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Reiseblog für Camping, Flashpacking, individuelles Reisen

Der Campervan – eine „Liebeserklärung“

Seit Mitte 2015 erkunden wir mit dem Mercedes Viano Marco Polo die nähere Umgebung und Reiseziele in Europa. Nach jedem Winter können wir die Freiluftsaison kaum erwarten und mit ihr die vielen kleinen und großen Auszeiten vom Alltag. Der Campervan ist uns ans Herz gewachsen. Warum? Das erfährst Du hier.

Erst hatten wir unsere Zweifel, ob uns die Enge auf unseren ersten „richtig langen“ Touren mit dem Campervan nicht irgendwann auf die Nerven fallen würde. Immerhin muss jeden Abend umgebaut und allerlei Kram von einer Ecke in die andere geräumt werden.
Wir können Dir sagen: Das Gegenteil ist der Fall. Je länger wir unterwegs sind und auf kleinem Raum leben, umso mehr gewöhnen wir uns daran. Mit der Zeit stellt sich eine automatische Ordnung ein. Jeder Handgriff wird zur Routine, alles hat seinen festen Platz [Mehr über unsere ersten Touren ohne Zelt erfährst Du in den Reiseberichten über Korsika und Fjordnorwegen!].

Zu zweit kommen wir mit dem verfügbaren Platz gut zurecht. Da die Regalfächer im Campervan aber recht klein sind, haben wir für unsere Kleidung zusätzlich jeder eine Reisetasche dabei. Auf den Vordersitzen können diese gut untergebracht werden, wenn die Rückbank zur Liegefläche umgebaut wird. Drei wasserdichte Aluboxen schaffen zusätzlichen Stauraum. Selbst bei Regen können sie einfach draußen abgestellt werden und können auch als kleiner Tisch oder Ablagefläche genutzt werden.

Auf kleinem Raum leben hat Vorteile. Wo nicht viel Platz ist, wird auch kein überflüssiger Kram mitgeschleppt. Wir beschränken uns auf das Minimum, und es fühlt sich richtig gut an. Alles, was gebraucht wird, ist immer in der Reichweite einer Armlänge verfügbar.

Auf zusätzlichen Stauraum – zum Beispiel in Form einer Dachbox – haben wir bisher lieber verzichtet, um die „magische“ Höhe von zwei Metern nicht zu überschreiten. Das macht sich vor allem in Städten, bei der Parkplatzsuche bezahlt. Mit einer Höhe von 1,98 Metern passt der Marco Polo in fast jedes Parkhaus und auch in fast jede normal dimensionierte Parklücke. Auch kleine, verwinkelte Straßen, Serpentinenstrecken und sonstige Engstellen lassen sich in der Regel problemlos befahren.

Theoretisch bietet der Campervan vier Schlafplätze (zwei auf der Liegefläche im Aufstelldach, zwei auf der Liegefläche der umgeklappten Rückbank). Wir haben die Maximalausnutzung selbst nie ausprobiert, stellen es uns jedoch ziemlich eng vor. Für Reisen mit mehr als zwei Personen empfehlen wir daher eher ein größeres Campermodell, zumindest aber ein zusätzliches Zelt oder Vorzelt. Es gibt zum Beispiel praktische Vorzeltmodelle, die nicht fest mit dem Fahrzeug verbunden sind, so dass man wegfahren und das Zelt alleine stehen lassen kann. Ein solches Vorzelt nutzen wir, wenn die Wetteraussichten trübe sind und wir uns länger als nur ein Wochenende an einem Ort aufhalten (sonst lohnt sich der Aufbau und das anschließende Trocknen nicht).

In der Regel reicht uns ein einfaches Sonnendach mit drei Zeltstangen aus, das in die Kederleiste eingezogen wird. Bei Wind und Regen kann seitlich noch ein Windschutz angebracht werden. Tisch, Stühle, Kisten und anderer Kram finden so ein einigermaßen trockenes Plätzchen.

Das Kochen ist auf zwei kleinen Gasplatten im Campervan möglich, aber Geschmacksache (insbesondere bei Speisen, die überkochen können oder in Fett gebraten werden). Ein paar Kleinigkeiten lassen sich hier problemlos zubereiten. Wir verlagern das Kochen aber lieber nach draußen auf einen separaten Gaskocher mit zwei Platten, oder bringen unseren kleinen Gasgrill zum Einsatz.

Zumindest für eine gewisse Zeit ist man mit dem Campervan autark. Mit einer Grundausstattung an Lebensmitteln, Trinkwasser und einem gefüllten 36-Liter Wassertank (kein Trinkwasser) kommt man erstmal klar. Dank der zweiten Batterie kann die Kühlbox mindestens zwei Tage lang auch ohne Stromanschluss betrieben werden. Wenn es kalt wird, kann das Fahrzeug mit der kraftstoffbetriebenen Standheizung gewärmt werden. Die Standheizung nutzen wir jedoch nur im Notfall, denn im Betrieb werden gelegentlich Abgasgerüche freigesetzt, die bei ungünstigem Wind auch im Fahrzeug wahrnehmbar sind und die vielleicht auch den campenden Nachbarn stören. Immer wenn wir einen Stromanschluss haben, nutzen wir deshalb einen kleinen elektrisch betriebenen Heizlüfter, der inzwischen für uns zur Grundausstattung gehört.

Mit einem Verbrauch von ungefähr acht Litern Diesel auf 100 Kilometern (Durchschnittswert auf der Norwegen-Tour) sind wir recht sparsam, aber gleichzeitig auch recht zügig unterwegs. Mit dem Campervan sind deutlich höhere Geschwindigkeiten möglich, als mit einem gewöhnlichen Wohnmobil oder Wohnwagen – besonders bei der An- und Rückreise zur Bewältigung weiter Strecken ein großer Vorteil.

Haben wir unser Ziel erreicht, wird der Van geparkt, die Stühle werden nach draußen gestellt, das Dach wird ausgeklappt – fertig. Und was wir auf Reisen besonders genießen (je nach Wetter und Aufenthaltsort) – das Übernachten mit geöffneter Schiebetür oder Heckklappe!

In direktem Kontakt mit der Natur zu sein, Frischluft zu tanken, die Aussicht zu genießen und trotzdem vor Wind und Regen geschützt zu sein, ist das Größte!

Während früher im Zelt die Tage mit dem Blick auf fensterlose Textilwände begannen und endeten, können wir im Van mit einer geöffneten Schiebetür oder Heckklappe vor dem Schlafen und nach dem Wachwerden ins Grüne schauen, und haben schon so manchen Sonnenauf- und -untergang direkt aus dem Schlafsack beobachten können.

Komfort, Flexibilität und Unabhängigkeit. Wir sind inzwischen zu echten Campervan-Fans geworden!

Wie bist Du unterwegs? Wie machst Du am Liebsten Camping und wo? Planst Du, Dir einen Campervan zuzulegen oder hast Du bereits einen? Wir freuen uns auf Deine Empfehlungen, Anregungen und Kommentare.

+++ Hinweis: Sämtliche Namensnennungen und Empfehlungen in unseren Beiträgen basieren auf unserer persönlichen Meinung. Für die Erwähnung von Namen, Marken, Titeln etc. und für das Setzen von Links erhalten wir keine Bezahlung und auch keine anderweitige Gegenleistung. +++

Comments (6):

  1. Inge+Konni

    17. Oktober 2018 at 21:37

    Haben wir mit viel Freude gelesen und können es gut nachvollziehen. Gruss Eure Eltern.

    Antworten
    • Nadine

      17. Oktober 2018 at 22:07

      Hallo Ihr Zwei, schön, dass es Euch gefallen hat! Ihr seid ja auch alte Campinghasen!

      Antworten
  2. Thomas

    18. Oktober 2018 at 8:36

    Schöner Artikel, nur bei einem Punkt habe ich eine andere Meinung: Ein Campervan geht locker auch zu viert. Wir sind immer zu viert (2 Erwachsene, 2 Kinder mit 9 und 2 Jahren) mit einem Fiat Scudo mit Ausstelldach unterwegs. Natürlich sind südlichere und wärmere Ziele da einfacher, aber man nutzt bekanntermaßen immer den Platz den man hat 😉 Für uns war’s bisher immer genug Platz. Zwei können sich ja zumeist hinauf unter’s Dach verziehen, wenn’s unten zu eng wird 😉 Oder nach draussen…

    Antworten
    • Nadine

      18. Oktober 2018 at 21:01

      Hallo Thomas! Vielen Dank für Deinen Kommentar! Die „Vollbesetzung“ haben wir in der Tat noch nie ausprobiert – super, dass Du da so positive Erfahrungen gesammelt hast und das so gut funktioniert. Wir wünschen Euch noch viel Spaß auf Euren Touren mit dem Fiat Scudo!

      Antworten
  3. Konni

    20. Oktober 2018 at 6:00

    Toll

    Antworten
    • Nadine

      20. Oktober 2018 at 7:44

      Schön, dass es Dir gefällt! Du bist aber schon ganz schön früh auf den Beinen ;-)!

      Antworten

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