyon Village Campground – riesig und trotzdem um die Mittagszeit schon gefüllt! Gut, dass wir eine Reservierung haben (weit im Voraus von zu Hause über das Internet gebucht). Der Campground liegt in Reichweite des Grand Canyon of the Yellowstone. Über den North Rim Trail sind dort mehrere Viewpoints erschlossen. Das Panorama ist überwältigend! Vor uns liegt der tief eingeschnittene Canyon mit schroffen Felswänden und rot-gelb gefärbten Hängen. Am Lower Fall befindet sich eine Aussichtsterrasse direkt über der Kante des Wasserfalls. Ein tosendes Spektakel! Der Blick in den Canyon ist nicht nur unglaublich schön, sondern auch unglaublich kitschig, denn durch die aufsprühende Gischt ist nun auch noch ein Regenbogen am Himmel zu sehen! Um kurz nach acht treffen unsere Freunde Terry und Kate ein. Wir sitzen gemeinsam am Lagerfeuer, essen, trinken Bier, reden und genießen ein Wiedersehen nach mehreren Jahren! Carsten und der tiefenentspannte Terry kennen sich von einer Reise nach Neuseeland. Seine herzliche und kommunikative Lebensgefährtin Kate haben wir vor sechs Jahren auf unserer Reise nach Oregon kennengelernt. Beide sind bereits im Rentenalter und für alles zu begeistern, sofern für Terry morgens Kaffee und Cookies bereitstehen.

Am nächsten Tag lassen wir das Wohnmobil auf einem Parkplatz stehen und steuern mit dem Auto unserer Freunde das Norris Geyser Basin mit spektakulären Geysir- und Fumarolfeldern an. Der Steamboat Geyser ist angeblich der höchste Geysir weltweit, der jedoch nur selten ausbricht – zum letzten Mal vor fünf Jahren. Ein außergewöhnlicher Anblick sind auch die Mammoth Hot Springs Terraces, eine treppige Travertinlandschaft in strahlendem Weiß mit durch Bakterien und Algen entstandenen Rot- und Orangefärbungen. Unser heutiger Übernachtungsort ist der – ebenfalls online vorreservierte – Bridge Bay Campground, wo wir den Tag mit einem knisternden Lagerfeuer ausklingen lassen.

Ein weiteres Highlight des Yellowstone Nationalparks ist der altehrwürdige Geysir The Old Faithful. Verlässlich bricht dieser schon seit Jahren ziemlich regelmäßig ungefähr einmal pro Stunde aus. Der gute Old Faithful lässt auch bei unserem kleinen Frühstück auf einer Bank am Rand des Bassins nicht lange auf sich warten und bricht schon nach etwa einer viertel Stunde des Wartens aus. Auf einer kleinen Wanderung erkunden wir das Areal. Durch den Wald gelangen wir zum Solitude Geyser, der in den 1930er Jahren angezapft wurde, um ein Thermalschwimmbad zu speisen. Damals war er noch gar kein Geysir, sondern nur eine heiße Quelle, und wurde erst durch das menschliche Eingreifen zu einem. Die etwa eineinhalbstündige Tour endet an der berühmten Lodge, dem beeindruckenden Old Faithful Inn, 1904 gebaut im rustikalen Blockhausstil und bis 1927 mit mehreren Anbauten erweitert. Dort bestaunen wir die mächtige Eingangshalle mit Blick bis unter das Dach und sitzen auf der überdachten Terrasse, von der wir einen erneuten Old Faithful-Ausbruch sehen können.

Etwas versteckt gelegen, aber unglaublich lohnend ist der Fairy Fall Trail. Auf diesem Pfad lässt sich ein Hügel erklimmen und von oben auf die berühmte, viel fotografierte Grand Prismatic Spring schauen. Wir gelangen zunächst über einen Schotterweg und dann über einen sehr steilen, unbefestigten und teils rutschigen Pfad über Äste und Baumstämme hinauf. Die Mühe lohnt sich – der Ausblick ist phantastisch! Von oben präsentiert sich die Grand Prismatic Spring in ihrer ganzen Schönheit als kreisrunder, schillernd blauer See, eingefasst von einem roten Kranz, der in Strahlen nach außen ausläuft. Aus der Nähe lassen sich die Farben und Formen dieses Naturhighlights auch auf einem Boardwalk genießen.

Vom Yellowstone in den Grand Teton Nationalpark

Am Morgen besichtigen wir das Lower Geyser Basin mit dem Fountain Paint Pot und einem beeindruckenden Geysir, dann heißt es Abschied nehmen vom Yellowstone Nationalpark. Mit viereinhalb Tagen war dies bisher die längste Zeit, die wir in einem Nationalpark verbracht haben. Unmittelbar südlich an den Yellowstone schließt sich der Grand Teton Nationalpark an. Vor uns breitet sich die wunderschöne Bergkulisse der Tetons aus, davor der Jackson Lake umgeben von Kiefernwäldern. Es ist nicht weit bis zu unserem heutigen Ziel – dem Colter Bay Campground. Hier haben wir keine Reservierung, es sind aber noch Plätze frei.

Auf einer kleinen Kayaktour erkunden wir die Seitenarme des Jackson Lakes, immer mit Blick auf die grandiose Bergkulisse! In der Abgeschiedenheit des Seeufers lässt es sich hervorragend baden. Auch finden sich im Nationalpark paradiesische Wanderareale.

Wir fahren zu früher Stunde zum Ausgangspunkt für den heutigen Hike, da tauchen plötzlich auf dem Seitenstreifen stehend mehrere Autos auf, daneben Menschen mit Stativen und Fotoapparaten. Das kann nur eines bedeuten: Bären! Zwei Grizzlies suchen friedlich im Offenland nach Nahrung! In sicherem Abstand stehen wir am Straßenrand und staunen, bis die Grizzlies hinter ein paar Büschen verschwunden sind. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt gelangen wir zum Taggart Lake Trailhead und starten zu einer dreieinhalbstündigen Wanderung durch die Moränenlandschaft vor der eigentlichen Teton Range. Die Highlights: Murmeltiere, Erdhörnchen und Streifenhörnchen, fantastische Ausblicke auf die Tetons, den Taggart Lake und den Bradley Lake.

Am Nachmittag treffen wir Terry und Kate wieder und lernen Kates Freundin Diane kennen. Sie wohnt eine Stunde südwestlich von Jackson Hole entfernt, hat vor ihrer Pensionierung als Highschoollehrerin gearbeitet und tourte mit Kate als Jugendliche mit dem Rucksack durch Europa. Ein Besuch von Bernie und Edie – bekannt mit Diane – steht auf dem Plan. Sie haben hier im Nationalpark ein kleines Sommerhaus, wohnen aber eigentlich in Cody. Obwohl sich Kate, Terry und Dianes Freunde zum ersten Mal begegnen, scherzen Kate und Bernie schon bald über politische Zugehörigkeiten. An diesem Nachmittag treffen offensichtlich Demokraten und Anhänger der stockkonservativen Tea Party Bewegung aufeinander. Eine interessante Mischung… Wir verbringen zwei unterhaltsame Stunden auf dem malerischen kleinen Anwesen, bewundern das urige Heim mit selbstgebauten Möbeln aus Wacholderholz, Quilts, diversen Tierfellen, ausgestopften Tierköpfen und Kronleuchtern aus abgeworfenen Geweihen. Bis heute wussten wir nicht, dass man Cougars (Berglöwen) auch essen kann. Zumindest Bernie und Edie haben einen gegessen. Sie essen offenbar fast alles, was sie erlegen… Zum Abschied müssen wir uns in ein dickes Gästebuch eintragen und werden von Edie geherzt und gedrückt.

Zurück am Colter Bay Campground, trennen sich unsere Wege. Die beiden Damen fahren zu Dianes Heim, wir bleiben mit Terry noch eine weitere Nacht im Nationalpark.

Vom Grand Teton Nationalpark über Jackson Hole nach Thayne

Mittags treffen wir uns alle in Jackson Hole wieder. Das Städtchen bildet den zentralen Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark und ist als mondänes Winterskigebiet bekannt. In der historischen Downtown schlendern wir an teuren Boutiquen, Galerien und Einrichtungsgeschäften, Maklern für hochpreisige Immobilien und Souveniershops entlang. Anschließend stärken wir uns in einem urigen Restaurant namens Geneviéve mit Veranda und einem kleinen Biergarten.

Am Nachmittag heißt uns Diane in ihrem Zuhause, in dem eine Stunde entfernt liegenden Ort Thayne willkommen. Diane´s Place liegt inmitten ausgedehnter landwirtschaftlicher Nutzflächen am Fuße der Berge. Es gibt eine schattige Terrasse, zwei Hunde, eine Katze, drei gigantische Kühlschränke der Energieeffizienzklasse ZZ—, ausgestopfte Tierköpfe und Kolibris! Für den Rest des Tages lassen wir uns von den unglaublich netten Damen betüddeln und speisen von Diane selbst geschossenen Elk (Wapiti).

Von Thayne nach Grand Lake

Heute heißt es Abschied nehmen von unserer Gastgeberin und unseren Freunden. Wir sind alle ein wenig gerührt. Ob wir uns noch einmal wiedersehen? Zwei lange Fahrtage liegen vor uns, um die lange Strecke in Richtung Rocky Mountain Nationalpark zu überbrücken und damit wieder grob in die Region zurückzukehren, in der wir unsere Reise begonnen haben. Die großen Distanzen in diesem weiten Land sind uns noch immer unbegreiflich!

Auf dem Weg durch die endlos karge Salbei-Wüste und die Schichtstufenlandschaften überqueren wir irgendwann die Grenze zum Bundesstaat Colorado. Die Country-Schnulzen aus dem Radio sind der perfekte musikalische Hintergrund dafür! Scheinbar verrückt gewordene Erdhörnchen rennen auf die Straße und ziehen andere, tote Tiere an die Seite… Merkwürdige Gegend hier…

Am Nachmittag des zweiten Tages erreichen wir dann endlich den Ort Grand Lake vor den Toren des Rocky Mountain Nationalparks. Hier eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, gestaltet sich unerwartet schwierig – alle Campingplätze der Region sind ausgebucht. Wir haben nicht an den Independence Day gedacht! Zum Feiertag scheinen so ziemlich alle US-Amerikaner unterwegs zu sein! Einfach auf den nächsten pull out am Straßenrand stellen? Eine wenig verlockende Alternative… Etwas außerhalb des Ortes werden wir dann doch noch fündig. Der privat geführte, gemütliche Elk Creek Campground ist zwar auch ausgebucht, aber auf dem Schotterparkplatz können wir für 30$ pro Nacht zwischen zwei Motorbootanhängern unterkommen. Ist uns recht!

Wanderungen im Rocky Mountain National Park

Wir wollen den Tag heute ganz entspannt angehen und uns durch das Ortszentrum von Grand Lake treiben lassen. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg. Unterhalb der Straße stehen wir plötzlich einem männlichen Elch mit imposanten Schaufeln gegenüber! Da die Fahrbahn etwas erhöht verläuft, ist er aus den vorbeifahrenden Autos heraus nicht zu sehen, und alle Insassen recken vergeblich die Hälse. Wir stehen zu zweit am Straßenrand und bestaunen andächtig das faszinierende Tier. Es dauert nicht lange, da stößt vom nahegelegenen Parkplatz ein Vater mit seinem kleinen Sohn dazu. Und dann geht es Schlag auf Schlag, mehrere Autos halten, alle möglichen Leute versammeln sich um uns herum. Und schon haben wir einen – letztlich durch uns verursachten – moose jam! Dem Elch scheint das zu viel zu werden, denn er zieht sich Stück für Stück ins Dickicht zurück. Wir überlassen ihn den Horden und räumen das Feld. Über einen Fußgängerpfad gelangen wir durch hübsche Wohngebiete mit üppigen Feriendomizilen nach Grand Lake, wo wir den Rest des regnerischen Nachmittags in den chilligen Cafés und Restaurants auf der Mainstreet verbringen.

Auf in den Nationalpark! Gegen fünf Uhr erreichen wir den Timber Creek Campground, der ein wenig kahl erscheint, da nahezu alle Bäume auf dem Areal einer Pine Beetle-Plage zum Opfer gefallen sind und gefällt werden mussten. Dafür hat man jetzt von nahezu allen Stellplätzen freie Sicht in die Umgebung. Der Campground liegt inmitten des Kawuneeche Valley im westlichen Teil des Nationalparks. Das fruchtbare Tal eignet sich für Wildtierbeobachtungen, Wanderungen in das Quellgebiet des Colorado River und in die umgebende Bergwelt – so zum Beispiel die knapp sechsstündige Wanderung zum 3.365 Meter über NN gelegenen Timber Lake. Wie auf vielen staatlichen Campgrounds wird auch hier abends ein so genanntes Campfire Program angeboten. Heute berichten Ranger über den Leben spendenden, jedoch bedrohten Colorado River. Anders als hier in seinem Ursprungsgebiet, ist der berühmte Fluss in seinem ehemaligen Delta in Mexiko nur noch ein klägliches Rinnsal. Die intensive Landwirtschaft verbraucht zu viel.

In der Nacht vor unserer Weiterfahrt auf die Ostseite der Rockies wird das Tal von unglaublichem Donnergrollen erschüttert. Hier im Landesinneren scheinen Gewitter, zumindest aber entferntes Wetterleuchten ein fast tägliches Phänomen zu sein! Auf der aussichts- und serpentinenreichen Passstraße „Trail Ridge Road“ überqueren wir tags darauf die Bergkette. Der höchste Punkt der Passstraße liegt auf 3.713 Metern über NN! Auf der anderen Seite liegt die kleine Westernstadt Estes Park. Der ungefähr 6.000 Einwohner zählende Ort ist ein beliebter Ausgangspunkt für Touren in den Rocky Mountain Nationalpark und verfügt über eine kleine Downtown mit einer Vielzahl von Geschäften und Restaurants entlang einer einladenden Mall. Ein Spaziergang lohnt sich hier allemal.

Unsere erste Wahl für die heutige Übernachtung ist der staatliche, im Nationalpark gelegene Moraine Campground. Hier haben wir aber kein Glück, alle Plätze sind belegt. Der Campingplatz mit den vielen, Schatten spendenden Ponderosa Pines, den großzügig angelegten Parzellen und der Aussicht von einer gegenüber liegenden Anhöhe gefällt uns sehr. Und so nehmen wir uns vor, morgen noch einmal wieder zu kommen. Auf dem privaten Estes Park Campground am Mary´s Lake kommen wir für heute unter. Nicht so ansprechend, dafür teuer.

Am nächsten Morgen in aller Frühe sind wir dann auf dem Moraine Campground erfolgreich und können uns einen Platz für die kommenden drei Nächte ergattern. Dies gelingt jedoch nur mit etwas Kreativität! Wir fahren über das Gelände und halten nach Gästen Ausschau, die augenscheinlich dabei sind, ihr Lager abzubrechen. Eine kurze Klärung, wann sie startklar zur Abreise sind, und der Platz ist gesichert. Wir hinterlassen unseren Registrierungszettel und zwei Klappstühle und düsen los zu neuen Erkundungen. Auch auf der Ostseite gibt es im Nationalpark und rund um Estes Park viele Möglichkeiten für Wanderbegeisterte. Menschenleere Waldlandschaften, idyllische Bergseen und alpenartige Panoramen!

Außerhalb des Parks fasziniert uns die wunderschöne Kurzwanderung zum Gem Lake. Auf einer Strecke von nur 1,7 Meilen (one way) steigen wir durch eine abwechslungsreiche Fels- und Ponderosalandschaft mit dramatischen, verwitterten Granitfelsen hinauf bis zu einem malerisch gelegenen, von steilen Felswänden eingerahmten See.

Innerhalb des Parks gehören die Loopwanderungen zum Bear Lake und zum Emerald Lake zu den Hauptattraktionen. Mit einem riesigen Sammelparkplatz und Shuttlebussen zum Trailhead versucht man hier, der Menschenmassen Herr zu werden. Die hohen Besucherzahlen sprechen für sich – in einer Bilderbuchlandschaft wirken die spiegelglatten Bergseen am Fuß steiler Felswände magisch! Abseits der ausgetretenen Pfade ist es aber selbst in diesem Teil des Parks möglich, etwas abgeschiedener unterwegs zu sein.

Ausklang in Central City

Wir verlassen die Region um den Rocky Mountain Nationalpark und cruisen über den Ort Lyons durch das bewaldete, hügelige Vorgebirge, bis wir gegen Mittag die Universitätsstadt Boulder erreichen.

In der City geht es jung, sportlich, lifestylig und liberal zu. Wir schlendern die Pearl Street Mall in der Downtown hinunter und gönnen uns ein hervorragendes Frühstück bestehend aus Denveromelett und Hashbrowns in einem gut besuchten Diner namens „Snooze an A.M. Eatery“ #Link?.

Im Visitor Center erkundigen wir uns nach Übernachtungsmöglichkeiten in Boulder – und werden enttäuscht. In dieser jungen, flippigen Studi- und Sportstadt gibt es nicht einen einzigen Campground – wie ist das möglich?! Auch im Umfeld der Stadt sind die Campingplätze rar gesät oder so einfach, dass sie ungeeignet für einen letzten Aufenthalt sind, den wir nutzen müssen, um zu packen, das Wohnmobil zu reinigen und die dump station aufzusuchen. Der Griff zum KOA-Katalog bringt Orientierung und führt uns in den 16 Meilen entfernt gelegenen Ort Central City. Der Ort entpuppt sich als pittoreske, jedoch erstaunlich ausgestorben wirkende Westernstadt mit denkmalgeschützten historischen Gebäuden und einer Vielzahl von Casinos. Die Casinos kamen, um der ehemaligen Bergbaustadt nach der Schließung der zahlreich vertretenen Silberminen eine neue Einnahmequelle zu bieten.

Der dortige Campingplatz „Denver West / Central City“ ist nicht unbedingt schön, aber sehr gepflegt und bietet alle Einrichtungen, die wir benötigen, um komfortabel unsere Abreise vorzubereiten. Das Areal liegt auf sage und schreibe 2.700 Metern über NN! Mit einem kostenlosen Fahrdienst werden die Gäste auf Wunsch in die Downtown gebracht und wieder abgeholt.

Auf dem Campground reinigen wir das RV und packen ein wenig wehmütig, gleichzeitig aber auch voller Vorfreude auf zu Hause unsere Rucksäcke. Am Himmel braut sich zum Abschied noch einmal eine riesige schwarze Masse zusammen. Der Großteil des Gewitters zieht an uns vorbei. Nur die mächtigen Blitze zucken über den Hügeln am Horizont. Morgen geht´s heim.

Wart Ihr schon einmal in den Rocky Mountains, und was habt Ihr dort erlebt? Oder plant Ihr eine Reise in die USA? Wir freuen uns auf Eure Empfehlungen, Anregungen und Kommentare!

 

+++ Hinweis: Sämtliche Namensnennungen und Empfehlungen in unseren Beiträgen basieren auf unserer persönlichen Meinung. Für die Erwähnung von Namen, Marken, Titeln etc. und für das Setzen von Links erhalten wir keine Bezahlung und auch keine anderweitige Gegenleistung. +++

 

Comments (2):

  1. Rickert

    4. Oktober 2018 at 20:13

    Hallo, was arbeiten Sie? Sie gehören in eine Reisredaktion. Haben die Reise zuerst genommen,
    die wir selbst gefahren sind. Die verwohnte Cabin kennen wir aus dem Rocky Mountais National Park. Bett vor Tuer War die Sicherung und Heizung nur mit Laerm. Sind nach Estes Park geflohen ins Alpine Inn. Super Motel.
    „Studenten wurden als Zimmermädchen nur dann in den Semesterferien eingestellt, wenn sie alle Pruefungen imSemester bestanden haben, da sie sonst abgelenkt sind..“Zimmer waren super sauber und beheizt.
    Gruss

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    • Nadine

      6. Oktober 2018 at 2:03

      Hallo und vielen Dank für das Interesse an unserem Blog! Eine Nacht in einer verwohnten Cabin scheint ja dann irgendwie dazu zu gehören 😉 Wir hoffen, dass Sie darüber hinaus eine tolle Reise hatten und vor allem auch die wunderbare Landschaft genießen konnten! Viele Grüße

      Antworten

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