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Reiseblog für Flashpacking, Camping, individuelles Reisen

Korsika – Tiefblaues Meer, endlose Strände und die Magie der Berge

Die Insel Korsika trägt den Namen „Insel der Schönheit“ völlig zu Recht! Sie begeistert uns mit wunderschönen Berglandschaften, bizarren Felsformationen und endlosen Sandstränden. Es gibt in den malerischen Dörfern, auf den unzähligen Wanderwegen und traumhaften Campingplätzen viel zu entdecken und wunderbare Möglichkeiten, sich einfach treiben zu lassen. Zwei Wochen lang sind wir hier mit unserem Campervan unterwegs.

Die Route:
Bastia – Ghisonaccia – Bonifacio – Zonza – Porto – Monte Cinto – Lido de la Marana

Übernachtungsorte – unsere TOP 4:
Camping „La Riviere“, Zonza (Baden im Gebirgsfluss!)
Camping „Des Iles“, Bonifacio (Klippenwandern und Flanieren an der Südküste!)
Camping „Les Oliviers“, Porto (Viersterneplatz in der Calanche!)
Camping „San Damiano“, Lido de la Marana (Strandcamping im Kiefernwald!)

Mit der Fähre von Genua nach Bastia

Immer gen Süden, durch die Schweiz und den Gotthardtunnel, vorbei am Lago Maggiore, durch das Piemont und die nördlichen Ausläufer des Appenin, erreichen wir an einem Nachmittag im Mai die Hafenstadt Genua. Das Verkehrsaufkommen, die engen Straßen, das Verkehrstempo und der Fahrstil der Großstädter sind abenteuerlich. Augen zu und durch. Abfahrt verpasst? Nein, gerade noch erwischt! Und irgendwann rollen wir auf das Hafengelände. Tief durchatmen. Geschafft.

Bis zur Abfahrt unserer Fähre um 21 Uhr bleibt viel Zeit im benachbarten Einkaufszentrum und am Anleger, mit dem über Stunden unveränderten Blick auf unsere quietschbunt mit Comicfiguren dekorierte Moby-Fähre „Zazà“. Wer kommt auf quietschbunte Comicfiguren? An Bord fühlen wir uns beim Auslaufen ein wenig wie auf einer Kreuzfahrt – mit einem Bier in der Hand an der Reeling stehen, den Blick über den genuesischen Hafen schweifen lassen, die Lichter der Stadt in der einsetzenden Dämmerung auf uns wirken lassen und die Gerüche des Meeres einatmen… es ist schön, wieder unterwegs zu sein!

Die Fährfahrten über Tag dauern in der Regel sieben Stunden. Über Nacht fahren die Schiffe langsamer. So erreichen wir nach 11 Stunden am frühen Morgen die korsische Hafenstadt Bastia. Die grauverhangene Insel empfängt uns mit einem lauwarmen Regenguss. Es herrscht dichter Verkehr, und wir sind froh, als wir die Ausfallstraße Richtung Süden erreichen. Zeit für ein zweites Frühstück. Am nächsten Kreisverkehr finden wir ein hübsches, neues Café. Mein letztes Französischsprechen ist mindestens fünf Jahre her. Dafür sind bei den Angestellten allenfalls rudimentäre Englischkenntnisse vorhanden. Aber wir alle geben uns Mühe, und so funktioniert die Verständigung, mit Händen und Füßen. Das wird schon noch!

Auf der korsischen Ostseite Richtung Süden

Wieder unterwegs unternehmen wir einen kleinen Abstecher zu einem der menschenleeren Naturstrände, die an der Ostküste zahlreich existieren und die man gut über viele von der Hauptstraße abzweigende Wege erreichen kann. Um diese Jahreszeit und nicht bei bestem Wetter ist es hier herrlich einsam!

Ein touristischer Anziehungspunkt und interessanter Zwischenstopp ist das auf einem Hügel gelegene Dörfchen Aléria mit seinen römischen Ausgrabungsstätten (auch erwähnt im Comic „Asterix auf Korsika“!). Genau bei unserer Ankunft schließen Museum und Ausgrabungsstätte für eine Stunde zur Mittagspause. So können wir nur durch ein Gittertor einen Blick auf die Ruinen werfen. Wir haben keine Lust, auf das Ende der Mittagspause zu warten und fahren weiter. In der Nähe von Aléria lohnt sich etwas abseits der Hauptroute ein Besuch der korsischen Winzergenossenschaft (SCA Union de Vignerons de l’Ile de Beauté) mit Direktverkauf. Hier gibt es neben den Weinen auch allerlei korsische Delikatessen zu kaufen, unter anderem Marmeladen und Gelees und ein unglaublich leckeres Zwiebelkonfit (Confit d´Oignon).

Das Glas wird bereits nach zwei Tagen leergegessen sein. Wir werden für den Rest der Reise in allen Supermärkten und Lädchen nach Nachschub suchen, aber erst einige Tage später in Porto auf der Westseite der Insel fündig werden. Zwiebelkonfit schmeckt zu nahezu ALLEM. Vor allem aber zu einer saftigen, kross gegrillten, würzigen nordafrikanischen Merguéz-Bratwurst mit Couscous-Salat (in nahezu allen korsischen Supermärkten erhältlich).

Am Strand von Ghisonaccia treffen wir Steffi, Bernd und Lutz in ihrer Ferienanlage Perla di Mare. Hier bleiben wir für eine Übernachtung in hübscher, halbschattiger, gepflegter und familienfreundlicher Atmosphäre. Die lässt sich besonders gut mit einigen Flaschen Pietra-Bier am Strand genießen. Von den Bungalows gelangen wir über einen direkten Zugang zum Meer. Es gibt eine eigene Bar und einen großzügigen Pool. Einkäufe und ein Besuch des Ortes mit vielen Restaurants, Cafés und Geschäften sind jedoch eher mit dem Auto oder dem Fahrrad zu machen, da der Strand ungefähr 5 km vom Dorf entfernt liegt. An der Hauptstraße von Ghisonaccia kehren wir dann auch am Abend in eines der zahlreichen Restaurants mit Pizza und mediterraner Küche ein und lassen unseren ersten Tag auf der Insel ausklingen.

Stadt auf weißen Klippen – Bonifacio

Heute geht es weiter Richtung Süden. Unser Ziel heißt Bonifacio, eine kleine Hafenstadt an der nach ihr benannten Meerenge zwischen Sardinien und Korsika. Die italienische Insel liegt hier nur etwa 12 km entfernt. Obwohl wir noch in der Vorsaison unterwegs sind und auf Korsika die großen Urlaubermassen noch nicht eingefallen sind, drängen sich in Bonifacio die Besucher mit Bussen, Wohnmobilen und Autos. Hier um diese Zeit einen Parkplatz zu finden, gestaltet sich ziemlich schwierig. Noch dazu mit sperrigem Gefährt! Für einen Besuch dieses an sich sehr hübschen und malerisch gelegenen Ortes lohnt es sich also – vor allem in der Hauptsaison – früh aufzustehen, oder erst am späten Nachmittag zu kommen, wenn die ersten Bootsausflügler und Bustouristen schon wieder abgereist sind.

Der zentrumsnah gelegene Campingplatz L’Araguina ist hübsch und nur wenige Minuten zu Fuß zum Hafen und zur Altstadt gelegen. Gleichzeitig ist er aber auch recht eng und direkt an der vielbefahrenen Hauptstraße in den Ort gelegen. Uns ist nach etwas mehr Ruhe. Wir suchen also weiter und landen etwa fünf Kilometer außerhalb der Stadt auf dem Campingplatz „Des Iles“, gelegen zwischen Bonifacio und dem Capo Sperone. Auf dem Platz mit seinen naturbelassenen Parzellen, schattenspendenden Bäume und tipptopp gepflegten Sanitärhäusern fühlen wir uns sofort wohl. Von hier ist es nicht weit zu den spektakulären Kalksteinklippen, zum Leuchtturm von Pertusato und dem dort verlaufenden Wanderweg.

Auf der Strecke zwischen Bonifacio und Camping „Des Iles“ können wir den Campervan auf einem Seitenstreifen abstellen und laufen ein paar Meter über einen kleinen Pfad durch Zwergsträucher bis zur Abbruchkante der nahegelegenen Steilküste. Von hier hat man einen atemberaubenden Ausblick auf die Klippen und die oberhalb gelegene Stadt. Zu unterschiedlichen Tageszeiten bietet sich mit den sich ändernden Lichtverhältnissen immer wieder ein neues, grandioses Panorama.

Am Nachmittag wagen wir uns für eine kleine Stadterkundung in den Trubel. Es ist voll, aber wir können den Van gegen eine Gebühr von 5,00 Euro auf einem großzügigen Privatparkplatz eines der hiesigen Bootstourenanbieter abstellen. Teilweise sind diese Parkplätze morgens ausschließlich den Bootsgästen vorbehalten und dann gratis, wenn man direkt vor Ort ein Ticket für eine Tour erwirbt. Zunächst schlendern wir am mondänen Yachthafen mit Café- und Restaurantmeile entlang und beobachten wenig später das Anlegemanöver einer riesigen, luxuriösen Charteryacht. Ein leicht in die Jahre gekommener Herr – offensichtlich der Charterer – umrundet die Yacht auf einem Jetski, nähert sich dem Pier, dreht dramatisch ab, umrundet wieder das Boot, durchkreist das Hafenbecken… dabei hat er auf seinem Gefährt Lautsprecherboxen installiert und beschallt mit französischer Popmusik die Umgebung. In einiger Entfernung liegt der imposante Viermaster Sea Cloud (Luxuskreuzfahrtsegelschiff) vor Anker. Wir sitzen auf dem Pier, lassen die Beine baumeln und haben das ganze Treiben im Blick.

Über eine weitläufige Treppenanlage gelangen wir in die historische Oberstadt mit pittoresken, engen Gassen und der heute noch zum Teil militärisch genutzten Zitadelle. Zahlreiche Cafés bieten sich an, um zu sitzen, zu genießen und zu schauen. Etwas versteckt gelegen befindet sich hinter der Rue Simon Vasi der Zugang zum Escalier du Roi d´Aragon, der Treppe des Königs von Aragon. Insgesamt 187 Stufen führen steil die Felsen hinab bis zu einem Klippenpfad knapp über Meeresspiegelniveau. Der Aufstieg kostet dann natürlich einiges Schnaufen, aber es lohnt sich sehr!!

Wanderung zur Plage de Paragan

Wandertag! Die Umgebung von Bonifacio sieht so malerisch aus, dass wir sie heute einmal näher zu Fuß erkunden wollen. Die Wanderung beginnt mit dem Einstieg am ortsnahen Campingplatz L’Araguina. Der steinige Weg führt leicht bergan durch Busch- und Strauchvegetation, oben dann ebener, bis wir nach etwa eineinhalb Stunden Gehzeit die Plage de Paragan erreichen.

In Erwartung einer ausgedehnten Badepause macht sich ein wenig Enttäuschung breit, als wir kein weißes, feinsandiges Idyll vorfinden, sondern einen wenig einladenden, windzerzottelten Strand, der unter meterdickem Schilfstroh begraben ist. Wir entdecken einen Pfad, der über den Strand hinaus weiterführt und treffen ein paar Meter weiter auf einen versteckten Abstieg zum Wasser. Und siehe da! Hier befindet sich eine bildschöne kleine, von Felsen eingerahmte, einsame Sandbucht. Ein Traum! Wir baden, futtern Snacks und genießen es, für uns zu sein.

Oberhalb der Klippen geht es zurück nach Bonifacio – vorbei an türkisblauen Buchten und blühenden Wildblumenwiesen!

Gegen Ende der Wanderung öffnet sich die fjordartige Hafeneinfahrt von Bonifacio unter uns. Der Blick ist weit! Über den Yachthafen, die Altstadt und die Zitadelle bis zum offenen Meer! Gemütlich steigen wir in die Altstadt hinab. Mit ausgedehnten Bade- und Fotopausen hat diese Wandertour fünf Stunden gedauert.

Die verwunschene Welt von Pianu di Livia

An diesem Morgen geht es ohne ein klares Ziel vor Augen auf die Piste… einfach schauen, wo es uns heute hintreibt. Keinen Plan abarbeiten. Das ist echter Luxus! Mit einem Blick auf die Karte fällt unsere Entscheidung dann irgendwann auf das Bergdorf Zonza, in der Hoffnung, dort auf gute Wandermöglichkeiten zu treffen. Auf dem Weg mit kurzen Unterbrechungen in der Bergstadt Sarténe und an einer genuesischen Brücke namens Spina Cavallu treffen wir zwischen den Orten Sainte Lucie de Tallano und Levie auf ein Hinweisschild zu in der Nähe gelegen archäologischen Stätten. Es ist noch früh. Warum nicht herausfinden, was sich dahinter verbirgt? Wir folgen dem Wegweiser und tauchen wenig später in eine verwunschen wirkende Welt aus knorrigen Bäumen, moosbewachsenen Mauern und in grauer Vorzeit erbauten Siedlungsresten ein: die prähistorischen Stätten Castellu di Cucuruzzu und Capula.

Über einen circa zwei Stunden dauernden Rundweg lässt sich das Areal um die frühgeschichtlichen Anlagen bequem erkunden. Am Eingang zahlen wir eine kleine Eintrittsgebühr und erhalten auf Nachfrage eine mehrsprachig erhältliche Leihbroschüre, der wir (zugegebenermaßen leider nur recht knapp gehaltene) Informationen zu einzelnen Stationen entnehmen können. Wir nehmen jedoch auch ohne große Informationsflut die mystische Atmosphäre in uns auf, durchstreifen die mit großen Granitblöcken durchsetzte Landschaft und kraxeln über die alten Festungsanlagen.

Zonza – Idyll in den Bergen

Am Nachmittag erreichen wir Zonza, einen kleinen Wander- und Ferienort in den Bergen des Bavella-Massivs. Wir fahren mehrere, etwas außerhalb des Ortes gelegene, entweder so früh im Jahr noch nicht geöffnete oder ziemlich einfache Campgrounds am Steilhang ab, bis wir auf ein traumhaftes Plätzchen namens Camping La Riviere treffen! Hier wollen wir bleiben! Von insgesamt mehr als fünfzig Stellplätzen sind nur einige wenige belegt. Unsere Wahl fällt auf ein idyllisches, leicht erhöhtes Fleckchen unter Bäumen. Der ideale Ort, um unser neues Beizelt – offiziell als Fahrradgarage tituliert – aufzubauen. Viel Platz für Kisten und Kram, Stühle und Tisch. Und bei Regen und Wind eine Möglichkeit, den Kocher anzuwerfen.

Der Campingplatz liegt oberhalb eines Gebirgsflusses, zu dem man über einen kleinen Pfad absteigen kann. Der Fluss hat stellenweise eine recht kräftige Strömung, staut sich jedoch hier zu einem tiefen Pool auf, in dem es sich herrlich baden lässt (wenn es nicht gerade kalt und regnerisch wie heute ist). Vor dem Schlafengehen genießen wir es einfach, draußen zu sein. Wir blicken in den sternenklaren Himmel, umgeben vom Duft des wohlriechenden Kiefernwaldes.

Wanderung zum Monte Calva

Auf der kleinen Passhöhe der Bocca d´Illarata befindet sich der Ausgangspunkt für den Wanderpfad zum Gipfel des Monte Calva (etwa 1.400 m ü. NN – Karten und Reiseführer machen hier unterschiedliche Angaben). Über einen breiten Forstweg durchwandern wir einen Pinienwald, dann geht es vorbei an verwitterten Gesteinsformationen und über Blockschuttfelder hinauf bis zu einem Aussichtsgipfel mit Funkmast. Erst dahinter befindet sich in Sichtweite der leicht bezwingbare Gipfel des Monte Calva. Das nahe gelegene Bavella-Massiv und der Stausee von Ospédale breiten sich vor uns aus, und die Täler und Bergflanken öffnen sich in surrealer Weite. Das Wetter ändert sich im Viertelstundentakt, pralle Sonne, kräftiger Wind, leichter Nieselregen. Wenig später ziehen die Wolken auf die Westseite der Insel und geben den Blick in Richtung Ostküste frei.

Zurück in Zonza regnet es in Strömen! Uns bleibt nur der Griff zur Cappuccinotasse in einem kleinen Café. Beim Studieren einer Karte wird uns bewusst, wie riesig die Insel eigentlich ist und wie wenig wir erst erkunden konnten. Wir beschließen, schon morgen und nicht erst nach drei Nächten weiterzufahren und nehmen gedanklich schon einmal die Westküste ins Visier.

Westküstenfahrt in die Calanche

Es regnet die ganze Nacht hindurch, fast ohne Unterbrechung. Morgens können wir wenigstens im einigermaßen Trockenen unser Beizelt einpacken. Die Zeltstangen verhaken sich ständig, das Zelt hebt ein paar Mal fast ab, und so haben wir einige Mühe, die triefend nasse Plane begleitet von Lachsalven in zwei Müllsäcke zu bugsieren und im Camper zu verstauen. Natürlich haben wir vergessen, Stühle und Tisch im Zelt unterzustellen und müssen diese nun auch noch von Wasser und Schlamm befreien. Gekocht haben wir auch nicht, und wir fragen uns, wozu wir das Beizelt eigentlich aufgebaut haben…

Nach all dem Herumgekrame starten wir unsere Fahrt durch umwerfende Berglandschaften, malerische Dörfchen und über engkurvige Serpentinenstraßen in den Nordwesten der Insel.

Wir lassen die von Gewerbegebieten durchsetzten Ausläufer von Ajaccio links liegen.

Nördlich der Küstenstadt wirkt die Landschaft immer ungezähmter und dramatischer.

Wieder haben wir keine wirkliche Vorstellung, was uns heute noch erwartet, und so sind wir wenig später völlig begeistert, als wir zwischen Piana und Porto über eine teils ausgesetzte Steilküstenstraße das rote Felsenmeer der Calanche – unser morgiges Wandergebiet – durchfahren!

Im Hafenstädtchen Porto mieten wir uns auf dem komfortabel ausgestatteten Campingplatz „Les Oliviers“ ein. Es schüttet ohne Unterbrechung, der Regen strömt uns auf der asphaltierten Haupterschließung entgegen, die terrassenartig angelegten Stellplätze versinken im Schlamm, da das Wasser gar nicht so schnell versickern kann wie es nachregnet.

Die Calanche – Wanderung im roten Felsenmeer

Wir werden von intensivem Vogelgezwitscher geweckt – die Sonne scheint! Über die schon von gestern bekannte Serpentinenstraße gelangen wir zum hoch über dem Meer gelegenen „Kiosk Des Roches Bleues“. In der Nähe befinden sich mehrere kleine und am Steilhang beengt angelegte Wanderparkplätze. Wir sind die ersten, die sich hier an diesem Morgen auf den Weg machen. Vom Kiosk aus beginnt der Anstieg, auf dem uns nach dem Regen der letzten Tage das Wasser als kleiner Bach entgegenströmt.

Der Pfad führt etwa eine Stunde lang steil bergauf bis zu einem wunderschönen Kastanienwald umrahmt von Lavendelwiesen und Farn.

Einen besseren Pausenplatz kann man sich kaum vorstellen – das Meer und die rote, bizarre Steilküste in Sichtweite!

Über verschiedene Abzweige gelangt man von hier oben noch weiter in die Berge hinein oder wandert über endlose Serpentinen und durch diverse Bachbetten zurück zur Straße und zum dortigen Aussichtspunkt Tete du Chien. Wir folgen der Straße bis zum Einstieg in einen weiteren Wanderpfad zu einem Felsplateau über dem Meer. Der Weg ist kurz, leicht begehbar und deshalb vor allem auch für Familien mit Kindern und ältere Wanderer ein schönes Ziel. Der Kiosk bildet einen herrlichen Zielpunkt mit leckerem Cappuccino. Unser heutiges Wander-Pausen-Programm hat insgesamt 6,5 Stunden gedauert.

Wir kehren zum Campingplatz zurück. Dort besuchen wir die einladende – und dank Vorsaison noch nahezu menschenleere – Poollandschaft. Aus dem Pool heraus kann der Blick wunderbar über die grünen Bergflanken der Umgebung streifen!

Am Abend ist es Zeit für einen Spaziergang in Porto. Die Brandung in der Bucht ist stark, der ruhigere Yachthafen ist über eine separate Bucht anzusteuern. Die unzähligen Hotels und zahlreich vertretene Gastronomie lassen auf einen ziemlichen Besucherandrang zur Hauptsaison schließen. Jetzt ist der Ort bereits auch schon ganz gut besucht, aber es geht noch recht gemütlich zu.

Von Porto zum Monte Cinto

Am frühen Morgen reift der Plan heran, doch nicht noch einen weiteren Tag für ein ausgiebiges Entspannungsprogramm in der Calanche zu bleiben, sondern schon heute zum Monte Cinto – dem mit etwa 2.700 m ü. NN höchsten Berg Korsikas – aufzubrechen. Wir möchten so auch den Nordwesten der Insel kennenlernen.

Wir starten von Porto aus und kurven über die höchste Passstraße der Insel bis zum Col de Vergio auf rund 1.470 Metern Höhe. Um diese Jahreszeit liegen hier noch die letzten Schneereste.

Wieder sind wir ohne eine konkrete Vorstellung in den Tag gestartet – und werden von einer aussichtsreichen Serpentinenstrecke, dramatischen Landschaften mit weiten Tälern, senkrechten Felswänden und zinnenartigen Gipfeln umgehauen!

Wir durchqueren den lieblichen Foret d´Aitone, in dem sich mehrere frei laufende Schweine- und Kuhherden herumtreiben.

Am Nachmittag erreichen wir unser Ziel, das verschlafene, im Nieselregen recht trostlos wirkende Nest Lozzi und zwei nahezu ausgestorbene Campingplätze am oberen Ortsrand. Einer der beiden Plätze scheint noch geschlossen zu sein, und überall liegt Baumaterial herum. Auf dem anderen Platz (Camping L´Arimone) lädt uns ein Schild an der Zufahrt ein, einfach einzutreten, das Tor wieder zu schließen und uns irgendwo niederzulassen. Das Gelände ist terrassenartig angelegt, mit schattigen Bäumen, Hecken und kleinen Raseninseln. Ein verschlafener Ort – nur ein weiteres Zelt deutet auf andere Gäste hin. Viele Katzen laufen umher oder schlummern auf einem stillgelegten, vor sich hin rostenden Kleinwagen. Das ein wenig in die Jahre gekommene Gebäude mit Rezeption und Bistro scheint schon längere Zeit verriegelt zu sein. Der Strom ist ausgefallen und in der Dusche gibt es ganze eineinhalb Minuten eine warme Berieselung, bevor sie sich schlagartig in einen Eiswasserschwall verwandelt.

Es herrscht jedoch eine wunderbare Stille, die nur von vereinzeltem Vogelgezwitscher durchbrochen wird. Die Berge sind umhüllt von dichten Wolkenschwaden.

Wanderung am höchsten Berg Korsikas

Wir starten unseren heutigen Wandertag direkt zu Fuß vom Campingplatz aus. Unser Ziel des Tages ist das Refuge d´Ercu, eine unbewirtschaftete Schutzhütte unterhalb des letzten steilen Aufstiegs zum Gipfel des Monte Cinto. Es geht über eine breite, teils sehr zerfurchte und sich in weiten Kurven hinaufwindende Schotterpiste und schmale Pfade quer durchs baumfreie Gelände. Die Piste ist auch motorisiert nutzbar. In diesem Fall scheint jedoch ein Allradfahrzeug angebracht, um zu einem weit oben gelegenen Parkplatz zu gelangen und von dort auf Wandertour zu gehen. Der dreistündige Anstieg fordert zumindest mir einige Quälerei ab, ich fühle mich irgendwie schlapp. Trotz der Strapazen sind die Ausblicke fantastisch, und es bleibt trocken. Nach einigen Kuhbegegnungen und einer Herde scheuer Mufflons erreichen wir um die Mittagszeit eine Anhöhe über einem malerischen Wiesental, in dem zwischen kleinen Bächlein die Schutzhütte gelegen ist. Erst auf den letzten Metern, nachdem wir die letzten Felsen umrundet haben, wird der Blick auf die noch verbliebenen Schneefelder und die Gipfel frei. Von hier könnte man über eine Scharte zum Cintosee weiterwandern. Der Übergang ist jedoch um diese Jahreszeit noch weiträumig mit tiefem Schnee bedeckt und scheint nicht begehbar zu sein. In diesem Hochgebirgspanorama pausieren wir eine Zeit lang und wagen uns dann an den zweistündigen Abstieg.

Das Wetter ändert sich schlagartig, für den Nachmittag ist wieder Regen zu erwarten. Nach unserer Rückkehr stellen wir fest, dass die Duschen noch immer eiskalt und das Beizelt prima trocken ist. Eigentlich hält uns nach der Wanderung nichts mehr hier… wir packen schnell unseren Kram zusammen, klemmen dem nie gesehenen Phantom-Platzwart noch einen Geldschein ins Schlüsselloch der katzenumringten Rezeptionstür und brausen davon.

Durch das tief eingeschnittene Tal des Golo-Flusses geht es abwärts in Richtung Ostküste.

Die enge Serpentinenstraße führt durch die tief eingeschnittene Santa-Regina-Schlucht mit einem reißenden Gebirgsfluss, der sich durch schroffe Felsformationen windet.

Wir steuern am frühen Abend den südlich von Bastia gelegenen Lido de la Marana an. Kaum haben wir die Berge verlassen, werden die Temperaturen sommerlich-mild. Ein schmaler Landstreifen mit endlosem Sandstrand trennt hier das Meer vom circa 11 km langen „Étang de Biguglia“, einem Lagunensee, der über einen kleinen Zulauf mit dem offenen Meer verbunden und deshalb nicht vollständig ausgesüßt ist. Der See ist als Teil eines Naturschutzgebietes ein großes Vogelparadies. In der plattebenen Umgebung sind viele Urlauber mit dem Fahrrad unterwegs. Wir landen auf dem sehr komfortabel ausgestatteten, recht gut besuchten Campingplatz „San Damiano“. Unser Camper steht schattig im lichten Kiefernwald mit direktem Zugang zum Strand. Mit ein paar Bierchen lässt es sich hier zur Dämmerung herrlich auf das ruhige Meer schauen. Sonnenuntergangsfrei, da wir uns auf der Ostseite der Insel befinden.

Bastia, der Strand von Marana … und ab nach Hause!

Auch ohne das Wandern kann man auf Korsika wunderschöne Tage verbringen…Unsere verbleibenden zwei Tage auf der Insel füllen wir mit ausgedehnten Strandspaziergängen und einer Besichtigungstour in die rd. 44.000 Einwohner zählende Hafenstadt Bastia.

Im Gewusel der Altstadt und des Fähranlegers ergattern wir einen Parkplatz und lassen uns erst einmal über die weitläufige und mit Palmen bestandene Place Saint-Nicolas treiben. Von den vielen Cafés und Restaurants aus ist der Hafen in Sichtweite, und man kann die Anlegemanöver der großen Fähren beobachten. Unseren Rundgang setzen wir über den parallel verlaufenden Boulevard Paoli – die Haupteinkaufsstraße Bastias – fort, über die wir tiefer in die Altstadt gelangen. Zwischen den schmalen Häusern und engen Gassen geht es hinauf zur Zitadelle und in die zugehörige Oberstadt, auf einem Felsplateau oberhalb markanter Klippen gelegen. Auf dem Weg dorthin begegnen wir Rajid, einem jungen Inder, der seit zwei Monaten in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille arbeitet und sich nun nach und nach einzelne interessante Orte in Europa ansehen möchte. Es scheint für sich zu sprechen, dass er – aus der riesigen Metropole Mumbai stammend – Marseille als „unsichere“ Stadt bezeichnet. Bastia muss auf ihn wirken wie ein beschauliches Dorf!

Die historische Oberstadt mit kleinen Restaurants, Lädchen und Cafés besticht durch malerische enge Gassen, pastellfarbene Häuser mit Blendläden und kleinen Balkonen, auf denen Wäsche getrocknet wird. Über steile Treppen geht es hinab zum Yachthafen mit seinen vielen weißen Segelbooten. Der Port de Plaisance wird von den alten Gebäudefassaden und der Kirche Saint-Jean-Baptiste mit ihren wohl in nahezu jedem Reiseführer abgebildeten markanten Türmen eingerahmt.

Zurück in einem Café unter den Schatten spendenden Platanen der Place Saint-Nicolas werden wir unfreiwilliger Weise und viel zu lang von einem mehr oder weniger talentierten Michael-Jackson-Immitator beglückt und nehmen irgendwann reißaus! Es wird Zeit, den letzten Abend auf der Insel außerhalb des städtischen Trubels zu genießen, und so landen wir wenig später bei Bier, Rosé, hervorragender Pizza und frischen Muscheln in der neben dem Campingplatz gelegenen Strandbar „La Pagode“.

Der Abreisetag ist gekommen. Wir brechen schon früh auf, um auf Empfehlung der Rezeptionistin vor der Abfahrt unserer Fähre in Bastia noch einmal für ein kleines Frühstück zur schönen Place Saint-Nicolas zurückzukehren. Der Platz ist auch am Morgen belebt, denn es findet heute ein kleiner Flohmarkt statt. Es ist nur noch ein Katzensprung zum Fährhafen, so dass wir uns wenig später mit unserem Camper in eine Warteschlange einreihen und aufs Boarding warten. Dass in Bayern und Baden-Württemberg die in diesem Jahr zweiwöchigen Pfingstferien begonnen haben, macht sich deutlich bemerkbar, als die gerade vom Festland angekommene Fähre eine nicht enden wollende Schlange an Fahrzeugen mit süddeutschen Autokennzeichen ausspuckt… wir haben noch nie so viele VW-Camper auf einem Fleck gesehen!

Auf der Fähre beziehen wir auch dieses Mal eine Kabine. Es ist bei der mehr als siebenstündigen Überfahrt auch tagsüber eine super Sache. Das Handgepäck ist gut untergebracht, und zwischendurch ein Nickerchen tut auch ganz gut, denn die windstillen Schattenplätze an Deck sind rar gesät. Am Abend erreichen wir den Hafen von Genua. Unter voller Konzentration brausen wir über die Schnell- und Küstenstraße Richtung Osten, mitten durch den starken Verkehr. Es wird gehupt und gedrängelt, und wir werden von allen Seiten von wahnsinnigen Rollerfahrern überholt. Cool bleiben, nicht nachdenken, einfach fahren! Im Augenwinkel sehen wir ein schönes Hafengelände und vielbesuchte Strandpromenaden an uns vorbeiziehen. Irgendwann biegen wir fälschlicherweise von der Haupt- in eine kleinere Straße ab, die immer schmaler wird und uns im Stadtteil Nervi mit seinen berühmten Parkanlagen in ein Wohnviertel mit wunderschönen, pastellbemalten Fassaden führt. Wir sind sehr angetan, haben jedoch leider wegen der fortgeschrittenen Stunde keine Zeit, hier auf Erkundungstour zu gehen.

Über eine steile Zufahrtsstraße erreichen wir unseren heutigen Übernachtungsplatz „Genova Est“ im Vorort Bogliano. Der hübsche Platz ist eng, steil und in sehr schmalen Terrassen angelegt. Wir stehen mit mehreren Campern hintereinander am Wegesrand. Zwischen der geöffneten Tür und der nächsten Terrassenkante liegt ungefähr ein halber Meter. Dafür hat man von fast allen Stellen einen Ausblick auf die genuesische Küste. Wir sind inzwischen ziemlich hungrig und freuen uns über das angeschlossene Aussichtslokal, das unter anderem leckere Pizza und wunderbare frittierte Meeresfrüchte serviert!

Das quirlige Genua entlässt uns am nächsten Morgen in aller Frühe in Richtung Norden, und nach einem kleinen Stau vor dem Gotthard-Tunnel und einer weiteren Zwischenübernachtung in Walldorf bei Heidelberg freuen wir uns wieder auf Zuhause.

Wart Ihr schon auf Korsika oder plant eine Reise dorthin? Wir freuen uns auf Eure Empfehlungen, Anregungen und Kommentare!

 

+++ Hinweis: Sämtliche Namensnennungen und Empfehlungen in unseren Beiträgen basieren auf unserer persönlichen Meinung. Für die Erwähnung von Namen, Marken, Titeln etc. und für das Setzen von Links erhalten wir keine Bezahlung und auch keine anderweitige Gegenleistung. +++

Comments (3):

  1. Nadine

    23. September 2018 at 16:03

    Thank you very much! We are happy that you like it!

    Antworten
  2. Tobias

    28. Oktober 2018 at 14:51

    Der Spitzname von Korsikas höchstem Berg ist nicht ohne Grund „Monte Schindo“ 😉

    Antworten
    • Nadine

      29. Oktober 2018 at 18:35

      Hallo Tobias! Ja, genau das habe ich auch die ganze Zeit gedacht, als es bergauf ging! Der Spitzname ist Programm! 😉

      Antworten

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